Fürstenberg Schluss mit Brauen

Seit mehr als 700 Jahren hat das Adelsgeschlecht derer zu Fürstenberg das Braurecht. Jetzt verkauft Fürst Heinrich den Traditionsbetrieb an eine von Bier-Tycoon Stefan Schörghuber kontrollierte Holding. "Der Verkauf war die einzige Möglichkeit, die Existenz unserer Brauerei zu sichern", begründet der Fürst den Schritt.

Donaueschingen - Die Übernahmewelle auf dem deutschen Biermarkt wird unter Beteiligung ausländischer Konzerne vorangetrieben. Die Münchner Brau Holding, an der der niederländische Bierriese Heineken maßgeblich beteiligt ist, schluckt die traditionsreiche Fürstenberg-Brauerei.

Der Paulaner-Hersteller stärkt damit vor allem die Position in Süddeutschland und dürfte unter Einrechnung von Minderheitsbeteiligungen auf Rang drei in Deutschland nach Oetker (Radeberger, Jever) und dem belgischen InBev-Konzern (Beck's) kommen. Mit der Übernahme werde die Strategie des regionalen Wachstums vorangetrieben, sagte der Sprecher des Brau-Holding- Vorstandes, Wolfgang Salewski. Weitere Zukäufe seien geplant.

Die Marke Fürstenberg bleibe ebenso erhalten wie der Produktionsstandort Donaueschingen, teilten beide Unternehmen am Dienstag mit. Die 290 Mitarbeiter von Fürstenberg sollen übernommen werden. Über die Kaufsumme wurde Stillschweigen vereinbart. Zur Brau Holding International gehören unter anderem die Marken Paulaner, Kulmbacher, Hacker-Pschorr, Thurn und Taxis, Kapuziner und Karlsberg. An der Brau Holding International sind die Münchner Unternehmensgruppe Schörghuber mit 50,1 Prozent und Heineken mit 49,9 Prozent beteiligt.

"Wir werden nicht einen Sack Geld auf den Tisch legen"

Sollten geeignete Kandidaten gefunden werden, seien weitere Zukäufe schon bald möglich, sagte Salewski. "Es gibt sicherlich im Umfeld unserer jetzigen Braugruppen die eine oder andere Brauerei, die wir interessant finden." Unter Beobachtung stünden vor allem kleine und mittlere Unternehmen mit starken Marken in Süddeutschland. "Wir werden nicht einen Sack Geld auf den Tisch legen und sagen, wer nicht schnell genug auf dem Baum ist, gehört uns."

"Der Verkauf war die einzige Möglichkeit, die Existenz unserer Brauerei zu sichern", sagte der Brauereibesitzer Heinrich Fürst zu Fürstenberg. Angesichts des schwieriger werdenden Marktes und des steigenden Kostendrucks habe das mittelständische Familienunternehmen seit Ende 2002 nach einem Käufer gesucht gesucht.

"Alleine zu bleiben wäre ein viel zu hohes Risiko"

"Alleine zu bleiben wäre ein viel zu hohes Risiko"

Obwohl die Brauerei schwarze Zahlen geschrieben habe, sei für die Zukunft ein starker Partner nötig. "Es wäre ein viel zu hohes Risiko, alleine zu bleiben", sagte der Fürst. Unter mehreren Interessenten habe sich Fürstenberg für die Brau Holding entschieden. Fürstenberg hatte im vergangenen Jahr einen Absatz von 700.000 Hektolitern Bier und einen Umsatz von rund 57 Millionen Euro erzielt.

Innerhalb der Brau Holding International werde Fürstenberg als eigenständiges Unternehmen und regionale Marke weitergeführt, sagte Salewski. In der Firmengruppe werde Fürstenberg als eine der führenden Brauereien Baden-Württembergs eine wichtige Rolle einnehmen. Ob die seit Mai 2000 zu Fürstenberg gehörende Marke Riegeler erhalten bleibe, stehe nicht nicht fest.

Verkauft wurde den Angaben zufolge ausschließlich die Brauerei. Die zum Adelshaus Fürstenberg gehörenden Immobilien und übrigen Wirtschaftszweige bleiben im Familienbesitz. Fürstenberg werde sich nun auf den Forstbetrieb und die Immobilienverwaltung konzentrieren, sagte der Fürst.

Braurecht seit 1283

Fürstenberg gehört zu den ältesten deutschen Adelsfamilien. Das katholische Geschlecht wurde im Jahr 1070 erstmals urkundlich erwähnt. Bundesweit bekannt geworden ist die Familie durch die gleichnamige Brauerei. Bereits im Jahr 1283 wurde den Fürstenbergs das Braurecht verliehen. Die Brauerei war seit ihrer Gründung im Familienbesitz.

Das Adelshaus zu Fürstenberg hat eine große wirtschaftliche Bedeutung, besonders für Baden-Württemberg. Die Fürstenbergs gehören neben dem Hause Thurn und Taxis zu den größten privaten Waldbesitzern in Deutschland. Der Holz- und Forstbetrieb sowie die Holz verarbeitende Industrie sind die zentralen Standbeine des Unternehmens.

Die gesamte Firmengruppe, die auch über zahlreiche Liegenschaften, Immobilien und wertvolle Kunstschätze verfügt, beschäftigt derzeit noch rund 800 Mitarbeiter.

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