Hafen Rotterdam Direktor erleidet Schiffbruch

Dem weltgrößten Hafen droht ein finanzielles Fiasko. Nach einem geplatzten U-Boot-Deal fehlen 100 Millionen Euro, für die Hafendirektor Wim Scholten ohne Wissen des Aufsichtsrates gebürgt hatte. Das Bankenkonsortium um die deutsche Commerzbank fordert die Summe zurück, Scholten muss gehen.

Rotterdam - Der Chef der Hafengesellschaft von Rotterdam, Wim Scholten, ist mit sofortiger Wirkung fristlos entlassen worden. Er soll auf eigene Faust eine Bürgschaft über 100 Millionen Euro für Bankdarlehen an die Rotterdamer Werft Gesellschaft RDM-Technology (Rotterdamse Droogdok Maatschappij) gegeben haben, teilte Präsident Wim van Sluis vom Aufsichtsrat der Hafengesellschaft am Montag mit.

Einem Bericht der "Welt" zufolge steht der Hafen damit gegenüber zahllosen Banken, unter ihnen auch die Commerzbank , in der Kreide. Die Garantien habe Scholten ohne Wissen der anderen Direktoren, des Aufsichtsrats oder der Rotterdamer Stadtverwaltung gegeben, erläuterte van Sluis bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz.

Der Skandal flog auf, als zwei Banken das Geld von der Hafengesellschaft einforderten, da RDM in Zahlungsschwierigkeiten geriet. Scholten sah sich nun gezwungen, den Hafen-Aufsichtsrat zu unterrichten. Jetzt soll geprüft werden, ob der Direktor wegen Untreue und Urkundenfälschung angeklagt werden kann.

Nach eigenen Worten wollte Scholten mit dem Darlehen den Interessen des größten europäischen Hafens dienen. Jedoch wurde er Opfer politischer Spannungen. Vor einigen Jahren beauftragte Taiwan RDM mit dem Bau mehrerer U-Boote. Auf Druck Pekings verbot die Haager Regierung den Export der Schiffe. Der Großauftrag platzte. Scholten hatte die politische Tragweite unterschätzt.

Dabei gab es eindeutige Warnsignale. Bereits 1983 hatte es diplomatische Konflikte gravierenden Ausmaßes zwischen Den Haag und Peking gegeben, da die damalige niederländische Regierung einen ähnlichen Export zuließ. Die Konsequenzen mussten die niederländischen Unternehmen in China tragen, die fast geschlossen die Republik verlassen mussten. Auch der Botschafter wurde des Landes verwiesen.

Seitdem haben sich die Machtverhältnisse verändert. Heute wagt es die Haager Regierung nicht mehr, die blühenden Geschäfte der in China ansässigen niederländischen Firmen wie Philips, Shell, oder ING zu gefährden. Allein Philips erwirtschaftet derzeit in China Jahresumsätze von sieben Milliarden Euro.

Die Nachfolge Scholtens wird Hans Smits antreten, ehemals Leiter der Rabobank und Ex-Chef des Amsterdamer Flughafens Schiphol.

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