Rolls-Royce BMW-Tochter verliert ihren Chef

Eine halbe Ewigkeit arbeitete Karl-Heinz Kalbfell schon für BMW. Auf der Karriereleiter ging es stetig nach oben. Doch nur fünf Monate amtierte er als Chef der BMW-Tochter Rolls-Royce. Der Nobelkarossenhersteller sucht nun nicht nur einen Fachmann, sondern weiterhin auch einen Weg aus der Absatzschwäche.

München - 27 Jahre stand Karl-Heinz Kalbfell in Diensten von BMW . Aber erst seit fünf Monaten führte der 54-Jährige die BMW Tochter Rolls-Royce, die er jetzt auf eigenen Wunsch verlassen hat.

"Herr Kalbfell wird eine neue Aufgabe in der Automobilindustrie außerhalb von BMW antreten", sagte BMW-Kommunikationschef Richard Gaul gegenüber manager-magazin.de. Kalbfell wollte auf Nachfrage von manager-magazin.de keine weiteren Details über seinen künftigen Arbeitgeber nennen. Sein Abgang habe allerdings nichts mit Rolls-Royce zu tun. "Wir haben hoch motivierte Mitarbeiter und haben in den letzten Monaten richtig Gas gegeben", lobte Kalbfell den Autohersteller.

Wer Nachfolger Kalbfells werde, konnte Gaul noch nicht sagen. "Wir haben von Kalbfells Demission erst seit einigen Tagen Kenntnis und suchen derzeit." Kalbfells Aufgaben hat nun der Finanzvorstand von Rolls-Royce, Stefan Krause, kommissarisch mit übernommen.

Kalbfell hatte seinen Posten im Mai dieses Jahres angetreten, nachdem sein Vorgänger Tony Gott überraschend zurückgetreten war. Gott hatte die Leitung seit 2002 inne. Kalbfell hatte nach der Übernahme der Marke durch BMW im Januar 2003 zunächst die Projektphase bei Rolls-Royce geleitet und war später Aufsichtsratsmitglied bei dem britischen Luxuswagenhersteller. In Laufe seiner 27 Jahre langen Karriere war er unter anderem Chef des Zentralen Marketings und für die Produktplanung der BMW Group zuständig.

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Die BMW-Tochter kämpft derzeit, die anvisierte Zielmarke von 1000 verkauften Autos dieses Jahr zu erreichen. Zwischen Januar und August dieses Jahres wurden weltweit nur 415 Exemplare abgesetzt. Kalbfell hatte sich in einem Interview mit "Focus Money" Mitte September dennoch optimistisch gegeben: "Wir kämpfen, das liegt in unserer Natur. Aber wir müssen uns mächtig was einfallen lassen."

Neuste Idee dabei ist, die Modellpalette um ein Cabrio zu erweitern. Dies hatte Kalbfell Anfang September kundgetan. Das Modell wird aber nicht vor 2006 auf den Markt kommen. Darüber hinaus werde eine Langversion des Modells Phantom geprüft.

Bezüglich der Absatzzahlen sagte BMW-Sprecher Gaul: "Wir halten an der Zielmarke fest." Er wies darauf hin, dass traditionell das dritte und vierte Quartal sehr erfolgreich laufen, was mit Bonuszahlungen zu tun hat. Mancher gut bezahlte Manager gibt so den Zusatzverdienst für den Kauf des exklusiven englischen Fahrzeugs, das Minimum 320.000 Euro kostet, aus.

Rolls-Royce steht mit der Absatzschwäche allerdings nicht allein. Laut der Marktforschung Global Insight hat DaimlerChrysler  in den ersten sechs Monaten dieses Jahres nur 345 Maybachs verkauft. Fraglich ist damit, ob der Konzern das revidierte Jahresziel von 600 Autos schafft. Ursprünglich waren sogar 1000 Fahrzeuge geplant.

Die rote Laterne in Sachen Absatz trägt derzeit Bentley. Die Volkswagen-Tochter setzte von Januar bis Juni nur rund 250 Fahrzeuge ab. Die 800 verkauften Einheiten von 2003 wird Bentley in diesem Jahr wohl nicht mehr erreichen.