Dienstag, 17. September 2019

Hermann Bühlbecker Printen-Prinz mit Biss

2. Teil: "Alle Hoffnungen ruhten auf mir"

"Alle Hoffnungen ruhten auf mir"

Bühlbecker nutzt Zeit effizient. Nicht eilig und laut, aber bestimmt beginnt er von der Historie der Firma Lambertz und der darin verwobenen eigenen Lebensgeschichte zu erzählen. Als Ausgangspunkt seiner Führung durch die düstere Ahnengalerie wählt er die Schwarz-Weiß-Porträts nahe der Tür.

Wechselte von der Tennis-Bundesliga in die Bäcker-Oberliga: Bühlbecker vor einem seiner erfolgreichsten Produkte - dem Dominostein
"Das ist mein kinderloser Onkel, von dem ich das Unternehmen später übernahm", erzählt er und deutet auf eine Fotografie, die den Bruder seiner Mutter zeigt. Für seine Schwester und ihn habe dieser jahrelang das Familienunternehmen geleitet. "Aber er ruhte sich zu sehr auf dem guten Namen des Traditionsunternehmens aus und glaubte, ohne Innovationen überleben zu können", erklärt Bühlbecker die damalige Krise des Unternehmens.

Mitte der 70er Jahre stand der Printenhersteller mit 300 Angestellten und einem Umsatz von zehn Millionen Euro kurz vor dem Ruin. Die Produktpalette umfasste, wie zu Henrys Zeiten, lediglich Saisongebäck wie Printen und Lebkuchen, das nur zur Weihnachtszeit Absatz fand. Auch der Vertrieb war auf wenige pikfeine Konditoreien beschränkt.

"Die schlechte Situation war meine Chance"

Nachdem der Onkel die ruinöse Entwicklung lange Zeit verdrängt hatte, sah er sich 1976 schließlich zum Handeln gezwungen. Sein Neffe, der gerade BWL-Studium und anschließende Promotion abgeschlossen hatte, schien der richtige Mann zu sein, um das Unternehmen samt Tradition zu retten. "Ich war schon immer ein Macher-Typ. Damals sagte ich mir: Gut dann versuch' ich's mal", schildert Bühlbecker seine damalige Situation.

[M] DDP; DPA; mm.de
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Der frisch gebackene Manager stieg 1976 als Assistent der Geschäftsleitung in das Unternehmen ein, bevor er ein Jahr später die Geschäftsführung übernahm und seine Mutter ihm ihre Anteile übertrug. "Diese Zeit war sehr anstrengend", erinnert sich Bühlbecker, "da mein Onkel weniger mein Berater als mein Kontrahent war, der seine Fehler nicht einsehen wollte. Ich musste damals sehr diplomatisch sein", resümiert er.

Während das Verhältnis zu seinem Onkel eher angespannt war, begegneten ihm dessen Angestellte sehr aufgeschlossen. "Ich galt als Hoffnungsträger", erklärt Bühlbecker. "Die damals schlechte wirtschaftliche Situation war auch eine Chance für mich, denn es gab keine erfolgreichen Vorbilder, an denen ich gemessen wurde". Auch mit der Umsetzung seiner neuen Idee habe er leichtes Spiel gehabt: "Ich musste die Leute nicht erst von der Dringlichkeit eines Wandels überzeugen. Allen war klar, dass es so nicht weitergehen konnte".

Es folgte die Herausforderung seines Lebens. Mit Printen und Lebkuchen im Gepäck zog Bühlbecker von Supermarktkonzernen zu Feinkostketten und suchte das Gespräch mit den Mächtigen der Branche. Anhand der Reaktionen: "Zu exklusiv, zu ariviert und vor allem zu einseitig" wurde ihm bald klar, dass Umdenken angesagt war.

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