Karriere Kraft und Glück durch Gleichgewicht

Wohl keiner Führungskraft ist das diffuse Gefühl der lähmenden Erschöpfung fremd, das Bild des Hamsters im Rad drängt sich auf. Mit der Strategie der Work-Life-Balance kann es gelingen, neue Energie zu schöpfen und zu gewohnter Leistung zurückzufinden. Das Wichtigste: innehalten, Distanz suchen und sich alter Ideale erinnern.

Berlin - Das Projekt für den wichtigsten Kunden muss dringend fertig werden, zu Hause brauchen die Kinder Unterstützung bei den Schulaufgaben - und fürs Wochenende haben sich die eigenen Eltern angekündigt.

Zeit zu sich selbst zu finden oder mit dem Partner etwas zu unternehmen, fehlt schon seit Monaten. Die Folge: chronische Unzufriedenheit, denn die Balance zwischen Berufs- und Privatleben ist nicht mehr im Gleichgewicht.

"Es gibt vier Lebensbereiche - geraten sie dauerhaft aus der Balance entsteht Unzufriedenheit, die gesundheitliche und psychische Folgen haben kann", sagt die Autorin Hannelore Fritz aus Rödermark. Neben der beruflichen Karriere und den privaten Beziehungen zur eigenen Familie und zu Freunden zählt sie dazu auch die Bereiche Gesundheit und Lebensgestaltung.

"Balance muss permanent erarbeitet werden"

"Am wesentlichsten sind die Bereiche Partnerschaft und Familie beziehungsweise für Singles der Freundeskreis sowie der Beruf", weiß die Münchener Autorin Tania Rolus. Hobbys und Freizeitaktivitäten sollten zwar auf Dauer nicht zu kurz kommen, können aber im Notfall pausieren, ohne dass dies zu Lasten der emotionalen Ausgeglichenheit geht.

"Die Balance kann nicht immer da sein, sie muss permanent erarbeitet werden", weiß Fritz. Wer eine neue Stelle antritt, muss zunächst meist viel in den Job investieren, um sich einzuarbeiten und zu etablieren. "In so einer Situation ist es sinnvoll, sich eine Frist von einem Jahr zu setzen - danach muss es wieder möglich sein, die persönliche Balance herzustellen", empfiehlt die Autorin.

Dazu ist es nötig, das eigene Leben immer wieder zu reflektieren und sich zu fragen, welche Gestaltungsmöglichkeiten derzeit offen stehen. "Durch äußere und innere Zwänge findet bei vielen Berufstätigen eine Entfremdung von den eigentlichen Wünschen, Zielen und Bedürfnissen statt", weiß Rolus. Träume, Werte und Ideale ändern sich mit der Zeit. Um ihnen im Alltag gerecht zu werden, gilt es, sie immer wieder zu überdenken.

Leben im Hamsterrrad

Leben im Hamsterrrad

Dies dauerhaft zu verwirklichen, fällt vielen Menschen schwer. "Sie geraten in ein Hamsterrad und arbeiten mehr und mehr - bis sich sogar die eigene Familie zurückzieht", sagt Fritz. So entsteht permanente Unzufriedenheit - auch wenn diese nicht sofort bewusst wahrgenommen wird. "Motivation und Lebensfreude sinkt, was beruflich und privat für alle Beteiligten deutlich spürbar wird", warnt Rolus.

Insbesondere Frauen versuchen häufig, alles perfekt zu machen - sowohl im Berufsleben als auch privat. "Gerade sie müssen lernen, einige Arbeiten zu delegieren und manches einfach ganz sein zu lassen", rät Fritz. Es gilt zu überlegen, was können die Kinder, was kann der Partner übernehmen? Denn Frauen fehlt sonst auf Jahre hinaus die Zeit für persönliche Wünsche und Träume.

Um aus einem solchen Teufelskreis auszubrechen, ist es entscheidend, sich über die derzeitige Lebenssituation im Klaren zu sein. Fragen wie "Wo stehe ich? Was beschäftigt mich? Ist dies der ideale Job? Was kann ich tun, um mein Leben mehr in meine Wunschrichtung zu lenken?" stellen sich die wenigsten regelmäßig, monieren beide Expertinnen. "In dem Moment, in dem die Leute anfangen zu reflektieren, was sie wirklich wollen und was realisierbar ist, kommen auch Veränderungen", weiß Fritz.

Mit Disziplin zum neuen Selbstbewusstsein

Doch nur, wenn Reflexion ein permanenter Prozess wird, ändert sich etwas. "Aus Silvestervorsätzen wird meist nichts", ist die Expertin überzeugt. Ein fester Terminplan kann bei der Umsetzung eines neuen Lebensstils helfen. "Am besten klappt es, wenn man einen regelmäßigen Zeitpunkt festlegt, so dass Partner und Kinder wissen, wann sie nicht stören sollen", sagt Fritz.

Außerdem rät sie, sich Gesinnungsgenossen zu suchen, die Ähnliches wollen und mit denen man Erfolge und Misserfolge bespricht. "Ganz allein braucht man sehr viel Disziplin und die haben nicht viele," weiß die Expertin.

Wichtig ist außerdem, sich auch über kleine Erfolge zu freuen. "Wenn alte Gewohnheiten einen hin und wieder einholen, sollte man sich nicht selbst verurteilen, sondern lieber wieder auf das gesetzte Ziel konzentrieren", rät Rolus. Wer sich wohl fühlt in seiner Haut, wird zusehends überzeugter von seinem Tun und dem Anspruch auf Wohlbefinden, stellt sie fest und ist sich sicher: "Niemand wird sich dann langfristig wieder in alte, unangenehme Lebensgewohnheiten zurückzwingen lassen."

Judith Csaba, ddp

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.