Thomas Haffa "Nicht solche dummen Dinge"

Der Schadenersatzklage des Filmrechtehändlers EM.TV über 148 Millionen Euro sieht Thomas Haffa mit "großer Gelassenheit entgegen". Gegenüber manager-magazin.de schildert er, warum die Vorwürfe gegen ihn und seinen Bruder haltlos seien und welche Interessen seiner Meinung nach hinter dem Verfahren stecken.

Hamburg - "Wir kennen die Klage zwar nicht im Detail, sehen ihr aber mit großer Gelassenheit entgegen", sagt Thomas Haffa gegenüber manager-magazin.de. EM.TV  hat am Mittwoch gegen frühere Spitzen-Manager des Unternehmens Schadenersatzklage beim Landgericht München I eingereicht.

Die Klage richte sich gegen Thomas Haffa, seinen ehemaligen Stellvertreter Florian Haffa und den früheren Aufsichtsratsvorsitzenden Nickolaus Becker. Der Fernsehrechtehändler fordert eine Schadenssumme einschließlich Zinsen von insgesamt rund 148 Millionen Euro ein. EM.TV leitet die Ansprüche aus dem angeblichen Fehlverhalten der Manager im Zusammenhang mit dem Erwerb der Formel-1-Beteiligung im Jahr 2000 her.

Die Klage kommt für Haffa zwar nicht unerwartet, erklären kann er sich die neuen Vorwürfe aber nicht. "Ich bin sprachlos", sagt Haffa. "Die Due-Diligence der Formel-1-Beteiligung, die über mehrere Monate lief, wurde von Fachleuten überwacht. Das weiß auch der jetzige EM.TV-Vorstand." Dem wirft er Kleingeistigkeit vor: "Die Verantwortlichen verhalten sich wie Kleinaktionäre. Die Herrschaften kümmern sich nicht ums operative Geschäft, sondern machen solche dummen Sachen", so Haffa.

"Die Versicherung soll zahlen"

Hinter der neuen Klage vermutet er den Versuch, seine Manager-Versicherung im Nachhinein in die Pflicht nehmen zu können. Würde ihn das Gericht wegen groben Fehlverhaltens verurteilen, bestände für EM.TV eventuell die Möglichkeit, die Schadenersatzsumme über die Versicherung einzutreiben. "Die Versicherung soll zahlen" vermutet Haffa.

Stefan Rützel, Anwalt von EM.TV, will diesen Vorwurf nicht gelten lassen: "Die Klage ist nicht primär durch die Versicherungsdeckung motiviert. Es besteht die gesetzliche Pflicht der Organe, diese Ansprüche durchzusetzen", so Rützel gegenüber manager-magazin.de.

Nach dem Willen des Filmrechtehändlers sollen die Haffa-Brüder und Becker für weitere rund 50 Millionen Euro aufkommen, die EM.TV nach einem Vergleich als Schadenersatz an die Deutsche-Morgan-Grenfell-Gruppe zahlen müsste. Morgan Grenfell hatte für die Übertragung ihrer Formel-1-Anteile EM.TV-Aktien erhalten, die bereits kurze Zeit später dramatisch an Wert verloren hatten. Die Investoren hatten sich später mit dem neuen EM.TV-Management in einem Vergleich auf eine Entschädigung geeinigt.

Die Klage sei erforderlich geworden, da die ehemaligen Organmitglieder einen Ausgleich des Schadens der Gesellschaft abgelehnt hätten. Klagen gegen weitere Organmitglieder habe EM.TV derzeit nicht eingeleitet, da das Unternehmen bei diesen "nicht den Schwerpunkt der Verantwortungsbeiträge sieht". Auch hätten diese Manager Verjährungsverzichtserklärungen abgegeben.

Becker erklärte auf Nachfrage, er halte die Klage weiterhin für "absolut haltlos" und sehe ihr "gelassen entgegen". Er werde seinerseits EM.TV wegen Prozessbetrugs verklagen, da das Unternehmen bei anderen gerichtlichen Auseinandersetzungen argumentiert habe, es liege kein Fehlverhalten des Managements vor.

Thomas und Florian Haffa waren im April vergangenen Jahres zu einer Millionenstrafe verurteilt worden. Ihnen wurde zur Last gelegt, überhöhte Umsatzzahlen veröffentlicht zu haben, um den Börsenkurs ihres Medienunternehmens zu beeinflussen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.