Karriere Alumni go online

Der Netzwerkgedanke gewinnt auch an Hochschulen zunehmend an Bedeutung. Geisteswissenschaftler liegen jedoch weit hinter den Wirtschaftswissenschaftlern zurück. Onlineplattformen erleichtern hierbei die nationale sowie internationale Kommunikation und machen unnötige Hürden wie Mitgliedsbeiträge und Versandkosten überflüssig.

Mannheim/Berlin - Der Netzwerk-Gedanke hat seit Mitte der 90er Jahre auch die deutschen Universitäten erreicht. In Alumni-Organisationen bieten sich für ehemalige Kommilitonen unter anderem Möglichkeiten zur Kontaktpflege und Weiterbildung. Auch die Universitäten profitieren, weil aus den Ehemaligen oftmals Sponsoren, Mentoren oder Referenten werden. Ohne das Internet jedoch wäre dieser Austausch kaum möglich. Die Webseiten sind Dreh- und Angelpunkt der Alumni.

Als "Alumni" werden Absolventen einer Hochschule oder ähnlichen Bildungseinrichtung sowie ehemalige Stipendiaten einer Förderorganisation bezeichnet. "Die Wirtschaftswissenschaften waren Ende der 80er Jahre Vorreiter in Sachen moderne Alumni-Arbeit", sagt Oliver Figur, Geschäftsführer des Vereins www.alumni-clubs.net , dem Verband der Alumni-Organisationen im deutschsprachigen Raum in Mannheim. Mitte der 90er Jahre habe es dann eine Gründungswelle von hochschulweiten Netzwerken gegeben. Es gelte aber noch immer: "Generell vernetzen sich eher die Techniker als die Schöngeister."

Mehr als 500 Alumni-Clubs gegründet

Der Internetauftritt des Verbandes unter www.alumni-clubs.net ist vor allem Plattform für die Kommunikation und Kooperation von Alumni-Organisationen untereinander. Derzeit sind dem Verband zufolge rund 250 Netzwerke offiziell registriert, zu mehr als 300 weiteren besteht Kontakt. Im öffentlich zugänglichen Bereich von alumni-clubs.net kann jeder nach einem Ehemaligen-Netzwerk seiner Bildungseinrichtung suchen oder nach einem überregionalen Netzwerk wie dem für ehemalige Stipendiaten des Deutschen Akademischen Austauschdienstes www.daad.de/alumni .

Das Alumni-Netzwerk der Universität Mannheim www.absolventum.de  gilt als vorbildlich und wurde mehrfach für seine Arbeit ausgezeichnet. Auf der Webseite kann man sich über Absolventenfeiern, Veranstaltungen von Regionalgruppen und Weiterbildungsmöglichkeiten an der Universität informieren. Zudem gibt es ein Forum und einen Career-Service als Schnittstelle zwischen Studenten, Absolventen und Unternehmen.

Erfolgreiche Verbindungen entstehen nur durch persönlichen Kontakt

Kristina Zerges ist Leiterin des Referates für Presse und Information der Technischen Universität (TU) Berlin und Projektmanagerin des nationalen Alumniprogramms der TU. "Ehemalige können sich bei uns persönlich oder über www.tu-berlin.de/alumni  anmelden". Ein Verein sei nicht gegründet worden, weil die Erfahrungen anderer Universitäten zeigten, dass der Mitgliedsbeitrag oft eine unnötige Hürde darstelle.

Aus Gründen der Imagepflege lohnt sich auch für die Universität ein guter Kontakt zu den Ehemaligen, sagt Zerges. "Außerdem bringen sie das Wissen aus der Praxis zu uns zurück, durch Vorträge, durch Übernahme von Patenschaften oder beispielsweise durch Begutachtung von Entwicklungsplänen von Fakultäten auf ihre Praxistauglichkeit."

Der Alumni-Online-Bereich der TU Berlin gliedert sich, wie bei vielen anderen große Universitäten auch, in einen nationalen und in einen internationalen Teil. Wer sich als Ehemaliger registrieren lässt, bekommt unter anderem eine kostenlose E-Mail-Adresse, eine Bibliothekskarte und Vergünstigungen für Hochschulsport und Fortbildungen. Die zentrale Alumni-Organisation kooperiert mit weiteren, an den Fakultäten angesiedelten Alumni-Initiativen.

Der Hauptvorteil des Internets für die Alumni-Arbeit ist laut Oliver Figur die schnelle und kostengünstige Kommunikation. "Langfristig erfolgreiche Verbindungen ergeben sich aber nur durch persönlichen Kontakt." Besonders, wenn Ehemalige die Hochschule unterstützen sollen, sei es wichtig, dass man sich kenne.

Alle zwei Jahre findet an der Universität Freiburg ein dreitägiges Alumni-Treffen mit Sommerball und rund 80 Veranstaltungen in allen Fakultäten statt. Im Juli kamen rund 1500 Ehemalige, auch Mitglieder der Alumni-Clubs in Asien und Südamerika. Rudolf Dreier, Pressesprecher und ehrenamtlicher Geschäftsführer von Alumni Freiburg www.alumni.uni-freiburg.de , und seine Kollegen hatten vorab Tausende von Einladungen verschickt. Ohne das Internet wäre das weder finanziell noch zeitlich machbar gewesen, so Dreier.

"Neben den Angeboten unserer Freiburger Akademie für wissenschaftliche Weiterbildung wird ab Januar das Weiterbildungsprogramm von alumni-net-live über das Internet laufen", sagt Dreier. Die Mitglieder sollen zudem bald Vorträge als Videos herunterladen können.

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