Bewerber-Absagen Bitte recht freundlich

Wenn Unternehmen Bewerbern absagen müssen, dann tun sie das meist gestelzt, etwas plump und barsch. Aber sie können auch anders - und sorgen mit freundlichen oder sogar originellen Briefen für einen Tiefkühl-Vorrat guter Kandidaten. Die besten "Eisschreiben" wurden jetzt prämiert.

Da hat man stundenlang an der Bewerbung gefeilt und sich gute Chancen ausgerechnet. Vielleicht war man sogar beim Vorstellungsgespräch, hat die zweite Runde erreicht und lange mit dem Personalchef gesprochen.

Dann liegt nach Wochen bangen Wartens so ein schnöder, unpersönlicher Brief im Kasten: "Wir bedauern, Ihnen mitteilen zu müssen...", fängt es meist an. Und endet mit Floskeln wie "...senden Ihnen die uns zur Verfügung gestellten Bewerbungsunterlagen zu unserer Entlastung zurück."

Wieso überhaupt Entlastung? Und müssen Absagen so trostlos sein? Müssen sie nicht. Manche Unternehmen haben das längst begriffen. Sie geben sich inzwischen bei Absagen etwas mehr Mühe und ersetzen unhöfliche Standardfloskeln durch elegantere und freundlichere Formulierungen.

Bewerber auf Wiedervorlage

"Eisschreiben" heißen solche Absagen - eine Übersetzung des englischen "ice letter". Den Firmen geht es nicht allein darum, den ohnehin enttäuschten Bewerbern Formulierungen im Kasernenhofton oder Beamtendeutsch zu ersparen. Sie wollen auch vermeiden, gute Kandidaten ohne Not zu verprellen. Denn im Leben trifft man sich immer zweimal.

And the winner is: Die Firma Mahle setzt auf motivierte Kandidaten für ihren "Rennstall"

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Kurz, aber freundlich: Yello

Kurz, aber freundlich: Yello

Ebenfalls auf dem Treppchen: Mazda

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Die besten Eisschreiben - drei preisgekrönte Briefe:
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Mit "Eisschreiben" können Personalchefs sich einen tiefgekühlten Vorrat qualifizierter Bewerber sichern, statt sie gleich schockzufrusten. Die Kandidaten kommen also auf Wiedervorlage. So nutzen Unternehmen die Chance, sich auch in der Bewerberkommunikation als attraktive Arbeitgeber zu präsentieren - "Employer Branding" heißt das im Fachjargon.

"Die Bewerbung in der Boxengasse parken"

"Die Bewerbung in der Boxengasse parken"

Vor drei Jahren schrieb der Kölner Recruitingspezialist Refline erstmals einen Wettbewerb um das beste Eisschreiben aus. Und prämierte dieses Jahr erneut vorbildliche Absageschreiben, gemeinsam mit Terra Personalmarkting, einem Unternehmen der Kienbaum-Holding.

Als Sieger ging dabei die Firma Mahle durchs Ziel. "Die Bewerbung in der Boxengasse parken und bei einer freien Startposition wieder auf den Bewerber zugehen" - so beschreibt der Zulieferer der Automobil- und Motorenindustrie seine Absichten.

Knapp dahinter platzierten sich Yello Strom und Mazda. 50 Unternehmen aus allen Branchen nahmen teil, die 20 besten Eisschreiben sollen im Herbst in einem Buch veröffentlicht werden. Darunter sind namhafte Firmen wie Allianz, Coca Cola, die Deutsche Börse, Otto, Sandoz, Wüstenrot sowie Ikea, Gewinner beim Wettbewerb 2001.

Perfekt sind auch die Gewinnerbeiträge nicht. Aber sie weichen schon deutlich von den langweiligen 08/15-Floskeln ab. Nadine Reich sieht noch viel Spielraum für geschicktere Eisschreiben: "Bei einigen Unternehmen ist noch deutlicher Bedarf festzustellen, sich zielgruppengerecht an den Bewerber zu wenden und sich trotz Absage ein positives Arbeitgeberimage zu verleihen", so die Beraterin bei Terra Personalmarketing.

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