Mittwoch, 24. Juli 2019

Interimsmanagement "Der herkömmliche Manager wird zu teuer"

2. Teil: "Mittelstand braucht Unterstützung"

mm.de: Zurzeit holen sich Unternehmen Personalexperten vor allem zum Stellenabbau. Werden auch Sie überwiegend Abwickler ausbilden?

Marr: Selbstverständlich nicht. Natürlich kann es sein, dass Unternehmen auch einmal einen Sanierer brauchen. Ein Interim-Manager ist aber von seiner Funktion her kein Sanierer, sondern ein professioneller Begleiter für eine bestimmte Zeit, vergleichbar einem Lotsen. Er hilft beim Aufbau neuer Fertigungsstätten in Osteuropa, der Implementierung eines neuen Altersversorgungskonzeptes oder der Umstellung auf ein anderes Computersystem. Bei solchen Projekten braucht vor allem die mittelständische Wirtschaft Unterstützung.

mm.de: Welche Zielgruppe wollen Sie mit Ihrem Ausbildungsprojekt ansprechen?

 Manager auf Zeit: Unternehmen holen sich übergangsweise externe Fachkräfte ins Haus, wenn eine Sanierung, ein Umbau oder ein Führungswechsel ansteht. Im Unterschied zum Unternehmensberater greifen Interim-Manager aktiv in das operative Geschäft ein. Wenn der "Miet-Manager" seinen Job erledigt hat, zum Beispiel eine Auslagerung nach Osteuropa, dann verschwindet er wieder.
[M] DPA, mm.de
Manager auf Zeit: Unternehmen holen sich übergangsweise externe Fachkräfte ins Haus, wenn eine Sanierung, ein Umbau oder ein Führungswechsel ansteht. Im Unterschied zum Unternehmensberater greifen Interim-Manager aktiv in das operative Geschäft ein. Wenn der "Miet-Manager" seinen Job erledigt hat, zum Beispiel eine Auslagerung nach Osteuropa, dann verschwindet er wieder.
Marr: Wir haben zunächst eine große Gruppe von älteren "Professionals" mit hohem intellektuellem Potenzial und müssen versuchen, dieses Potenzial stärker zu nutzen. Das ist sicherlich eine interessante Zielgruppe. Aber ich setze auch auf eine andere: die Jüngeren um die 40, die durchaus schon ausreichende Erfahrungen haben, um einem Unternehmen behilflich zu sein. Zum Beispiel jemand, der fünf bis acht Jahre in einem Unternehmen tätig war, von Reorganisationsprozessen betroffen ist oder einfach keine Lust mehr auf seine derzeitige Funktion hat. Dazu bedarf es einer bestimmten Persönlichkeitsstruktur, weil man sich immer auf etwas Neues einstellen muss.

mm.de: Auf welche Neuerungen am Arbeitsmarkt müssen sich Manager einstellen?

Marr: Es gibt Prognosen, die besagen, dass wir auf eine starke Segmentierung des Arbeitsmarktes zusteuern. Die Managementstrukturen werden sich demnach völlig verändern - hin zu kleinen Managementteams, die mit einem Netzwerk von Professionals zusammenarbeiten. Temporäre Arbeitsbeziehungen ersetzen Festanstellungsverhältnisse. Ein solches Modell halte ich durchaus für realistisch.

mm.de: Es gibt also den Trend zur Leiharbeit?

Marr: Leiharbeiter klingt wie Tagelöhner, wir reden aber von hoch professionellen Mitarbeitern. Allerdings gibt es tatsächlich eine Tendenz hin zu Vertragsstrukturen, in denen Menschen ihre Arbeitskraft nur für eine bestimmte Zeit zur Verfügung stellen - dabei aber dem Unternehmen näher stehen als ein klassischer Berater. Zudem versuchen die Unternehmen, sich von Fixkostenstrukturen zu entlasten. Dabei wird ihr Augenmerk künftig stärker auf Fixkosten gerichtet sein, die das Management verursacht. Denn auf der operativen Ebene ist schon viel eingespart worden - da sind die Spielräume zur Rationalisierung sehr eng.

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