Karriere Was der Bachelor bringt

Die Absolventen von Bachelor-Studiengängen drängen in den Beruf. Eine neue Studie zeigt: Der fliegende Wechsel gelingt ihnen weit besser, als Skeptiker befürchteten. Das Image der Dünnbrettbohrer haben die Express-Akademiker längst abgestreift, der neue Abschluss wird zum Sprungbrett.
Von Hermann Horstkotte

"Bachelor welcome" - mit dieser Initiative gaben sich 15 deutsche Großunternehmen im Juni einen Ruck und veröffentlichten gemeinsam mit dem Stifterverband für die deutsche Wissenschaft eine Erklärung, in der sie für das Turbo-Studium trommelten.

Jahrelang hatten die Absolventen von Bachelor-Studiengängen beim Berufseinstieg einen schweren Stand. Den Arbeitgebern mussten sie erst erklären, was ihr Abschluss bedeutet - und gegen den Ruf als "Dünnbrettbohrer" und "Schmalspur-Akademiker" kämpfen.

Doch das ändert sich allmählich. Das Versprechen der Arbeitgeber steht nicht nur auf dem Papier, sie begegnen Bachelor-Absolventen tatsächlich freundlich und empfangen sie vielfach mit offenen Armen.

Die Leistung im Beruf zählt

So zeigt eine Repräsentativumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft: Heute beschäftigt schon jede zehnte Firma einen Akademiker mit dem neuen berufsqualifizierenden Abschluss, obwohl es Absolventen in größerer Zahl erst seit zwei, drei Jahren gibt.

2002 und 2003 waren es insgesamt rund 4000. Drei Viertel aller Firmen zeigen sich neugierig auf Stellenbewerber mit einem vollgültigen Studienabschluss schon nach sechs bis acht Semestern.

Allerdings scheint sich im Ausland noch nicht herumgesprochen zu haben, dass Deutschland auf neue Abschlüsse umstellt - die vereinfachte Anerkennung ist ja eines der Hauptziele der Reform. Nach Angaben der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" wird an amerikanischen und kanadischen Hochschulen der deutsche Bachelor größtenteils nicht anerkannt. Das habe eine Umfrage der Educational Credential Evaluators-Agentur unter sechzig Hochschulen ergeben. 71 Prozent der Befragten setzen einen im Ausland erworbenen Bachelor-Abschluss mit einem vierjährigen Studium gleich, nicht mit dem dreijährigen Bachelor, wie er derzeit in Deutschland eingeführt wird.

Trotz der Anlaufschwierigkeiten zeigte ene Gehaltsanalyse bei Spiegel online kürzlich bereits, dass Bachelor-Absolventen bei den Einkommen recht gut abschneiden. Zudem sind die Aufstiegschancen der Express-Akademiker keineswegs schlechter als die von traditionellen Diplomanden oder Magistern, die in der Regel ein paar Semester oder gar Jahre länger an der Hochschule kleben. Erfahrene Personalchefs sagen immer wieder: Die im ersten Arbeitsjahr wirklich bewiesene Leistung ebnet den Karriereweg und nicht der eine oder andere akademische Titel, der höchstens ein Leistungspotenzial andeutet.

Nun hat das Hochschul-Informations-System (HIS) die Gegenprobe auf die positiven Auskünfte der Arbeitgeber gemacht. Bei der Befragung der Absolventenjahrgänge 2002 und 2003 kam HIS zu einem überraschend positiven Gesamtbild: Neun Monate nach Studienabschluss bestätigen die Bachelor-Absolventen ihren guten Start in den Beruf. Nur drei Prozent der Fachhochschul-Absolventen und sechs Prozent der (womöglich arbeitsmarktferneren) Uniabgänger bezeichnen sich als arbeitslos.

Dagegen ist rund ein Drittel mit dem Arbeitsplatz voll zufrieden, sowohl im Hinblick auf die Position im Betrieb wie auch mit den Arbeitsaufgaben und deren Nähe zum Studienfach. Weitere zwanzig Prozent sehen sich gut untergekommen, vermissen aber (einstweilen noch) die Fachnähe. Die meisten befragten Absolventen arbeiten als wissenschaftliche oder jedenfalls qualifizierte Angestellte mit einem anderen Leistungsprofil als Lehr-Absolventen der rein beruflichen Bildung.

Unbekannt in Feindesland

Unbekannt in Feindesland

Als "inadäquat" beschäftigt sieht sich, je nach Fachstudium, immerhin noch jeder Vierte oder gar Dritte. Am wenigsten zufrieden sind offenbar Bachelor-Absolventen, die im öffentlichen Sektor arbeiten wollen. "Gerade das Beispiel der gesundheitswissenschaftlichen Fachrichtungen lässt vermuten, dass die Absolventen noch auf alte Strukturen stoßen, die eine Einstufung des neuen Abschlusses schwer möglich machen", heißt es in der HIS-Studie.

Physio- oder Ergotherapeuten beispielsweise müssen sich erst noch gegen Kollegen mit Fachschulabschluss (Assistentenberufe) durchsetzen. Für Stellenengpässe sorge die finanzielle Lage im Gesundheitswesen, heißt es in der Untersuchung.

Die größten Sorgen machen sich die Absolventen nach wie vor darüber, dass ihr Abschluss möglichen Arbeitgebern unbekannt ist. Aber nach Auffassung der HIS-Forscher ergeben sich daraus selten "unüberwindbare Hindernisse" - denn den meisten, die solche Probleme nannten, sei trotzdem der Einstieg in eine Erwerbstätigkeit geglückt. Um das Abschlussprofil bekannter zu machen, plädiert HIS für eine "aktivere Informationspolitik" der Hochschulen gemeinsam mit Verbänden, Betrieben und Absolventen vor Ort.

Chancen auch bei kleinen Unternehmen

Mit ihrer Studienentscheidung sind die Bachelorabsolventen im Rückblick erstaunlich zufrieden: Kaum einer stellt sie grundsätzlich in Frage. Und auch die berufliche Positionierung gelingt ihnen laut Umfrage durchweg gut.

Als leeres Gerücht erweist sich die Behauptung, mit dem Bachelor habe man nur Chancen bei internationalen Großunternehmen, die Erfahrungen mit den international üblichen Abschlüssen Bachelor und Master haben. Tatsächlich ist jeder vierte Arbeitssuchende bei einer Firma mit bis zu zwanzig Beschäftigten untergekommen.

Das Hochschul-Informations-System weist aber auch darauf hin, dass die Absolventen beim Berufsstart auf "alte Strukturen des Beschäftigungssystems stoßen, das die neuen Abschlüsse noch nicht so recht zu verorten weiß". Die Einstufung des Bachelor sei noch vage, doch das werde sich in Zukunft durch die Eigendynamik der Arbeitsmärkte und die wachsende Zahl an Bachelor-Absolventen ändern.

Kinderkrankheiten, Übergangsprobleme

Kinderkrankheiten, Übergangsprobleme

Wo es Probleme gibt, handelt es sich also vorwiegend um Übergangsprobleme von einem alten zu einem neuen System der Studienabschlüsse. Allerdings: Auch fünf Jahre nach Einführung des berufsqualifizierenden Grades bleiben viele Bachelorabsolventen offenbar selbst skeptisch.

Immer noch rund 80 Prozent sehen ihren Abschluss praktisch nur als Vordiplom - und versuchen sich gleich danach im Masterstudium. Dahinter steht die irrationale Befürchtung, sonst automatisch hinter Stellenbewerbern mit herkömmlichem Diplom zurückzustehen.

Der Gesetzgeber könnte ihnen diese Sorge nehmen, indem er das Nebeneinander alter und neuer Abschlüsse zügig beseitigt und damit nicht bis 2010 wartet. In den Niederlanden beispielsweise gibt es bereits heute nur noch Bachelorstudiengänge mit der Chance zum Master für Bewerber mit stark wissenschaftlichen Neigungen. Der deutschen Hochschulpolitik fehlt offenbar der entsprechende Mut, sich gegen Besitzstandswahrer und Bedenkenträger in der Professorenschaft durchzusetzen.

Denn bei Bachelor/Master geht es politisch immer um mehr als um Studiengänge. Es geht, wie etwa Detlef Müller-Böling vom Centrum für Hochschulentwicklung in Gütersloh sagt, darum, dass "die institutionellen Schutzmauern zwischen Uni und Fachhochschule fallen und jeder einzelne Bildungsanbieter sich mit Bachelor-Master-Programmen individuell neu profilieren und am Markt durchsetzen muss".

Studienanfänger, die gleich auf diese neuen Angebote setzen, können den längst überfälligen Wandel beschleunigen - und schneller als alle anderen einen passenden Arbeitsplatz finden.

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