Gründer Gefördert für die Pleite

Deutschlands größte Kampagne für Gründer ist gescheitert. Der Mehrheit aller Hartz-Entrepreneure ist nicht an einer nachhaltigen Existenzsicherung gelegen. Fast immer sind Fördergelder Hauptgrund der Firmengründung. Die Ich-AGs enden meistens in der Pleite, trotzdem nähern sich die staatlichen Beihilfen der Milliardengrenze.

Chemnitz - Die Erlangung von Fördergeldern sind für Arbeitslose immer häufiger Hauptgrund einer Unternehmensgründung. Das ergaben über 2100 Gespräche mit arbeitslosen Existenzgründern durch die Industrie- und Handelskammern, deren Auswertung der Chemnitzer "Freien Presse" (Samstagausgabe) vorliegt.

Danach galt das Interesse bei rund 90 Prozent der Befragten vor allem der schnellen Auszahlung von Überbrückungsgeldern sowie der Ich-AG-Förderung. Nur 60 Prozent erkundigten sich nach der Bewertung ihrer Geschäftsidee.

Nicht einmal 40 Prozent stellten Fragen zur Finanzierung in der Startphase ihrer Unternehmen oder zu bürokratischen Gründungshürden. Auffallend war auch die mangelnde Vorbereitung auf die Existenzgründung, zitiert das Blatt aus der Erhebung. Vielfach seien die erwarteten Einnahmen überschätzt und die finanziellen Verpflichtungen außer Acht gelassen. Viel zu selten hätten Markt und Kunde im Mittelpunkt der Gründungsvorbereitungen gestanden.

Millionengrab Ich-AG

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, bezeichnete die Ergebnisse der Gespräche als "äußerst bedenklich". Wem es nur um die Mitnahme von Fördergeldern gehe, "der wird scheitern", sagte Wansleben der Zeitung. Er forderte, für die Erteilung von Genehmigungen für eine Ich-AG künftig strengere Maßstäbe anzulegen.

So hätten sich die Auszahlungen an Ich-AG-Gründer in den ersten zehn Monaten diesen Jahres mit insgesamt 771 Millionen Euro gegenüber 2003 fast verdreifacht. Die Ich-AG drohe immer mehr zu einem Risiko für den Bundeshaushalt zu werden.

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