Tom Ford Die Diva fährt die Krallen aus

Er war Herr über französische Schnitte, italienische Stoffe und Topmodels: Tom Ford war einer der talentiertesten und bestbezahltesten Designer der 90er Jahre, lange Zeit verantwortete er die Kreationen von Gucci und Yves Saint Laurent. Als Ford zu viel forderte, musste er gehen. Jetzt rechnet er mit der Luxusbranche ab.

Hamburg - Tom Ford hat seinen früheren Arbeitgeber, den französischen Modepapst Yves Saint Laurent (68), heftig beschimpft.

Über seine Zusammenarbeit als Designchef mit dem Hause Yves Saint Laurent sagte der 43-jährige Amerikaner dem "Stern": "Es tut mir Leid, das so drastisch sagen zu müssen, aber Mr. Saint Laurent hat sich verhalten wie ein Arschloch."

Er habe immer versucht, mit ihm klarzukommen, "denn ich halte ihn für einen sehr talentierten Modemacher". Ford betonte, er habe nur beabsichtigt, seiner Marke "ein wenig vom Glanz der alten Tage zurückzugeben. Aber Mr. Saint Laurent ist ein verbitterter alter Mann, für den es Zeit wird, abzutreten."

Ford hatte zwei Jahre für Yves Saint Laurent Kollektionen geschneidert und teure Parfüms entwickelt. Nach seinem Ausscheiden 2002 hatte Saint Laurent gewettert: "Es war schmerzlich zu sehen, was Ford aus meiner Marke YSL gemacht hat".

"Ich habe Mode aus meinem Leben gestrichen"

Der Amerikaner galt in den 90er Jahren als einer der talentiertesten Modedesigner. In der Zeit hatten er und sein Teamkollege Domenico De Sole die sieche Gucci-Gruppe  zum drittgrößten Modehaus der Welt gemacht. Als Gucci 1999 die Marke Yves Saint Laurent für eine Milliarde aufkaufte, übernahm Ford auch für die Franzosen das Chefdesign.

Eisvögel: Roben für Yves Saint Laurent

Eisvögel: Roben für Yves Saint Laurent

Foto: DPA
Oben glatt, unten Plissee: Entwurf für Gucci

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Foto: DPA
Beam me up, Scotty: Strenge Pelzjacke für Gucci

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Foto: DPA


Glamouröser Abschied - Fords letzte Kollektionen
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Ende 2003 kam es zum Eklat mit dem ebenfalls französischen Mutterkonzern Pinault Printemps Redoute . Ford und De Sole konnten sich in mehrmonatigen Verhandlungen mit ihren Geldgebern nicht über ihr zukünftiges Gehalt einigen.

"Rampen für den Rollstuhl"

"Rampen für den Rollstuhl"

Die im Frühjahr 2004 ausgelaufenen Arbeitsverträge verlängerte das Designerteam nicht. Mit zwei Shows am Jahresanfang gab Ford seinen Abschied bei Gucci und Yves Saint Laurent.

Nach anschließenden zahlreichen aber fruchtlosen Gesprächen über eine mögliche Zusammenarbeit mit dem angeschlagenen Konkurrenz-Konzern Versace zog sich Ford endgültig aus der Modewelt zurück.

Über seine Pläne sagte der Designer: "Ich habe Mode vorläufig aus meinem Leben gestrichen." Mit einer 400-Seiten starken Autobiografie, die er im vergangenen halben Jahr geschrieben hatte, beendet Ford endgültig das Kapitel der feinen Fummel-Wirtschaft. Stattdessen will er eine Karriere als Filmregisseur starten. Er verfolge drei Projekte.

Darüber hinaus trifft Ford erste Vorbereitungen für seinen Lebensabend. In Santa Fe im US-Staat New Mexico entwirft er gemeinsam mit dem japanischen Star-Architekten Tadao Ando "das Haus, in dem ich alt werden möchte".

Dort werde es einen Fahrstuhl geben und "Rampen für den Rollstuhl". Dieses Haus möchte er "nie mehr verlassen müssen, und wenn, dann nur, um nebenan in mein Mausoleum getragen zu werden". Auch einen "schönen Sarg" habe er schon für sich entworfen.

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