Karriere Heimat, süße Heimat

Manager, die flexibel sind, machen schneller Karriere. Aber selbst moderne Jobnomaden sollten einige Regeln beachten. Wer zu ungestüm alle Brücken hinter sich abreißt und alte Kollegen düpiert, findet sich schnell auf der Verliererseite wieder.

Berlin - Beruflich ist die Entscheidung eindeutig. Der neue Job bietet ein spannendes Arbeitsfeld und bedeutet auch finanziell eine Verbesserung.

Doch leider befindet sich der Arbeitsplatz in einer anderen Stadt. Also geht mit dem Jobwechsel ein Umzug einher. Es gilt, sich in einer neuen Umgebung einzurichten und bestehende Bindungen trotzdem zu erhalten.

Karriereberaterin Sabine Hertwig empfiehlt, sich möglichst früh aufzumachen, um den neuen Wohnort zu erkunden. "Je früher man sich Zeit nimmt, ein Wochenende dort zu verbringen, desto besser", sagt sie. Es gibt viel zu erledigen - An- und Ummeldungen auf dem Amt, eine neue Bleibe finden und natürlich überlegen, wie in der Partnerschaft oder in der Familie mit der neuen Situationen umgegangen werden soll.

Umzug auf Raten

"Meist ist es ratsam, sich sechs Monate Zeit für eine Übergangsphase zu nehmen", sagt Hertwig. In dieser Zeit empfiehlt sie, zunächst nur ein Zimmer oder eine kleine Wohnung in der Nähe des neuen Arbeitsplatzes zu mieten und zu pendeln. "Wir wissen aus vielerlei Fällen, dass Probezeiten schief gehen können", warnt die Karriereberaterin. Wenn dann bereits der gesamte Umzug stattgefunden hat, ist der Schaden größer als nötig. Insbesondere bei Familien, die ihre Kinder unnötig aus ihrer gewohnten Umgebung herausreißen.

"Auch in der alten Firma sollte man versuchen, keinen Unmut zu hinterlassen", empfiehlt Hertwig. Selbst bei einem sehr attraktiven neuen Angebot ist es nicht ratsam, sofort alle Zelte abzubrechen.

Der Wechsel sollte möglichst so gestaltet werden, dass die Kollegen nicht mitten in einem Projekt von dem Wegzug überrascht werden. Außerdem sollte eine ordentliche Übergabe gemacht werden. Es kann auch sinnvoll sein, für wichtige Nachfragen eine E-Mail-Adresse oder Telefonnummer zu hinterlassen. "Das ist gut, um dranzubleiben und falls man doch einmal zurückkehrt", weiß die Expertin.

Ein Bier unter Freunden

Wer zunächst provisorisch in die neue Stadt zieht, kann diese in aller Ruhe erkunden und herausfinden, welche Stadtviertel sich als dauerhafter Wohnort eignen. "So entsteht weniger Druck, gleich in aller Eile die perfekte Wohnung finden zu müssen", sagt Hertwig.

Es kann eine Weile dauern, bis man ein Gefühl für die Stadt bekommt und weiß, wo man sich wohl fühlt. "Wer einige Wochen die regionalen Stadtmagazine liest, sich unter Kollegen umhört und selber umschaut, bekommt am ehesten ein Gefühl für die Stadt", rät die Expertin.

Obwohl die Verlockung groß ist, warnt sie davor, jedes Wochenende in die alte Heimat zu fahren. "Der Partner sollte lieber auch einmal zu Besuch kommen, so dass das Paar gemeinsam die neue Stadt erkunden kann", sagt Hertwig.

Um auf Dauer zufrieden zu sein, sollte diese zumindest zur zweiten Heimat werden. Über die Teilnahme an einem Sprachkurs, die Mitgliedschaft in einem Sport- oder Kunstverein können erste Kontakte geknüpft werden. Natürlich gilt es, daneben auch aus der Ferne weiterhin die bestehenden Freundschaften zu pflegen.

Trinken hilft

"Eine weitere Möglichkeit, um nicht jeden Abend allein zu Hause zu sitzen, ist, die neuen Kollegen zu fragen, ob sie einmal etwas trinken gehen wollen", sagt die Karriereberaterin. Allerdings sollte niemand traurig sein, wenn sie absagen, weil sie familiär zu eingebunden sind.

Die Expertin warnt generell davor, das private Umfeld nur im Job zu suchen: "Das ist zwar nahe liegend, trägt jedoch oft nicht." Allerdings rät sie, während der Arbeit in jedem Fall aktiv auf die Kollegen zuzugehen. "Einladungen zu einem gemeinsamen Mittagessen sollten in der Anfangsphase unbedingt angenommen werden - auch wenn es eigentlich nicht der Gewohnheit entspricht, mittags viel zu essen", sagt Hertwig.

Es besteht die Möglichkeit, dass der neue Arbeitgeber kann den Umzug und die damit verbundenen Kosten trägt. "Natürlich sollte man den neuen Chef nicht beim Vorstellungsgespräch auf Kostenkompensation ansprechen", warnt Hertwig. Doch wenn der Einstellung prinzipiell nichts mehr im Weg steht, gehört ihrer Meinung nach die Frage nach eine Unkostenbeteiligung in die Gehaltsverhandlung. "Viele Firmen tragen Umzugskosten anteilig oder gewähren in der Übergangsphase Mietzuschüsse", weiß die Expertin.

Judith Csaba, ddp

Tipps für den berufsbedingten Umzug

Tipps für den berufsbedingten Umzug

  • Für eine geregelte Übergabe in der alten Firma sorgen, den Kollegen auch später noch die Möglichkeit für Nachfragen geben.


  • Möglichst ausgeruht den neuen Job antreten, am besten nach einem Urlaub. Denn der Umzug, das neue Umfeld und die Einarbeitung werden anstrengend.


  • Nicht sofort mit Sack und Pack umziehen. Lieber während der Probezeit provisorisch wohnen und überprüfen, ob die getroffene Entscheidung richtig ist.


  • Abends nicht vor dem Fernseher versauern: Die neue Stadt aktiv erkunden, um die richtige Wohnung zu finden und schnell soziale Kontakt zu knüpfen.


  • Auf die neuen Kollegen zugehen, um sie kennen zu lernen - beim gemeinsamen Mittagessen oder bei einem Bier nach der Arbeit.


  • Nicht jedes Wochenende in die alte Heimatstadt fahren. Auch wenn klar ist, dass der Partner nicht nachkommen kann, gemeinsam mit ihm die neue Umgebung erkunden.


  • Damit der Kontakt zu alten Freunden nicht abbricht, nicht vergessen zum Telefon zu greifen, Wochenendbesuche zu vereinbaren oder E-Mails zu schreiben.


  • Auch wenn der Wechsel sich als sehr belastend erweist, erst einmal einige Monate abwarten und nicht gleich die Entscheidung revidieren.

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