Mittwoch, 18. September 2019

Hermann Bühlbecker Printen-Prinz mit Biss

3. Teil: Der Weg an die Spitze

Der Weg an die Spitze

In den folgenden Jahren scheute der ehrgeizige Neffe weder Kraft noch Geld, um das Unternehmen aus der Krise an die Branchenspitze zu führen. Er entwickelte ein Corporate Design für seine Verpackungen, erschloss die großen Lebensmittelketten für sein Weihnachtsgebäck und erweiterte das Sortiment.

Herr über süße Gaben: Spekulatius, Florentiner, Dominosteine
Doch damit nicht genug. Zusätzlich zu den bisherigen Saisonprodukten entwickelte er Gebäck wie Florentiner, die über das ganze Jahr Absatz finden. "Heute liegt der Anteil von Ganzjahresgebäck bei 64,2 Prozent", sagt Bühlbecker stolz. Vor allem aber kaufte der heutige Alleininhaber zu, mit eigenem Geld. Den Abstand zu Branchengrößen wie Bahlsen und Griesson-de Beukelaer verkürzten die Akquisitionen des Nürnberger Lebkuchenbäckers Haeberlein & Metzger, des Konkurrenten Kinkartz aus Aachen, der süddeutschen Lebkuchenfabrik Weiss und der 50-prozentigen Beteiligung an der Feinbäckerei Otten in Erkelenz erheblich.

David gegen Goliath

Doch die Firmenkäufe waren mitnichten ein Zuckerschlecken. "Als kleines mittelständisches Unternehmen hat man gegen die großen Konzerne wie Nestlé Börsen-Chart zeigen und Unilever Börsen-Chart zeigen keine Chance". Als einen der schwärzesten Momente seiner Unternehmervergangenheit nennt er jenen Tag in den 80er Jahren, an dem der Zuschlag für den Verkauf von Kinkartz und Haeberlein & Metzger nicht an ihn, sondern an die Südzucker-Tochter Schöller ging.

[M] DDP; DPA; mm.de
Von Siegern und Verlierern

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Südzucker bot ihm zwar den Kauf an, doch nur gegen eine Beteiligung an seinem Unternehmen. Bühlbecker habe nicht lange überlegen müssen: im vollen Bewusstsein der Tradition und seines Privilegs des Alleinentscheiders lehnte er ab. Als Schöller 1999 die beiden Unternehmen erneut anbot, diesmal aber gegen Cash, schlug Bühlbecker zu. "Das war eine richtige Entscheidung", erkennt er rückblickend.

Auch über den Entschluss, 1999 eine Fabrik im polnischen Kattowitz zu eröffnen, ist Bühlbecker heute froh. Mit den zu polnischen Löhnen preiswerter hergestellten Produkten beliefert er das Land selbst und die angrenzenden Staaten. "Während andere erst jetzt ihr Know-how für die östlichen Märkte aufbauen, können wir schon von einer langjährigen Erfahrung profitieren", so der Manager zufrieden.

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