Karriere Vom Hörsaal in die Chefetage

Vom Turn- in den Lackschuh und aus der Jeans in den feinen Nadelstreif: Studentische Unternehmensberater führen ein Doppelleben. Neue Managementtheorien hören sie morgens im Hörsaal - nachmittags beraten die kreativen Jungspunde Bayer, Bahlsen und Co.

Köln - Schnell raus aus dem T-Shirt und den Turnschuhen, fix rein in den dunklen Anzug und die Lackschuhe. Geschäftsführer Stephan Müller hat es eilig, er muss zum Kundentermin, und da ist vorher erst einmal ein Kleidungswechsel nötig.

Er redet noch ein paar Worte mit Ko-Geschäftsführer Kolja von Westerholt, und schon ist Müller aus der Tür. Unternehmensberater haben es eilig - auch wenn sie noch Studenten sind.

Rund 40 studentische Unternehmensberatungen gibt es in Deutschland. Die Kölner Oscar sticht dabei heraus, weil sie nicht nur als Arbeitsgemeinschaft oder als Verein auftritt, sondern eine GmbH ist. Bahlsen, Bayer, Deutsche Bank, Deutsche Post, Ford, Dr. Oetker, Karstadt ... Die Referenzliste in der Image-Broschüre des Unternehmens geizt nicht mit großen Namen.

Oscarianer-Nachtschichten und 100 Euro

Mehr als 300 Projekte hat die Unternehmensberatung mittlerweile absolviert. Und das mit einem ständig wechselnden Team, denn die studentischen Mitarbeiter arbeiten projektbezogen nur wenige Monate in der Agentur. "Allerdings müssen sie sich auf einen Vollzeit-Job einstellen", sagt Judith Jussenhofen. Die studierte Historikerin ist für die Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens zuständig.

Wer "Oscarianer" werden will, muss sich nach der Bewerbung einem Auswahlverfahren unterziehen. Dabei wollen die Kollegen und die Chefs vor allem einen Bewerber sehen, der einen verlässlichen und eigenverantwortlichen Eindruck macht. "Wer bei uns mitmacht, muss notfalls auch noch nachts einen Auftrag vollenden und kann nicht die angefangene Arbeit bei den Geschäftsführern abladen", sagt Geschäftsführer Müller.

Wer es in das mittlerweile gut 100 Mitarbeiter starke Team schafft, bekommt ein kleines Gehalt von ein paar hundert Euro. Und schon als Student ein Gefühl davon, nicht nur Hilfskraft, sondern verantwortlich für ein geschäftliches Projekt zu sein.

Kärrnerarbeit für die Karriere

Kärrnerarbeit für die Karriere

"Kleinere Unternehmen finden uns wohl vor allem wegen unserer günstigen Preise interessant. Die Großen eher wegen unserer ungewöhnlichen Herangehensweise", zeigt sich Geschäftsführer von Westerholt überzeugt. Er studiert im sechsten Semester Betriebswirtschaftslehre an einer Fachhochschule. Bei Oscar haben Studenten aller Fachrichtungen prinzipiell eine Chance, wenn es auch ein Schwergewicht bei den wirtschaftsbezogenen Studiengängen gibt.

Studentische Unternehmensberater werden vor allem für so genannte Research-Aufgaben herangezogen. Und das machen sie recht gut", sagt Frank Altmeyer, der früher für die Unternehmensberatung Kienbaum tätig war, mittlerweile als freiberuflicher Berater arbeitet und Geschäftsführer eines Internetunternehmens ist.

Research-Arbeit heißt, die Nachwuchs-Kräfte erheben beispielsweise Branchen-Daten, indem sie die Anzahl der Filialisten in einem bestimmten Bereich ermitteln oder Mitarbeiter-Befragungen machen.

"An die großen Unternehmens-Reformen lässt man die Studenten natürlich noch nicht heran", sagt Altmeyer. Das gelte aber auch bei den etablierten, oft international tätigen Agenturen der Branche. Wenn es um die Re-Organisation ganzer Firmen gehe, um Schließung oder Zusammenlegung von Abteilungen oder gar um Entlassungen, seien bei den großen Beratungsfirmen ebenfalls nur die erfahreneren Experten gefordert. Altmeyer: "Das macht nicht der Berufsanfänger."

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