Infineon "Ziebart ist nicht so ein Egomane"

Viel Zeit bleibt Wolfgang Ziebart nicht: Kaum im Amt, hat der neue Infineon-Chef ein gerüttelt Maß an Problemen zu lösen. Die DRAM-Sparte ist das Problemkind, die Automobil- und Industrieelektronik soll expandieren. Vor allem muss der Halbleiterhersteller profitabler werden.

München - Beim Halbleiterhersteller Infineon  hat der neue Chef Wolfgang Ziebart die Führung übernommen. Fünf Monate nach dem überstürzten Rückzug von Ulrich Schumacher trat der ehemalige Continental-Manager am Mittwoch sein Amt als Vorstandsvorsitzender in München an. Der 54-jährige Ziebart soll Infineon profitabler machen.

"Ziebart wird eine Menge Erwartungen erfüllen müssen", sagte Infineon-Aufsichtsrat Dieter Scheitor von der IG Metall. Denn nach Milliardenverlusten in den vergangenen Jahren verdient Infineon nach Einschätzung von Analysten und Anteilseignern im Vergleich zur Konkurrenz zu wenig Geld. Die Arbeitnehmer wiederum fordern, dass Ziebart die Profitabilität verbessert, ohne die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland voranzutreiben. Da wichtige Entscheidungen anstehen, bleibt dem früheren Conti-Vize nur wenig Zeit, sich in die neue Branche einzufinden.

Der promovierte Maschinenbau-Ingenieur Ziebart hatte ab 1977 bei BMW  Karriere gemacht. Vom Trainee arbeitete er sich hoch zum Elektronikchef, Leiter der 3er-Baureihe und im Jahr 2000 schließlich zum Vorstand für Forschung, Entwicklung und Einkauf. Schon ein Jahr später, nach dem Rover-Debakel, musste Ziebart seinen Posten allerdings wieder räumen. Der Manager wechselte zum Autozulieferer Continental  in seine Heimatstadt Hannover, wo er die Sparte Automobilelektronik leitete und schließlich stellvertretender Vorstandschef wurde.

"Wir geben Ziebart eine Chance"

In die wichtigsten Entscheidungen der vergangenen Wochen und Monate war der 54-jährige Ziebart bereits eingebunden. Im Unternehmen hat er dabei einen guten Eindruck gemacht. "Er hat großes technisches Verständnis und eine kollegiale Art", sagt ein Infineon-Manager.

Der zurückhaltende Ziebart ist ein Gegenstück zum Ende März abgelösten Ulrich Schumacher. "Ziebart ist sicher nicht so ein Egomane. Er ist kein Glamour-Mann, sondern ein hart arbeitender Manager", erkennt auch Aufsichtsrat Scheitor an. Der schillernde Schumacher hatte die IG Metall unter anderem mit der Verlagerung von Konzernfunktionen ins Ausland, radikalem Stellenabbau und der Suche nach so genannten Schwachleistern gegen sich aufgebracht. Dem neuen Mann an der Spitze will die Gewerkschaft eine Chance geben: "Trotz mangelnder Kompetenz der Führungsspitze in der Vergangenheit ist das Vertrauen der Beschäftigten in die Zukunftsfähigkeit von Infineon groß und deshalb besteht auch eine große Leistungsbereitschaft."

Bei Infineon wird Ziebart laut früheren Ankündigungen die bisherige Strategie weiterverfolgen: Nach Milliardenverlusten hatte Infineon mit hartem Sparkurs und Restrukturierungen die Wende eingeleitet. Sorgensparten des Konzerns sind das Kerngeschäft Speicherchips und die drahtgebundene Kommunikation. Das Geschäft mit der Automobilelektronik läuft dagegen gut.

Die Zeit drängt

Die Zeit drängt

Im Ende Juli abgelaufenen zweiten Quartal stürzte Infineon überraschend wieder in die roten Zahlen. Grund waren drohende Millionenzahlungen in einem US-Rechtsstreit. Für das Gesamtjahr 2004 peilt Infineon ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von rund 500 Millionen an.

Die IG Metall forderte, Infineons Entwicklungsabteilungen auszubauen, um mit mehr eigenen Innovationen Standards zu setzen. Bisher sei der Konzern nur mit einigen Produkten Marktführer. "Mit Standardprodukten auf Massenmärkten gewinnt man keine Zukunftsfähigkeit", heißt es in einer Mitteilung der Gewerkschaft.

"Das Unternehmen hat noch nicht die Gewinne gemacht, die man in einem Branchenaufschwung erwartet", sagt Theo Kitz, Infineon-Analyst bei Merck Finck. In den fetten Jahren müssten die Chipkonzerne ihre Verluste aus den Vorjahren ausgleichen. Im Gegensatz zu Infineon würden die Konkurrenten wie Samsung  und Hynix  derzeit dicke Gewinne machen. Viel Zeit für große Veränderungen habe Ziebart allerdings nicht. "Wir sind schon ziemlich spät im Aufschwung." Einige Experten befürchten bereits 2005 wieder Überkapazitäten in der schwankungsanfälligen Branche.

Probleme mit der DRAM-Sparte

Handlungsbedarf besteht vor allem in der Speicherchipsparte bei Infineon. Das Geschäft mit den DRAMs war in den vergangenen Jahren für die Milliardenverluste verantwortlich. Schumacher hatte daher intensiv eine Abspaltung der Speichersparte geprüft. Die Pläne dafür sind aber mittlerweile vom Tisch. An der Entscheidung für das Festhalten an den DRAMs war Ziebart bereits beteiligt. Weiter ausbauen dürfte Ziebart die margenstarke Sparte Automobil- und Industrieelektronik - nicht nur, weil er vom Autozulieferer Conti zu Infineon kam.

Durch einen weiteren Ausbau könnte die Abhängigkeit vom Speichergeschäft reduziert werden. "Es ist klar, dass die Autoelektroniksparte künftig sicher nicht mit weniger Geld auskommen muss", sagt ein Infineon- Manager mit Blick auf den neuen Vorstandsvorsitzenden.

Mit Ziebarts Amtsantritt nimmt der Interims-Vorstandschef Max Dietrich Kley wieder seine Aufgaben als Vorsitzender des Aufsichtsrates wahr. Kley hatte Infineon seit Ende März kommissarisch geleitet, nachdem der langjährige Chef Schumacher überraschend gegangen war.

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