RWE Thomas Fischer tritt Friedel Neubers Erbe an

Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern RWE hat Thomas Fischer zum neuen Aufsichtsratschef berufen. Der Chef der Westdeutschen Landesbank (WestLB) war seit Anfang November dieses Jahres einfaches Aufsichtsratsmitglied.

Essen/Düsseldorf - Der 56-jährige Top-Manager beerbt mit dieser Position den im Oktober im Alter von 69 Jahren verstorbenen früheren langjährigen WestLB-Chef Neuber.

Hinter der Berufung Fischers steht der Verband kommunaler Aktionäre (VkA) der Städte und Gemeinden, die mit rund 30 Prozent größter Anteilseigner des Essener Energieriesen sind. Auch Neuber, der die WestLB 20 Jahre lang geführt hatte, war seinerzeit mit Unterstützung des VkA zum RWE-Aufsichtsratschef gewählt worden.

Fischer steht erst seit Jahresanfang an der Spitze der WestLB, hat bei Deutschlands fünftgrößtem Kreditinstitut in dieser Zeit aber schon kräftig aufgeräumt. Die wegen riskanter internationaler Kreditgeschäfte und Beteiligungen ab 2002 in die tiefroten Zahlen gerutschte Bank kehrte unter Fischers Regie im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres wieder in die Gewinnzone zurück.

Fischers Nominierung stieß auf Widerstand

Zugleich boxte Fischer das neue Geschäftsmodell der WestLB durch, das die Bank nach den gewagten finanziellen Eskapaden der Vergangenheit wieder zu einem starken Zentralinstitut der nordrhein-westfälischen Sparkassen und Partner des unternehmerischen Mittelstands machen will. Mit seinem straffen und erfolgreichen Sanierungskurs verschaffte sich der promovierte Ökonom Fischer über die Grenzen von Nordrhein-Westfalen hinaus in kurzer Zeit viel Respekt und überzeugte auch die RWE-Eigentümer.

Doch seine Berufung zum Chefkontrolleur der RWE  stößt nicht überall auf Begeisterung. Kritik kam im Vorfeld vor allem von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Deren Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker bekannte offen, er hätte sich anstelle eines Bankers einen Industriemann wie den früheren Bayer-Chef Manfred Schneider, der ebenfalls im Gespräch war, an der Spitze gewünscht: "Schneider wäre für mich der Idealkandidat gewesen." Gleichwohl halte er Fischer für einen fähigen Manager.

Bevor Fischer den Chefposten bei der WestLB antrat, war er viele Jahre bei der Deutschen Bank  in Frankfurt am Main, wo er zuletzt im Vorstand für das Ressort Risikomanagement verantwortlich zeichnete. Er verabschiedete sich vom größten deutschen Geldhaus, nachdem es mit Vorstandschef Josef Ackermann zu Unstimmigkeiten über das künftige Führungsmodell der Bank gekommen war.

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