High Potentials "Stromlinienförmige Karrieristen haben keine Chance"

Wie gelingt trotz schwieriger Wirtschaftslage der Start in die Karriere? Zwei Topmanager gaben Einsteigern beim "manager magazin campus" an der Universität Mannheim Antworten. Ein Tipp: Bloß keine Ellbogen auf dem Weg nach oben einsetzen.

Mannheim - Wenn Claus Heinrich den idealen Bewerber beschreibt, dann steht ein schillerndes Charaktermerkmal ganz oben auf seiner Wunschliste: "Charisma". Stromlinienförmige Karrieristen, die möglichst schnell nach oben wollen, hätten in seinem Unternehmen kaum Chancen, sagte der Personalvorstand des Softwarekonzerns SAP  am Mittwoch abend bei einer Veranstaltung des manager magazins an der Universität Mannheim.

Wer bloß schnell nach oben wolle, so Heinrich, der arbeite nicht produktiv im Team, sondern konzentriere sich vor allem auf den Gebrauch seiner Ellenbogen. SAP hingegen suche umfassend entwickelte Persönlichkeiten, die sich engagieren - egal ob beruflich, kulturell, sportlich. Hauptsache Power. Logisch: Jung sollen sie auch sein, zielstrebig und mehrsprachig. Und selbstverständlich Topnoten und Auslandserfahrung vorzuweisen haben.

Besucher beim "manager magazin campus": Die erste Veranstaltung stand unter der Überschrift "Karriere in harten Zeiten"

Besucher beim "manager magazin campus": Die erste Veranstaltung stand unter der Überschrift "Karriere in harten Zeiten"

Foto: Julide Kurtulus
"Wer zum Vorstellungsgespräch kommt und sich nach der Altersversorgung erkundigt, der hat bei uns schlechte Chancen." SAP-Personalvorstand Claus Heinrich (l.) wärend der Podiumsdiskussion mit mm-Redakteur Henrik Müller (M.) und Bernhard Schreier, Chef von Heidelberger Druckmaschinen

"Wer zum Vorstellungsgespräch kommt und sich nach der Altersversorgung erkundigt, der hat bei uns schlechte Chancen."
SAP-Personalvorstand Claus Heinrich (l.) wärend der Podiumsdiskussion mit mm-Redakteur Henrik Müller (M.) und Bernhard Schreier, Chef von Heidelberger Druckmaschinen

Foto: Julide Kurtulus
Besonderer Clou: Berater der Personalberatung Kienbaum gaben im Anschluss in Einzelgesprächen Tipps zur Gestaltung von Lebensläufen und Bewerbungsschreiben

Besonderer Clou: Berater der Personalberatung Kienbaum gaben im Anschluss in Einzelgesprächen Tipps zur Gestaltung von Lebensläufen und Bewerbungsschreiben

Foto: Julide Kurtulus
An der Grenze des Fassungsvermögens: Zur Premiere kamen 350 Interessierte in die Aula der Universität Mannheim

An der Grenze des Fassungsvermögens: Zur Premiere kamen 350 Interessierte in die Aula der Universität Mannheim

Foto: Julide Kurtulus


Impressionen vom "manager magazin campus"
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Keine Frage, die Hürden für den Berufseinstieg sind hoch derzeit. Das wurde bei der manager magazin-Veranstaltung deutlich, die unter der Überschrift "Karriere in harten Zeiten" stand. Allerdings sei der schlimmste Teil der Krise wohl vorerst vorbei, meinte Bernhard Schreier, Vorstandsvorsitzender von Heidelberger Druckmaschinen .

So auch in seinem Unternehmen: Nach drei Jahren Krise, in denen Heideldruck erstmals in der 150-jährigen Firmengeschichte Verluste schrieb, in denen Schreier das Unternehmen zurecht stutzte und mehr als 7000 Stellen abbaute, werde seine Firma im kommenden Jahr wieder junge Ingenieure einstellen.

Aller strukturellen Probleme des Standorts Deutschland zum Trotz - Schreier und Heinrich waren sich einig, dass Absolventen hierzulande immer noch eine berufliche Zukunft haben. Es bestehe keineswegs der Zwang auszuwandern. So lebe Heideldruck als weltweit bekannter Maschinenbauer auch von den Fähigkeiten und dem Nimbus deutscher Ingenieure. "Unsere Kunden wollen in Deutschland produzierte Maschinen", so Schreier. Und das werde auch in den nächsten Jahrzehnten so bleiben.

"Der Nachwuchs ist zu sicherheitsbewusst"

"Der Nachwuchs ist zu wenig mobil"

Dieser Made-in-Germany-Effekt schließe jedoch nicht aus, dass die Produktion von Vorprodukten an kostengünstigere Standorte verlagert werde. Die zunehmende internationale Arbeitsteilung wirke sich auch auf Karrierewege aus: Phasenweise im Ausland zu arbeiten, gehöre heute zum Standardrepertoire.

Heinrich betonte, SAP streiche in Deutschland keine Jobs, baue hier aber auch kaum noch weiter auf: "Wir müssen dort einstellen, wo unsere Märkte wachsen." Also insbesondere in Asien.

Schreier und Heinrich kritisierten, viele Bewerber hätten offenkundig noch nicht verstanden, welche Anforderungen die wettbewerbsintensive globalisierte Wirtschaft an sie stelle. Der Nachwuchs sei zu wenig mobil und zu sicherheitsbewusst. Gefordert seien Mut und Tatendrang. Heinrich: "Wer zum Vorstellungsgespräch kommt und sich nach der Altersversorgung erkundigt, der hat bei uns schlechte Chancen."

Die Veranstaltung "Karriere in harten Zeiten" war die erste in der neuen Reihe "manager magazin campus". Mehrmals jährlich will die Redaktion künftig an Hochschulen im deutschsprachigen Raum gehen und dort mit Managern, Experten und Studenten spannende aktuelle Themen diskutieren. Die Mannheimer Premiere werteten alle Beteiligten als vollen Erfolg; mit mehr als 350 Besuchern war die Aula der Uni an der Grenze des Fassungsvermögens.

Besonderer Clou der Veranstaltung: Berater der Personalberatung Kienbaum informierten über Einstiegsgehälter und gaben im Anschluss an die Veranstaltung Tipps zur Gestaltung von Lebensläufen und Bewerbungsschreiben.

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