Anton Schlecker Großer Unternehmer mit kleinem Herz

Seit Jahren ist Anton Schlecker für seine Knauserigkeit und seinen Kontrolldrang berühmt-berüchtigt. Seinem Erfolg als Lenker des weltgrößten Drogerieimperiums tut das keinen Abbruch. Ein Porträt zu Schleckers 60. Geburtstag.

Ehingen - Anton Schleckers Aufstieg vom jüngsten Metzgermeister der Bundesrepublik Mitte der 60er Jahre bis zum Eigentümer des weltgrößten Drogeriemarktimperiums ist einmalig. An seinem Erfolg - und nur daran - will der als knallharter Geschäftsmann geltende schwäbische Unternehmer, der am kommenden Donnerstag 60 Jahre alt wird, gemessen werden.

In der Öffentlichkeit tritt er kaum auf, selbst heimische Politiker und Wirtschaftsvertreter betonen: "Persönliche Kontakte zu Anton Schlecker gibt es nicht".

Im Jahr 1965 trat der in Ulm geborene Anton Schlecker in das vom Vater gegründete Unternehmen - eine Fleischwarenfabrik und acht Metzgerei-Filialen - ein. Am Rand der heute 25.000 Einwohner zählenden schwäbischen Stadt Ehingen baute er 1967 das erste Warenhaus. Mit dem Wegfall der Preisbindung für Drogerie-Artikel im Jahr 1974 erkannte Anton Schlecker seine Chance: Er errichtete 1975 in Kirchheim/Teck seinen ersten Drogeriemarkt.

Erfolgreich mit schlichter Strategie

Bereits zwei Jahre später betrieb der Metzgersohn schon mehr als 100 Filialen. Im Jahr 1987 expandierte er nach Österreich, investierte in den Folgejahren in den Niederlanden, Spanien und Frankreich. Heute hat das Schlecker-Imperium europaweit nach eigenen Angaben mehr als 13.300 Filialen und erwirtschaftete im Jahr 2003 mit 50.300 Mitarbeitern einen Umsatz von 6,55 Milliarden Euro.

Schlecker bedient den sparsamen Kunden - und achtet persönlich auf jeden Cent. Die in blau-weiß gehaltenen Verkaufsräume sind denkbar schmucklos eingerichtet, die Preise knallhart kalkuliert. Auf der Internet-Seite ist zu lesen, dass das Unternehmen "in allen Orten ab 1500 Einwohnern Verkaufsräume ab einer Fläche von 120 Quadratmetern" zu mieten sucht.

Schleckers Expanisonsstrategie ist schlicht aber wirkungsvoll: Schließen Einzelhändler in Kleinstädten und miesen Vororten der Metropole ihre Läden, ist Schlecker sofort zur Stelle. Er bezahlt Mieten unter Preis, verzichtet auf hohe Umsätze und drückt mit geringen Lohnkosten die Fixkosten.

Zwar würden "im Rahmen einzelner Standortoptimierungen" auch Filialen geschlossen, bereinigt um die Schließungen aber seien bis Oktober 2004 wieder knapp 300 neue Verkaufsräume in Deutschland eröffnet worden, teilte das Unternehmen in diesen Tagen mit. Alle Investitionen würden ausnahmslos aus eigenen Mitteln finanziert.

Rotes Tuch der Gewerkschaften

Rotes Tuch der Gewerkschaften

Dass Anton Schlecker knausert, spüren vor allem seine Angestellten: Seit Mitte der neunziger Jahre wird der Führungsstil Anton Schleckers und seiner als "resolut" geltenden Frau Christa heftig kritisiert. Berichte über ein genaues Kontrollnetz über die Mitarbeiter und das Verweigern von Telefonanschlüssen in Filialen machten die Runde. "Die Gewerkschaften haben sich auf uns eingeschossen" lautete lapidar eine Erklärung des Chefs.

Vor sechs Jahren allerdings wurde das Ehepaar Schlecker von der Stuttgarter Justiz zu zehn Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von einer Million Euro verurteilt, weil sie hunderte Mitarbeiter jahrelang unter Tarif bezahlt hatten.

Obwohl danach scheinbar zunächst eine Entspannung zwischen Chefetage, Angestellten und Gewerkschaft eintrat, wirft auch heute die stellvertretende Gesamtbetriebsratsvorsitzende Marion Tesche noch den Schleckers Ignoranz gegenüber den Mitarbeitern vor. Über Filialschließungen und Personalabbau würde jegliche Information "verweigert".

Selbst Lösegeld runtergehandelt

Das zurückgezogene Privatleben der Schleckers hängt sicher auch mit der Entführung der beiden Kinder Meike und Lars kurz vor Weihnachten 1987 zusammen: Drei Täter forderten ein Lösegeld, das Vater Anton von 18 auf 9,6 Millionen Mark herunterhandelte. Das Geld wurde gezahlt, die Kinder konnten sich selbst befreien. Erst elf Jahre nach der Entführung wurden die Täter gefasst und verurteilt.

Heidi Ossenberg, DPA

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