Walt Disney Kronprinz als Wertehüter

COO Robert Iger soll von Platz zwei an die Spitze des Disney-Konzerns rücken. So jedenfalls will es der amtierende Chef Michael Eisner. Der durch die Kritik zahlreicher Aktionäre zunehmend unter Druck geratene Eisner muss seinen Kandidaten nun gegen den Willen früherer Direktoren durchsetzen.

Los Angeles - Wenn es nach dem Wunsch von Walt-Disney-Chef Michael Eisner (57) geht, soll COO Robert Iger sein Nachfolger werden. Bereits im Januar dieses Jahres wurde der 48-jährige Iger, ehemaliger Leiter der Fernsehsparte ABC, zum Präsidenten des Disney-Konzerns  und somit zum zweiten Mann hinter Eisner ernannt.

Seit Monaten treibt der Aufsichtsrat die Suche nach einem Nachfolger für den Chefposten des zweitgrößten Medienkonzerns der Welt voran. Ursache hierfür ist die massive Kritik der Disney-Aktionäre an Eisners Führung. Sowohl sein Managementstil als auch seine Unternehmensstrategie wurden bei der Hauptversammlung im März in Frage gestellt. Konsequenz: Der seit 20 Jahren an der Unternehmensspitze stehende Manager verlor den Titel des Chairman.

Obwohl Eisners Amtszeit noch bis 2006 läuft, häufen sich Stimmen, die eine vorzeitige Auflösung seines Vertrages fordern. In einem letzten Kraftakt will er offenbar nun seinen Kronprinzen Iger als Nachfolger durchsetzen. Einem Interview mit der "Sunday's Los Angeles Times" zu Folge, soll Eisner gegenüber dem Vorstand betont haben: "Iger wäre ein exzellenter Hüter der Disney-Werte. Es gibt niemanden, der eine bessere Ausbildung und mehr Erfahrung für diesen Job mitbringt."

Kampf um Kandidaten

Auch Iger soll gegenüber der Zeitung sein Interesse an der Nachfolge bekundet haben. "Ich kenne dieses Unternehmen gut und ich habe das nötige Wissen. Der Moment wird kommen, wo es richtig sein wird, zu sagen: Hey, das ist ein Job, den ich gerne machen würde."

Aber noch scheint Igers Nachfolge nicht gesichert. Die zwei ehemaligen Direktoren des Unterhaltungskonzerns, Roy Disney und Stanley Gold, hatten im Juni den Ex-Viacom Konzernchef Mel Karmazin für das Amt des CEO vorgeschlagen. Karmazin solle unbedingt in die engere Wahl gezogen werden, heißt es in ihrer Stellungnahme von Anfang Juni dieses Jahres.

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