Markus Merk Schiedsrichter, Zahnarzt, Großmotivator

Zuletzt machte Markus Merk Furore, als er bei der Fußball-EM das Finale zwischen Griechenland und Portugal pfiff. Jetzt verkauft der Top-Referee seine Zahnarztpraxis und startet eine neue Karriere - er leitet Manager-Seminare.

Frankfurt/Kaiserslautern - Deutschlands Fußball-Top-Schiedsrichter Markus Merk hat einen neuen Lebensabschnitt eingeläutet und damit die ganze Pfalz in Aufruhr versetzt: Der 42 Jahre alte Zahnarzt hat seine Praxis in Kaiserslautern verkauft und wird ab dem 5. Januar 2005 als Motivationstrainer eine neue berufliche Laufbahn einschlagen. "Das hat in einem Dorf wie Kaiserslautern erstmal ganz schön für Unruhe gesorgt. Aber ich habe anschließend große Akzeptanz für meine Entscheidung gefunden", sagte Merk.

Ausschlaggebend war für den Hobby-Triathleten die seiner Ansicht nach für seine Patienten negativen Auswirkungen der Gesundheitsreform. "Irgendwo hat man vergessen, dass das Wichtigste der Patient ist. Ich will den Leuten nichts verkaufen und ständig erklären müssen, dass ich noch zehn Euro für dies und 20 Euro für das bekomme. Ich habe seit 1988 alle Reformen mitgemacht und sie nie verflucht, aber jetzt geht es vom Kopf her nicht mehr", sagte Merk, der bei der EM in Portugal das Finale zwischen Griechenland und Portugal (1:0) geleitet hatte.

Im Laufe seiner 13 Jahre als Inhaber der mittlerweile abbezahlten Zahnarztpraxis habe er sich zum Ende hin gefühlt, "wie ein Tiger im Käfig". Seit nunmehr zwei Jahren hält der Top-Referee Manager-Seminare ab und hat dabei offenbar seine neue Passion entdeckt. "Ich wusste, dass man mich nicht mein ganzes Leben lang in der Praxis einsperren kann. Die Seminare machen unheimlich viel Spass, obwohl ich am Anfang ja nicht mal wusste, ob ich das überhaupt kann. Aber ich habe so ein großes Feedback bekommen, dass ich jetzt den nächsten Schritt gehe und noch mehr Zeit dafür aufbringen werde", meinte Merk, der bereits seit zwölf Jahren zum erlauchten Kreis der Fifa-Schiedsrichter zählt.

Seinen nächsten Auftritt außerhalb des Fußball-Feldes hat Merk, der bei der WM 2006 unbedingt ein Spiel im Lauterer Fritz-Walter-Stadion leiten möchte, am 20. Oktober. An der Freien Universität (FU) in Berlin ist der Schiedsrichter als Nachfolger des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker als Festredner bei der Immatrikulationsfeier engagiert worden. "Das ist natürlich eine große Ehre, darauf freue ich mich sehr. Aber ich werde natürlich nicht über Politik oder Wirtschaft reden, sondern etwas aus dem Leben erzählen", berichtete der Familienvater.

Neues hat Merk auch vom Schiedsrichterwesen zu berichten. Von Montag bis Mittwoch verweilte das FCK-Ehrenmitglied in der Schweiz, wo er zu Gesprächen mit der Schiedsrichter-Kommission und der Uefa-Exekutive zusammentraf. Dabei wurde deutlich, dass der geplante Schiri-Austausch in den europäischen Top-Ligen offenbar kein Thema mehr ist. "Das Thema ruht im Moment komplett. Ich komme gerade aus Genf von der Sitzung und dort war dies kein Diskussionspunkt. Es wäre auch schwierig, das durch alle Gremien zu kriegen. Und da der Ball schon wieder rollt, sehe ich für diese Saison keine Chance mehr", meinte Merk.

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