Management Wer viel macht, macht viel falsch

86 Prozent aller Manager leiden unter stressbedingten Erkrankungen wie Schlafstörungen oder Kopfschmerzen. Die Folge: "Die Führungsfähigkeit ist stark eingeschränkt, es werden einfachste Dinge falsch gemacht", so Strategieberater Klaus Rempe.

Münster - Deutschlands Manager fürchten nach Ansicht eines Psychologen ebenso um den Arbeitsplatz wie ihre Mitarbeiter.

"60 Prozent aller Manager leiden unter Ängsten. Ähnlich wie die Mitarbeiter haben sie Angst um ihre Arbeit, Existenzangst letztlich", sagte Diplompsychologe Klaus Rempe in Münster. Recht desolat stehe es daher um die Führungsfähigkeit der hoch bezahlten Kräfte: "86 Prozent der Manager leiden unter psychovegetativen Erkrankungen - Schlafstörungen, Schulter-, Rücken- und Kopfschmerzen."

Die mentale Selbstverstümmelung der Menschen, die auf Warnsignale nicht achteten, führe zu Fehlern, erklärte er. "Die Führungsfähigkeit ist stark eingeschränkt, es werden einfachste Dinge falsch gemacht."

"Bei Sonnenschein spazieren gehen kann jeder"

Dabei seien Symptome oft deutlich: "Gefährlich wird es, wenn keine Erholungsphase mehr da ist, der Mensch von morgens bis abends unter Dampf steht. Doch die Menschen merken nicht, dass sie krank sind, sie zeigen Dumpfheit für den Rest des Lebens." Große Defizite gebe es vor allem bei Führungskräften im produzierenden Gewerbe.

Das räche sich und werde als Demotivation der Mitarbeiter sichtbar, warnte Rempe: 18 Prozent aller Beschäftigten hätten "innerlich gekündigt", 70 Prozent machten Dienst nach Vorschrift. "Das sind definitiv Management-Fehler", betonte der Experte. "46 Prozent aller demotivierenden Faktoren entstehen durch die Führung."

Dabei wünschten sich die Mitarbeiter von ihrem Chef oft ganz einfache Dinge - etwa einfach nur vorurteilsfrei zuzuhören. "Auch bei Lob und Tadel ist Deutschland immer noch Entwicklungsland. Kaum fünf Prozent der Mitarbeiter fühlen sich ausreichend gelobt."

Ein Grund der schwindenden mentalen Fitness von Managern sei die Wirtschaftslage. "Bei Sonnenschein spazieren gehen kann jeder. Aber wir haben härteste Zeiten, Schwächen werden schonungslos aufgedeckt", sagte Rempe.

Führungskräfte vereinsamten und könnten ihre Sorgen mit den Mitarbeitern nicht teilen. "Hilflosigkeit und Ohnmacht sind die höchsten Stressfaktoren." Der wirtschaftliche Schaden, der aus Demotivation der Mitarbeiter entstehe, liege bei rund 220 Milliarden Euro jährlich.

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