Karriere Königswege für Aufsteiger

Der Arbeitsmarkt für Akademiker verändert sich: Die Globalisierung der Märkte und die Auslagerung von Unternehmensteilen tragen dazu bei, dass Hierarchien verflachen und zunehmend in kleinen Teams gearbeitet wird. Spezialisten auf Zeit sind gefragt - wer Karriere machen will, muss flexibel sein.

Hamburg/Lippstadt - "Für  Projekt im Bereich Verlagsmanagement suchen wir einen Betriebswirt mit internationaler Erfahrung - befristet für zunächst drei Jahre", "Internationale Hotelkette sucht Projektmanager. Übertarifliche Bezahlung, spätere Festanstellung mit guten Perspektiven im Konzern nicht ausgeschlossen". So oder ähnlich lesen sich viele Stellenanzeigen.

"Projektarbeit und Honorarjobs sind klar auf dem Vormarsch", so Bernhard Hohn, Arbeitsmarktexperte bei der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung in Bonn. "Besonders beim Berufseinstieg müssen sich junge Akademiker darauf einstellen, dass die Zeiten, in denen sie gleich mit einer unbefristeten Beschäftigung rechnen konnten, vorbei sind. Die Unternehmen specken Mitarbeiter ab, Doppel- und Mehrfachspezialisten sind gefragt. Es wird nur eine begrenzte Menge an Arbeit vergeben, und zwar nur so lange Gelegenheit und Notwendigkeit dazu besteht", so Hohn.

Seit einigen Jahren verändert sich der Arbeitsmarkt für Akademiker gewaltig: Die zunehmende Globalisierung der Märkte, der schnelle technische Fortschritt und die Auslagerung von Unternehmensteilen tragen dazu bei, dass Hierarchien verflachen und immer mehr in kleinen Teams  gearbeitet wird. Spezialisten auf Zeit sind gefragt.

Honorarbeschäftigungen oder Werkverträge

Arbeit wird befristet in Form von Projekten vergeben: "Jungakademiker müssen sich auch immer häufiger mit Honorarbeschäftigung oder Werkverträgen begnügen, bevor sie einen festen Vertrag bekommen. Viele müssen den Weg in die Selbständigkeit einschlagen, um überhaupt in ihrer Branche Fuß fassen zu können. Befristete Beschäftigungen bieten aber eine gute Möglichkeit, Berufserfahrung zu sammeln und so seine beruflichen Gesellenjahre zu absolvieren", so der Bonner Arbeitsmarktexperte.

Für Arbeitsberater und Headhunter ist die Vermittlung in befristete Arbeitsverhältnisse von Akademikern längst normal geworden: "Zu meinem Arbeitsalltag gehört es, Absolventen damit vertraut zu machen, dass es nicht mehr den alleinigen Königsweg einer Festeinstellung samt vorgezeichneter Karriere gibt. Viele müssen sich anders den Einstieg suchen", so Uta Walkow vom Berliner Hochschulteam des Arbeitsamtes.

Erfolgreich selbstständig

Erfolgreich selbstständig

Die Berufsberaterin sieht diese Entwicklung aber nicht nur negativ: "Durch die Arbeit in Projekten ergeben sich oft viele Kontakte und manch einer entdeckt dadurch seine persönlichen Stärken und Marktlücken, die er später selbst durch eigene Dienstleistungen schließen kann. Viele haben sich selbständig gemacht - und leben und verdienen gut damit."

Auch Thomas Vielhauer vom Hamburger Hochschulteam sieht in der Projektarbeit eine gute Chance für Berufseinsteiger: "Diese Form der Arbeit ist zwar nur befristet, aber dennoch oft hochkarätig und gut bezahlt. Karriere ist nicht mehr nur vertikal zu sehen. Karriere wird heute auch horizontal gemacht. In fachlicher Hinsicht macht der Karriere, der von Projekt zu Projekt immer mehr Erfahrungen sammelt und immer besser bezahlt wird. Das bedeutet auch, dass man ohne Gesichtsverlust die Führungsebene verlassen kann, wenn ein interessantes Projekt in Aussicht ist", so Vielhauer.

Wie Hochschulen auf diesen Trend reagieren sollten, ist klar: Das Studium sollte möglichst praxisbezogen sein, kurz und straff organisiert und neben dem Know How im Umgang mit neuen Technologien und der Fähigkeit zum Selbstmanagement vor allem auch fremde Sprachen vermitteln.

Die Hochschullandschaft wandelt sich

Die International Business School (IBS) in Lippstadt versucht, diesen Anforderungen gerecht zu werden: "Bei uns arbeiten die Studentinnen und Studenten vom ersten Vorlesung an mit eigenen Laptops", so Studienleiter Matthias Zünkler. "Die rasante Entwicklung der Informationstechnik in den letzten Jahrzehnten und die grundlegende Veränderung industrieller Prozesse spiegeln sich auch in veränderten Anforderungen an die akademische Ausbildung wieder", so Zünkler weiter.

Darüber hinaus berücksichtigt die IBS die Anforderungen eines akademischen Arbeitsmarktes. Neben dem Fremdsprachenunterricht, der inzwischen auch Grundkenntnisse in Chinesisch umfasst, sind Auslandspraktika Bestandteil der Ausbildung.

Absolventen der Bildungsinstitution sind mittlerweile in Führungspositionen internationaler Unternehmen wie Sony, General Electric, IBM und Citibank tätig.

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