Gründer Im Schatten von Ebay & Co.

Wenn sich Gründer mit ihren Ideen auf den Weg machen, dann stoßen sie häufig auf Wettbewerber, die schon etabliert sind. Sollte die Idee deshalb in den Papierkorb wandern? Es gibt einen Weg, um den "Gibt es doch schon"-Effekt zu umgehen - wie einige Ebay-Konkurrenten zeigen.

Kiel - Wenn man eine gute Idee für einen attraktiven Markt hat, dann freuen sich die Gründer und die Investoren. Aber eine hohe Attraktivität eines Marktes bedingt in den meisten Fällen eine bereits bestehende beziehungsweise sich schnell entwickelnde Wettbewerbsituation. Und so finden sich auch relativ schnell direkte oder potenzielle Konkurrenten ein, die auf die gleiche Idee gekommen sind.

Hat der angehende Gründer Glück, so handelt es sich bei den Mitstreitern ebenfalls um Start-ups, die gerade erst losgelaufen sind und deren Vorsprung noch einholbar ist. Was aber, wenn es sich bei dem Wettbewerber um ein etabliertes, bekanntes und anerkanntes Schwergewicht handelt und man sich Ebay  & Co. gegenübersieht? Macht es dann noch Sinn, seine Idee in die Tat umzusetzen?

Zahlreiche Beispiele zeigen, dass es gerade im Schatten von Ebay immer noch zu Unternehmensgründungen kommen kann. Allerdings handelt es sich dann auch nicht um reine Kopien des Originals, sondern um Marktplätze, die bestimmte Spezialisierungen oder Varianten aufweisen. Diese liegen beispielsweise dann in einer Veränderung des Auktionsprinzips oder der Spezialisierung auf eine bestimmte Zielgruppe oder Branche beziehungsweise der Konzentration auf ein bestimmtes Handelsobjekt. Folgende Beispiele geben hierzu Aufschluss:

www.sedo.de

Sedo , gegründet 2001, ist das "Ebay für Internet-Domains". Über 150.000 Mitglieder handeln weltweit in über zehn Sprachen auf diesem Auktionsmarktplatz mit Domains. Jeden Monat werden mehrere hundert Domains nach dem Prinzip "Wer bietet mehr?" verkauft. Die Käufer wollen schnell und unkompliziert aus einem möglichst großen Pool brauchbarer Namen auswählen. Sie möchten sicherstellen, dass ihnen nicht der beste Name entgeht.

Die Verkäufer, die ihre Domain nicht mehr benötigen, wollen dagegen ihrerseits einen fairen Preis erzielen. Sie sind daran interessiert, ihre Domain einer möglichst großen Zahl potenzieller Interessenten bekannt zu machen. Derzeit werden so rund 1,6 Millionen Domains angeboten, womit Sedo eine der größten Domainbörse weltweit in mehreren Sprachen betreibt. Das Unternehmensziel ist, Käufer und Verkäufer auf einer Handelsplattform zusammenzuführen.

Handel mit Dienstleistunge bei www.Letsworkit.de

www.Letsworkit.de

Letsworkit , gegründet 2004, ist ein Online-Auktionsmarktplatz für Dienstleistungs- und Handwerksaufträge und kann auch als "Ebay für Handwerker" bezeichnet werden. Aufträge werden hier nach dem Prinzip "Wer bietet weniger?" versteigert (im Gegensatz zum bekannten Ebay-Prinzip). Dabei können Privatpersonen, Unternehmen und Gewerbetreibende alle Arten von Aufträgen aus dem Dienstleistungs- und Handwerksbereich einstellen.

Unternehmen und Gewerbetreibende geben für die Aufträge Gebote ab. Der niedrigstbietende Dienstleister oder Handwerker ersteigert das Recht zur Durchführung des Auftrages - wie zum Beispiel zum Tapezieren einer Wohnung oder Drucken von Werbematerialien - und wird damit Auftragnehmer. Aufträge auf die Plattform einzustellen ist bei Letsworkit grundsätzlich kostenlos.

Auch nach erfolgreichem Ablauf einer Auktion fallen für den Auftraggeber keine Kosten an. Lediglich die Dienstleister oder Handwerker zahlen bei erfolgreicher Ersteigerung eines Auftrages eine Vermittlungsprovision an das Internetunternehmen, die abhängig vom Auftragswert berechnet wird. Das Unternehmen wurde unlängst gegründet und konnte bereits kurz nach dem Start erste Umsätze erzielen.

www.mybet.com

Mybet , gegründet 2003, bezeichnet sich selbst auch als das "Ebay für Wetten". An der Mybet-Wettbörse wettet man aber nicht gegen professionelle Buchmacher, sondern mit und gegen andere Börsenteilnehmer - und das bedeutet mehr Wettbewerb, und mehr Wettbewerb bedeutet bessere Quoten.

Es handelt sich hier um einen vollelektronischen Handelsplatz, eine Computerbörse beziehungsweise Clearing-Stelle, auf der die Quoten und Kurse zu einem bestimmten Ereignis durch die Teilnehmer selbst kreiert werden. Das bedeutet, dass nicht die traditionellen Buchmacher die Quoten bestimmen, sondern Angebot und Nachfrage. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Buchmacher-Marge kann eingespart werden und schlechte Quoten sind weniger wahrscheinlich, da der Wettbewerb des Marktes in der Regel zu Quoten führt, die deutlich besser sind als im traditionellen Wettgeschäft.

Es geht noch mehr

Natürlich ist es schwierig, wenn ein Gründer mit seiner Idee gegen einen Wettbewerber antreten muss, der übermächtig erscheint. Doch diese Schwergewichte müssen in vielen Fällen die breite Masse des Kundenbedarfs abdecken. Daher bleiben viele Marktlücken bestehen, in denen Kundenwünsche noch ganz spezifische und individuelle Formen annehmen können.

In solchen Marktnischen bieten sich dann immer noch viele Potentiale für neue Gründungen, die auf eine Konzentration und Spezialisierung setzen. Die angeführten Beispiele haben gezeigt, dass es diese Möglichkeiten gibt und Gründungen zu verzeichnen sind. Ob sie jedoch längerfristig überleben werden, ist eine andere Frage.

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