Medienkonzern Hollinger Lord Nimmersatt

Privatflug nach Bora Bora, verschwenderische Geburtstagspartys: Dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden des Zeitungskonzerns Hollinger, Conrad Black, wird Veruntreuung von Firmengeldern vorgeworfen. Jetzt verlangt das Unternehmen 1,2 Milliarden Dollar Schadenersatz.

New York - Im November 2003 war Black als Vorstandsvorsitzender von Hollinger International, einem der größten Zeitungskonzerne weltweit, zurückgetreten. Damals war ihm vorgeworfen worden, acht Millionen Dollar für private Zwecke verwendet zu haben. Jetzt veröffentlichte eine Kommission unter der Leitung von Richard Breeden, ehemaliger Vorsitzender der US-Börsenaufsicht SEC, genaue Untersuchungsergebnisse.

Luxus, private Exzesse, Vetternwirtschaft: Der Untersuchungsbericht schildert auf über 500 Seiten peinliche Vorwürfe. 23 Millionen Dollar habe Hollinger für private Flüge der Blacks bezahlt, darunter eine Reise nach Bora Bora. Für die Geburtstagsfeier seiner Frau in einem New Yorker Edelrestaurant habe Black der Firma knapp 43.000 Dollar in Rechnung gestellt. Drei Abendessen für den ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger und seine Frau habe sich die Firma 28.480 Dollar kosten lassen.

Blacks Frau Barbara Amiel, eine bekannte Journalistin, habe jährlich 1,1 Millionen Dollar im Jahr verdient, ohne dafür etwas zu tun. Und auch die Tochter von Radler, die mit einem Gehalt von 38.000 Dollar bei der "Jerusalem Post" arbeitete, habe eine Gehaltserhöhung auf 62.000 Dollar bekommen.

400 Millionen Dollar in sieben Jahren

Black und sein langjähriger Geschäftspartner Franklin Radler wird vorgeworfen, sich den gesamten Gewinn des Konzerns aus sieben Jahren unter den Nagel gerissen zu haben, insgesamt 400 Millionen Dollar. Hollinger verlangt nun von Black und anderen Managern insgesamt 1,2 Milliarden Dollar Schadenersatz.

Blacks und Radlers Holdingfirma Ravelston reagierte empört auf die Vorwürfe der Untersuchung. Diese bestehe aus "übertriebenen Behauptungen und kompletten Lügen". Mehr als 25 Millionen Dollar seien für die Untersuchung verschwendet worden. Die Verdienste der Beschuldigten würden mit Füßen getreten.

Doch die Untersuchung kritisiert nicht nur die beiden Ex-Chefs: Der Aufsichtsrat sei unfähig gewesen, die "systematische Plünderung zu verhindern".

Das Versagen des Bush-Beraters

Das Versagen des Bush-Beraters

Auch ein Berater von US-Präsident Bush steht in der Kritik: Richard Perle, früher einflussreicher Verteidigungsexperte der US-Regierung, sitzt aktuell im Aufsichtsrat von Hollinger.

Laut Breeden hat Perles Investmentfirma vor einigen Jahren Geld von Hollinger erhalten. Die Kommission fordert von Perle die Rückzahlung von 5,4 Millionen Dollar. Denn er habe "seine eigenen Interessen über die von Hollinger gestellt" und "seine Pflicht abscheulich vernachlässigt". Das habe die Ausbeutung erst ermöglicht. Von der Kommission zu den Vorwürfen befragt, hatte Perle zugegeben, viele der unterschriebenen Dokumente gar nicht erst gelesen zu haben.

Black hatte Hollinger 1979 gegründet und wurde zu einem der größten Medienmogule weltweit. Mitte der Neunziger kontrollierte der Konzern weltweit über 400 Zeitungen wie die "Chicago Sun-Times" oder die "Jerusalem Post". 2001 ernannte die englische Königin Black zum Lord.

Hollinger International hatte vor wenigen Monaten die englische Telegraph Gruppe für 1,3 Milliarden Dollar an die schottischen Medienunternehmer David und Frederick Barclay verkauft. Auch der Axel Springer Konzern hatte sich für den Anteil interessiert. Die Gruppe stand zum Verkauf, nachdem Black unter dem Vorwurf finanzieller Unregelmäßigkeiten zurückgetreten war.

Daniel Rettig

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