Max Bahr Familie rückt in die zweite Reihe

Die Eigentümer von Deutschlands neuntgrößter Baumarktkette ziehen sich aus dem operativen Geschäft zurück. Die Stabübergabe an einen Familienfremden sei schon länger geplant gewesen, heißt es.

Hamburg - Überraschung beim Baumarktunternehmen Max Bahr: Im 125. Jahr des Bestehens zieht sich die Eigentümerfamilie aus dem Tagesgeschäft zurück. Dirk Christian Möhrle (41), der das neuntgrößte Baumarktunternehmen in zweiter Generation über sechs Jahre führte, übergibt den Stab zum Jahresende an einen Familienfremden.

Obwohl die Familie den Schritt schon länger ankündigt hatte, zeigten sich Branchenbeobachter verblüfft. "Der Schritt überrascht", meinte ein Vertreter des Branchenmagazins "Bau und Heimwerkermarkt" gegenüber manager-magazin.de. "Schließlich ist der Junior im besten Alter".

Die Personalie erklärt das Baumarktunternehmen mit organisatorischen Gründen. "Nachdem Dirk Christian Möhrle das Familienunternehmen in eine Betreiber- und Besitzgesellschaft umstrukturiert hat und der damit verbundene Aufbau einer erfolgreich arbeitenden Geschäftsführung abgeschlossen ist" heißt es in der Pressemitteilung, "zieht sich die Familie wieder aus dem Management zurück".

Werner Carl, Nachfolger von Dirk Christian Möhrle als Sprecher der Geschäftsleitung, wies gegenüber manager-magazin.de daraufhin, dass Firmengründer Peter Möhrle diese Absicht schön länger hatte. "Das ist aber ohne jeden Druck und Hektik vonstatten gegangen." Bei der Umstrukturierung der Geschäftsführung gehe es vor allem um eine strikte Trennung von Kapital und Management. Der 48-Jährige Carl arbeitete bereits ein Vierteljahrhundert im Unternehmen und war in den vergangenen fünf Jahren Mitglied der Geschäftsführung.

Dirk Christian Möhrle hatte gegenüber dem "Hamburger Abendblatt" bestritten, dass es zu Differenzen zwischen ihm und seinem Vater gekommen sein könnte. "Wir tragen hier keine Familienfehde aus." Vielmehr sei es der Wunsch seines Vaters, dass die Führung des Unternehmens in die Hände von Managern gelegt wird, die nicht zur Familie gehören.

Noch-Unternehmenschef Dirk Christian Möhrle wird nicht mal im Beirat eine Rolle spielen. Vater Peter Möhrle hat seinen Beiratssitz an den ältesten Sohn Kai übergeben, der von Januar 2005 an den Vorsitz im Gremium übernimmt. Für diesen Wechsel hat Geschäftsführer Carl eine einfache Erklärung parat: "Es sollte nicht so sein, dass der ältere Bruder den Jüngeren kontrolliert."

Carl sagte gegenüber manager-magazin.de, dass sich an der unternehmerischen Strategie nichts ändern werde. "Wir werden weiterhin eine Expansion mit Augenmaß betreiben." Im vergangenen Geschäftsjahr, das Ende Februar endete, erwirtschaftete Max Bahr einen Umsatz von 814 Millionen Euro. Für das derzeitige Geschäftsjahr kündigte Carl ein Umsatzplus an. "Auf etwa 830 Millionen Euro schätzen wir den Umsatz in 2004/2005." Im Gegensatz zu Wettbewerbern konzentriert sich Bahr ausschließlich auf Deutschland. Das Netz von derzeit 78 Filialen reicht von Norddeutschland bis zur Linie Köln - Dresden. Der harte Preiskampf in der Branche beeinflusste allerdings auch das Ergebnis. Im abgelaufenen Geschäftsjahr sank der Gewinn um knapp zehn Millionen Euro auf 17,8 Millionen Euro.

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