Karriere Kleine Katastrophen beim Bewerbungs-Einmaleins

Dax-Konzerne wie Mittelständler versuchen, aus der Masse der Hochschulabsolventen die Besten auszulesen. Universitätsabgänger ihrerseits suchen den attraktivsten Arbeitgeber. Auf Bewerbermessen kommen sie zusammen. manager-magazin.de war auf der größten Messe dabei.
Von Martin Scheele

Köln - Noch schnell den korrekten Sitz der Krawatte überprüfen, die Bluse glatt zupfen und ein Gewinnerlächeln aufsetzen. Es ist Mittwoch, 9.00 Uhr, und vor den Toren der Kölnmesse warten Tausende Hochschulabsolventen in eisiger Kälte ungeduldig darauf, hereingelassen zu werden.

Innen positionieren sich die Personalmanager von 250 deutschen und internationalen Unternehmen, um auf Deutschlands größter Bewerbermesse über ihre Einstiegsprogramme und Karriereperspektiven für Studierende und Absolventen zu informieren. Wie im Vorjahr waren aus allen Branchen Aussteller vertreten, dominiert wurde die Messe allerdings von Handelsunternehmen sowie von Banken und Versicherungen. "Der Handel nimmt die Messe als Gelegenheit wahr, sein Image aufzupolieren", meint Kathrin Pommer, Pressesprecherin von Forum, dem Veranstalter des Kongresses. "So erreichen diese Unternehmen auch Absolventen, die nicht in erster Linie an eine Karriere im Handel gedacht haben."

"Der Absolventenkongress hat sich als vielfältigste Jobmesse in Deutschland etabliert und nimmt einen festen Platz im Recruiting-Kalender führender Unternehmen ein", sagt Pommer. Sie ist mit der diesjährigen Veranstaltung zufrieden: Etwa 12.000 Besucher informierten sich an den Ständen.

Dabei war der Andrang an den zwei Tagen höchst unterschiedlich. Am ersten Tag schoben sich die Hochschulabsolventen durch die Gänge, in denen eine Enge herrschte wie in einem Einkaufszentrum am Sonnabend in der Weihnachtszeit. "Das war schon fast unerträglich", murrte ein Student. Die Folge: Die Aussteller führten Gespräche wie am Fließband, die Stimmung sank. Auf kleinen Abstelltischen stapelten sich die Bewerbungsunterlagen meterhoch. "Legen sie erstmal hin", seufzte ein Personalleiter. Eine individuelle Betreuung war so kaum möglich.

Kein Knoblauch essen - "Das weiß ich auch"

Kein Knoblauch essen - "Das weiß ich auch"

Besser hatten es die Unternehmen wie zum Beispiel Shell oder Gruner & Jahr, die schon vorher per Online-Verfahren Bewerbungsgutscheine vergeben hatten, und so den Andrang kanalisiert hatten. Am zweiten Tag zeigte sich ein völlig anderes Bild: Man spazierte durch die Gänge, ohne Gefahr zu laufen, jemanden anzurempeln. "Das war richtig entspannt, und die Personalmanager konnten sich Zeit für einen nehmen", lobte ein Betriebswirt.

Am Donnerstag waren sogar noch Plätze in den Vortragssälen frei, am Mittwoch hingegen standen die Ex-Studenten zum Teil bis in die Gänge und schlugen schon vor "die Wände einzureißen". In den Vorträgen wurde unter anderem über Gehaltsverhandlungen, Einstiegsgehälter, Arbeitsverträge und das Bewerbungsgespräch informiert.

Im Vergleich mit anderen Messen schneidet die Kölner Messe nach Angaben der Ex-Studenten indes sehr gut ab. "Hier haben viele Unternehmen ein konkretes Interesse an Einstellungen, auf der Hamburger Messe dagegen", schildert eine Absolventin "versuchen die Unternehmen nur ihr Image als attraktiver Arbeitgeber zu verbessern."

Allerdings gibt es auch bei der Kölner Messe durchaus Qualitätsunterschiede im Angebot, wenn man eine genauere Betrachtung anstellt. Einige Studenten kritisierten, dass in einem Vortrag zu Bewerbungsgesprächen nur reine Grundlagen dargestellt wurden. "Dass ich mich schick anziehen soll und vorher kein Knoblauch essen soll, weiß ich auch", grummelte eine Ex-Studentin.

Forum-Pressesprecherin Pommer kontert mit eigenen Erfahrungen. "Man wundert sich doch immer wieder, was Hochschulabsolventen bezüglich des Bewerbungsgesprächs alles nicht wissen". "Häufig werden immer noch derart banale Fragen gestellt, wie zum Beispiel: Soll ich die Bewerbungsunterlagen lochen, setze ich die Unterschrift nach rechts oder links, wie groß muss der Abstand zwischen Betreffzeile und Anrede sein?" Pommer folgert: "Deshalb müssen wir leider immer noch vermeintliche Banalitäten verbreiten". Die PR-Frau relativiert aber auch: "Die Qualität der Bewerbungen hat sich gegenüber dem Vorjahr verbessert."

Dieser Ansicht ist auch Jochen Kienbaum, Chef der Managementberatung Kienbaum. Er bemängelte allerdings bei den Bewerbungen, dass viele Hochschulabsolventen zu wenig Wert auf die persönliche Note gelegt haben. "Vielfach wurden mit der Größe von Bilder gegeizt", so Kienbaum. Häufig hätte ein kleines Passfoto in den Mappen geklebt. "Die Fotos sollten auf einer extra Seite Platz finden", so der Manager.

Mehr lesen über