Sonntag, 21. April 2019

Paul Gauselmann Einer gewinnt immer

4. Teil: Unternehmer statt Sozialarbeiter

Unternehmer statt Sozialarbeiter

"Geplant ist ein höchstmöglicher Verlust pro Stunde und Gerät von 95 Euro. Im schlechtesten Fall kann man so in dreieinhalb Stunden sein Arbeitslosengeld II verspielen", formuliert es Füchtenschnieder sarkastisch. Zudem sollen mehr Automaten auf dergleichen Fläche aufgestellt werden.

[M] DDP; DPA; mm.de
Von Siegern und Verlierern

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Gauselmann bewertet die Novelle ganz anders. Eine "zeitgemäße Neugestaltung des gewerblichen Spielrechts" sei notwendig, "um offensichtliche Nachteile im Wettbewerb mit den staatlichen Anbietern von Glücks- und Gewinnspielen auszugleichen". Eine neue Spielverordnung eröffne vielmehr "Chancen auf bis zu 20.000 neue Arbeitsplätzen in diesem Wirtschaftszweig".

Um der Sucht entgegenzuwirken, warnen auch Schilder an den Münzschlitzen der Automaten die Spieler mit den Worten "Übermäßiges Spiel ist keine Lösung bei persönlichen Problemen ". Eine Beratungshotline der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln steht darunter. Doch bei allein 60 Millionen Kunden, die im Monat die Gauselmann-Geräte bedienen, zeugen die 15 Anrufe pro Monat von geringem Therapiebedürfnis.

Gauselmann senior geht mit dem Problem der Glücksspielsucht pragmatisch um. Menschen, die Probleme hätten, würden immer etwas übertreiben, sagte er gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" im vergangenen August.

Außerdem sei er kein Sozialarbeiter, sondern Unternehmer und müsse Gewinne machen, ließ er die "Financial Times Deutschland" kürzlich wissen. Schließlich trage er die Verantwortung für seine Angestellten, bekräftigte er. Seine Devise: Irgendwer verliert immer.

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