Siemens Abgang in China

Erst ging der Auftrag für den ersten Hochgeschwindigkeitszug in der Volksrepublik nach Japan. Jetzt geht Ernst Behrens, Siemens-Landeschef in China. Mit der angeblichen Schlappe bei der Vergabe milliardenschwerer Bahnaufträge habe der Wechsel aber nichts zu tun, versichert der Industriekonzern.

München - Siemens  wechselt die Spitze seiner chinesischen Landesgesellschaft aus, schließt einen Zusammenhang mit der angeblichen Schlappe bei der Vergabe milliardenschwerer Bahnaufträge aber strikt aus.

Ab Januar werde Richard Hausmann, bislang zuständig für das Konzerngebiet Computertomographie, in China die Leitung übernehmen, sagte ein Siemens-Sprecher am Mittwoch und bestätigte damit einen Vorabbericht des Magazins "Wirtschafswoche". Der 45-jährige Physiker löse Ernst Behrens ab, der seit 1997 Chef der Landesgesellschaft war.

Die "Wirtschaftswoche" berichtete weiter, der 56-jährige Behrens habe sich bei Siemens-Chef Heinrich von Pierer unter anderem im Zusammenhang mit der Handy-Strategie des Konzerns in China unbeliebt gemacht. Die Münchener hatten zuletzt eine umfangreiche Vermarktungs- und Entwicklungspartnerschaft mit dem lokalen Handyhersteller Ningbo Bird geschlossen. Kritiker befürchten, die Chinesen könnten von der Kooperation weitaus stärker profitieren als Siemens.

Sieben Jahre sind genug

"Das mit den Handys oder Bahnaufträgen in Zusammenhang zu bringen, ist einfach nicht richtig", dementierte der Siemens-Sprecher. Der Schritt sei zudem schon Anfang August intern angekündigt worden. Behrens sei nun sieben Jahre auf dem Posten, in der Regel würden Landeschefs bereits nach fünf Jahren ausgewechselt.

Vor wenigen Tagen hatte die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, drei Konsortien um Kawasaki Heavy Industries, Bombardier  und Alstom  hätten den milliardenschweren Zuschlag für die Lieferung von Hochgeschwindigkeitszügen im Osten Chinas erhalten. Siemens hatte sich zu der Vergabe nicht geäußert.

Der Münchener Technologiekonzern hat aber erst kürzlich eine Wachstumsinitiative für China ausgerufen und dabei auch auf Aufträge für seine zuletzt gebeutelte Bahntechnik-Sparte gehofft. Diese quält sich seit Monaten mit Qualitätsproblemen bei den Trambahnzügen vom Typ Combino. Hierfür wurden bereits über 300 Millionen Euro zurückggestellt.

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