Karriere Klug kontern will gelernt sein

Der Kampf um die Top-Positionen im Unternehmen findet im alltäglichen Umgang statt: Kollegen lästern, provozieren oder locken potenzielle Konkurrenten mit gezielten Sticheleien aus der Reserve. Wer nicht schlagfertig kontert, findet sich schnell auf der Reservebank wieder.

Hamburg/München - Für Mitarbeiter Müller hat der entscheidende Part der Sitzung begonnen. Wenn er jetzt sein Projekt nicht überzeugend rüberbringt, kann er einpacken.

In seiner Aufregung stößt er gegen das Mikrofon, es fällt zu Boden. "Ich bin begeistert, das Mikrofon liegt mir zu Füßen", sagt Müller und hebt das Mikrofon auf. "Aber soweit müssen Sie gar nicht gehen. Es genügt, wenn Sie mir am Ende des Vortrags einfach nur zunicken." Diese Art von Situationskomik ist die eine Seite der Schlagfertigkeit. Sie verlangt Improvisationstalent, Kreativität und kommunikative Kompetenz.

"Schlagfertigkeit bedeutet, der Situation gewachsen zu sein und handlungsfähig zu bleiben", sagt Gitte Härter. Die Trainerin aus München bedauert, dass der Begriff immer nur wortwörtlich verstanden wird: als die Kunst des Zurückschlagens mit dem Ziel, den anderen "fertig" zu machen. "Es geht nicht darum, immer gleich eine Retourkutsche parat zu haben", sagt Härter.

"Wir rechtfertigen uns viel zu häufig"

Die gekonnte Abwehr von Verbalattacken ist die andere Seite der Schlagfertigkeit. Um sie zu erwerben, besuchen viele Beschäftigte Schlagfertigkeitsseminare.

4000 bis 5000 Teilnehmer pro Jahr sind es allein bei dem Rhetoriktrainer Matthias Pöhm aus München: "Sie haben das Bedürfnis, direkt zu kontern und nicht erst im Nachhinein mit einer schlagfertigen Antwort aufzuwarten." Pöhm bietet ihnen Tipps und Techniken, beispielsweise die "unerwartete Zustimmung": "Wir rechtfertigen uns viel zu häufig und reden uns heraus", sagt er.

Nicht alle so genannten Schlagfertigkeitsmethoden machen einen erfolgreicher, warnt der Schweizer Kommunikationsberater Marcus Knill. Im Gegenteil: "Im Beruf belasten sich viele mit antrainierten Schablonensätzen."

Siegen, ohne zu verletzen

Siegen, ohne zu verletzen

Sie sind womöglich witzig, aber der Situation oder dem beruflichen Abhängigkeitsverhältnis nicht angemessen. "Zurückschlagen bleibt immer ein Balanceakt." Für den Medientrainer aus Uhwiesen bei Zürich ist Schlagfertigkeit wie geistiges Fechten: Es geht darum zu siegen, ohne den Gegner zu verletzen.

Und das erlernt man durch Mitdenken. Ob beim Fernsehkonsum oder im Alltag: Es sei lohnend, sich situationsgerechte, schlagfertige Antworten auszumalen, rät Marcus Knill. "Dann wird aus der verpatzten Reaktion bald eine zeitgerechte Situation."

Brainstorming und Blödeln lernt man am besten spielerisch. "Aber wenn es ernst wird, muss ich schon etwas denken dabei." Dann gilt es eine eventuelle Reaktionskette aus Wut, Ärger und innerer Blockade zu durchbrechen.

Tief durchatmen und bis zehn zählen

Das geschieht zum Beispiel durch bewusste Tiefenatmung und Entspannung der Muskeln von Armen und Gesicht, oder durch Trennung von Form und Inhalt und simple Fragestellungen: "Haben Sie das so gemeint?" Oder die Beschreibung der Situation: "Sie verletzen mich gerade."

Schlagfertigkeit erfordert Übung. Aber wer sein Schlagfertigkeitsziel kennt, weiß auch, wo er sich am besten einbringt und wo besser nicht: "Ich will jetzt was sagen, aber ich sage nur die Hälfte", lautet beispielsweise die Devise für eine scharfe Zunge, wie Gitte Härter sie besitzt. Für schüchterne Menschen heißt sie: "Ich bringe mich hier jetzt mal ein und sei es mit der Aussage: Da bin ich sprachlos."

Deike Uhtenwoldt, dpa

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