Familie Burda Doppel-F für Kunst und Kommerz

Als das Erbe des Verlagstycoons Franz Burda verteilt wurde, sicherten sich seine Söhne Frieder und Franz die lukrativen Firmenbeteiligungen. Hubert übernahm die riskante Verlagssparte. Während sich Franz nach einigen missglückten Geschäften aus dem öffentlichen Leben der Finanzwelt zurückzog, widmet sich Frieder heute der Kunst.
Von Karsten Langer

Hamburg - Das Erbe des Offenburger Großverlegers Franz Burda schien ungleich verteilt. Als die drei Söhne vor gut elf Jahren das Geschäft übernahmen, sicherten sich der Druckexperte Franz (72) und sein Bruder Frieder (68), ausgewiesener Finanzfachmann, die lukrativen Beteiligungen des Konzerns. Hubert (64) dagegen begnügte sich auf eigenen Wunsch mit der riskanten Verlagssparte.

Mit ihren Unternehmensbeteiligungen, die sie in der Holding F&F Burda zusammenfassten, mussten Franz und Frieder Burda in den 90er Jahren allerdings einige Schlappen einstecken. Mit ihren Pressegroßvertrieben und den Speditionen hatten sie dagegen weit mehr Erfolg.

Kurz nach dem Tod des Vaters verkauften die Brüder ihre 26-prozentige Beteiligung am Hamburger Springer-Konzern - gegen den Willen des Bruders Hubert, der noch bis 1994 vergeblich versuchte, gerichtlich ein Vorkaufsrecht zu erstreiten.

Mit dem Erlös in Höhe von knapp 350 Millionen Mark stiegen die beiden Brüder groß ins Papiergeschäft ein. So erwarben sie unter anderem die Mehrheit an den Dachauer Papierfabriken MD und dem Zellstoffproduzenten Technocell. "Die Renditen am Kapitalmarkt", rechtfertigte Frieder damals gegenüber manager magazin den Einstieg, "sind doch sehr bescheiden."

Kein Glück mit den Industriebeteiligungen

Alex Katz: Scott und John, Öl auf Leinwand 1966

Alex Katz: Scott und John, Öl auf Leinwand 1966

Foto: VG-Bildkunst, Bonn
Anselm Kiefer: Böhmen liegt am Meer, Öl, Acryl, Emulsion, Schellack auf Rupfen 1995

Anselm Kiefer: Böhmen liegt am Meer, Öl, Acryl, Emulsion, Schellack auf Rupfen 1995

Foto: Sammlung Frieder Burda
Gerhard Richter:Kerze, Öl auf Leinwand 1982

Gerhard Richter:Kerze, Öl auf Leinwand 1982

Foto: Sammlung Frieder Burda
Mark Rothko: Black Stripe, Öl auf Leinwand 1958

Mark Rothko: Black Stripe, Öl auf Leinwand 1958

Foto: Sammlung Frieder Burda

Die Beteiligungen erwiesen sich jedoch als Flop. Technocell musste wegen technischer Schwierigkeiten Konkurs anmelden und ging komplett verlustig. Noch Mitte der 90er Jahre mussten die Burda-Brüder zehn Millionen Mark an die Gläubiger nachschießen.






Werke aus der Sammlung Frieder Burda
Bitte klicken Sie einfach auf ein Bild,
um zur Großansicht zu gelangen.

Wenig Glück hatten F&F Burda auch mit der MD Papier GmbH, die nach mehrjährigen vergeblichen Bemühungen nicht in die Gewinnzone kam und Ende 1995 nach Finnland verkauft wurde. Das erklärte Ziel ihrer Holding, Investitionen in "zukunftsträchtige und technologieorientierte Aktivitäten" zu tätigen, hatte wenig Erfolg.

Bereits 1988 beteiligten sich die beiden an der neugegründeten Airline German Wings. Der Carrier sollte der Lufthansa Paroli bieten. Doch die grau-weiß-rosa gestrichenen Maschinen flogen nur einen Sommer. Im Mai 1990 musste die Gesellschaft Konkurs anmelden.

Finanzmann Frieder reagierte gelassen auf die Malaise: "Wenn man in einem mutigen Investment Geld verliert, muss man damit leben können", sagte er dem manager magazin. Denn auf der anderen Seite machten die Brüder Burda auch gute Geschäfte. So verkauften sie erst kürzlich den österreichischen Pressegroßvertrieb (PGV) in Salzburg an den Konsumgüterhandelskonzern Valora zu einem nicht genannten Preis. PGV betreut hauptsächlich deutsche Verlage und beliefert sämtliche Presseverkaufsstellen in Österreich. Das Unternehmen erzielt einen jährlichen Umsatz von rund 100 Millionen Euro.

"Ich wollte meinem Vater zeigen, wie verrückt ich bin"

"Ich wollte meinem Vater zeigen, wie verrückt ich bin"

Finanzielle Sorgen müssen sich die beiden Verlegererben also nicht machen, sie verfügen über ein stattliches Vermögen. Auf die finanziellen Niederlagen der Vergangenheit reagieren sie jedoch unterschiedlich.

Während sich Franz aus der Öffentlichkeit der Finanzwelt zurückzieht, kauft sich Frieder ein Segelschiff und bereist die Weltmeere. Aber auch das befriedigt ihn nur bedingt. "Ich habe auf diesem Schiff keinen einzigen glücklichen Tag verbracht", gesteht er später in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Also besinnt er sich auf die kulturellen Tugenden seines Elternhauses und investiert in seine Leidenschaft: die Kunst. Schon Burda senior war von der Kunst seiner Zeit besessen. Zu seiner Sammlung gehören umfangreiche Werkkomplexe von bedeutenden deutschen Expressionisten wie etwa Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner, Wilhelm Lehmbruck und August Macke. Auch Teile aus dem Spätwerk Picassos, das lange Zeit umstritten war und heute als letzter Höhepunkt weltweit hoch geschätzt wird.

"Meine wirklichen Immobilien hängen an der Wand"

"Der Funke des Sammelns ist von meinen Eltern auf mich übergesprungen", bekannte Burda anlässlich seiner Nominierung zum Art-Cologne-Preis 2002. Ursprünglich wollte er sich mit seiner Leidenschaft von seinem Vater absetzen. 1968 kauft Frieder sein erstes Bild, ein avantgardistisches Werk von Lucio Fontana. "Ich war damals 32 und wollte meinem Vater zeigen, wie verrückt ich bin", so Burda. Der Senior reagierte jedoch ganz anders als erwartet. Für "nicht uninteressant" hielt er das Werk, auch wenn es nicht auf seiner Linie lag.

"Meine wirklichen Immobilien hängen an der Wand", sagt Frieder Burda heute. Damit dürfte er Recht haben. Einen Schwerpunkt seiner Sammlung bildet der amerikanische abstrakte Expressionismus mit Werken von Jackson Pollock, Willem de Kooning und Mark Rothko. Auch Gerhard Richter, Georg Baselitz, Arnulf Rainer und Sigmar Polke sind in Burdas Sammlung stark vertreten. Allein die Werke von Richter dürften weit über 20 Millionen Euro wert sein.

An einer Heimat für Burdas Sammlung wird derzeit fleißig gewerkelt. Am 23. Oktober soll in Baden-Baden vis-à-vis zur alten Kunsthalle und in Sichtweite zur Holding-Zentrale der luzide Entwurf des New Yorker Stararchitekten Richard Meier eröffnet werden. Kostenpunkt: 20 Millionen Euro, bezahlt aus der Privatschatulle des Mäzens.

Alles, was Burda an Kunstwerken zusammengetragen hat, wird dereinst in den Besitz der Öffentlichkeit gehen. Denn der kinderlose Mäzen hat die Sammlung und das Museum testamentarisch einer gemeinnützigen Stiftung vermacht. "Das Leben mit der Kunst hat mich glücklich gemacht", bekennt ein abgeklärter Frieder Burda. Den Bürgern der Stadt Baden-Baden wolle er etwas zurückgeben, weil er viel von ihnen bekommen habe.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.