Alfred Tacke Schröders "Sherpa" wird Vorstandschef

Wirtschaftsstaatssekretär Alfred Tacke soll Vorstandschef des fünftgrößten deutschen Stromkonzerns Steag werden, einer Tochter von RAG. Er folgt damit den Spuren von Ex-Wirtschaftsminister Werner Müller, Vorstandschef der RAG. Die FDP spricht von Vetternwirtschaft und rotem Filz.

Hamburg - Tacke, der als Vertrauter von Bundeskanzler Gerhard Schröder gilt und dessen "Sherpa" bei Wirtschaftsgipfeln ist, soll den Konzern offensiver am Markt aufstellen, wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am Wochenende berichtete. Dazu gehöre vor allem der Bau von fünf bereits genehmigten Steinkohlekraftwerken.

Die Steag ist eine Tochter der RAG, deren Vorstandsvorsitzender der frühere Wirtschaftsminister Werner Müller ist. Das Präsidium des RAG-Aufsichtsrats habe die Bestellung Tackes bereits abgesegnet, das Plenum müsse aber noch zustimmen, so der "Spiegel". Auch die "Süddeutsche Zeitung" und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichteten über den Wechsel. Wer die Nachfolge Tackes in der Bundesregierung antritt, ist noch offen.

Schröder äußerte am Wochenende bei der Pressekonferenz zur Kabinettsklausur in Bonn Verständnis für Tackes Wechsel. Er könne nachvollziehen, wenn jemand mit Mitte Fünfzig noch einmal eine andere Tätigkeit ausüben wolle. Das kommentierte der 56-jährige Außenminister Joschka Fischer, dem hin und wieder das Streben nach hohen internationalen Ämtern nachgesagt wird, als "lebensklugen Hinweis". Schröder ergänzte daraufhin, dass sich seine Äußerung nur auf Tacke bezogen habe.

FDP spricht von "Vetternwirtschaft und rotem Filz"

Der Stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Andreas Pinkwart hat die Bundesregierung aufgefordert, umgehend Verhaltensregeln zu erlassen, die es Ministern und politischen Beamten untersagen, zu von wettbewerblichen Entscheidungen begünstigten Konzernen zu wechseln. Dieser so genannte "Code of Conduct" solle unmittelbar anwendbar sein, sodass der Wechsel von Tacke zur RAG-Tochtergesellschaft Steag nicht unter dem Verdacht einer "Dankeschön-Beförderung" bleibe, sagte Pinkwart am Sonntag in Berlin.

Tacke habe vor zwei Jahren die Übernahme des größten deutschen Gasversorgers Ruhrgas durch den Energiekonzern Eon  gegen die Untersagung durch das Kartellamt und die massiven Warnungen der Monopolkommission "durchgeboxt", sagte Pinkwart. Die RAG wiederum sei eine Beteiligungsgesellschaft des Fusionsgewinners Eon. Nachdem der damalige Wirtschaftsminister Werner Müller auf den Chefsessel der RAG wechselte, folge ihm nun sein Staatssekretär. "Das riecht nach Vetternwirtschaft und rotem Filz", sagte Pinkwart.

Tacke verdankt Schröder viel

Schröder hatte den promovierten Wirtschaftswissenschaftler und Gewerkschaftsfunktionär Tacke bereits 1990 als Koordinator der Wirtschaftspolitik in die niedersächsische Staatskanzlei geholt. Ein Jahr später wurde er Staatssekretär im Landesministerium für Wirtschaft, Technologie und Verkehr.

Nach Schröders Aufstieg zum Bundeskanzler setzte Tacke als Staatssekretär Müllers rot-grüne Politik wie den Atomausstieg um. Im November 2000 ernannte der Bundeskanzler ihn zum neuen Beauftragten für die Vorbereitung der Wirtschaftsgipfel der sieben führenden Industrienationen sowie Russlands (G-8) und machte ihn damit zum "Sherpa". Anfang 2002 übernahm er dazu die Aufgaben des Koordinators der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrtindustrie.