Josef Buchmann Wolkenkratzer und Landschaftspfleger

Er wurde von den Nazis ins KZ verschleppt, von den Alliierten befreit und stieg mit ein paar Pfennigen Startkapital zum Immobilien-Milliardär auf. Noch mit über 70 Jahren rastet Josef Buchmann nicht, sondern feilt an seinem Lebenswerk.
Von Martin Scheele

Frankfurt am Main - Das Erste was man von weitem sieht, sind die Bankentürme. Kaum etwas anderes prägt die Skyline dieser Metropole so sehr wie die Giganten aus Stahl und Glas. Die Symbole der Finanzkraft und Zeichen wirtschaftlicher Potenz markieren den Aufstieg der ältesten Handelsstadt Deutschlands zum bedeutendsten Wirtschaftszentrum des Kontinents. Willkommen in Mainhattan.

Ein paar Kilometer nordwestlich vom Bankenzentrum. Hier hat der Mann sein Büro, der diese Skyline maßgeblich mit geprägt hat. Sein Name: Josef Buchmann. Sein Alter: 73 Jahre. Sein Beruf: Immobilienmakler. Seine Lebensgeschichte: schier unglaublich.

Buchmanns Wirkungsstätte hat wenig gemein mit der Atmosphäre der modernen Bankentürme, dem Glanz und Gloria von Frankfurt Downtown. Buchmanns Arbeitsbereich atmet laut der Beschreibung von Besuchern Gediegenheit und wohnlich-familiäre Stimmung. Dunkle englische Möbel, wenig Glas, kein Stahl, kein Marmor. Keine Spur vom modernen Purismus.

Startkapital vom Brauerei-Gesellschafter

Vielleicht holt sich der gebürtige Pole mit dieser Umgebung die Wärme zurück, die ihm in seiner schrecklichsten Lebensphase geraubt wurde. Die Jahre, in denen Deutschland von den Nazis regiert wurde, die Jahre, in denen der Mann jüdischen Glaubens ins KZ Bergen-Belsen verschleppt wurde. Eine Zeit, über die der Immobilienkaufmann nur ungern spricht.

Irgendwie überlebte er die grauenhafte Epoche, strandete als heimatloser Jugendlicher im zerbombten Frankfurt, nachdem alliierte Truppen Bergen-Belsen befreit hatten. Die Stadt sollte seine Heimat werden, sein Zuhause. Und er sollte ein Teil von Frankfurt werden. Eine nicht immer konfliktfreie Verbindung entsteht.

Anfang der 50er Jahre eröffnet Buchmann im Frankfurter Bahnhofsviertel ein Etablissement namens "New York City Bar". Das Geld, das er dafür braucht und selbst nicht hat, bekommt er von dem damaligen Gesellschafter der Henninger Brauerei, Bruno H. Schubert. Weiteres Startkapital erhält er mit einem Kredit von der Hessischen Landesbank. Damit entsteht das "Imperial", ein Varieté, in dem Josephine Baker oder Marika Rökk auftreten.

Richtig in Fahrt kamen seine Geschäfte, als er die Bekanntschaft mit Direktoren von Shell  machte. Für den Mineralölkonzern baute er 1965 einen 110 Meter hohen Wolkenkratzer am Nibelungenplatz im Frankfurter Nordend. Gegen so manche Widerstände boxte der Mann mit dem massigen Körper das Vorhaben durch. Dabei verfuhr der clevere Immobilienkaufmann nach einem durchaus bekannten Geschäftsmuster: Er verteilte Gelder an Parteien. "Ich habe der SPD genauso gespendet wie der CDU", sagte Buchmann gegenüber der "Frankfurter Rundschau" (FR).

Wo Erfolg ist, sind Sozialneider nicht weit

Meide die Öffentlichkeit

Irgendwann wabern hässliche Gerüchte durch die Bankenmetropole: Buchmann würde mit dem Rotlichtmilieu zu tun haben, mit Bordellen, Prostitution, heißt es. Ausgangspunkt dieser Spekulationen ist eine Bürgschaft Buchmanns für einen stadtbekannten Bordellbetreiber. "Ich habe ihn schon als Kind kennengelernt", sagte Buchmann der "FR".

Die hässlichen Gerüchte sind das eine, das andere ist: Nie gab es eine Anklage, nie eine Verurteilung. Bekannte Buchmanns sagen: Wo Erfolg ist, sind Sozialneider nicht weit. Fast belustigt erinnert sich der Kaufmann in einem Interview mit der "FR", dass einmal 20 Kriminalbeamte sein Büro durchsuchten - und nichts fanden.

Buchmann spielt zu dieser Zeit, Anfang der 90er Jahre, mit dem Gedanken, Deutschland zu verlassen und auszuwandern. Nach Israel, denn "die Vorwürfe haben mich sehr getroffen", sagt er. Er entscheidet sich zu bleiben.

Die Spekulationen dürften ihn aber in einem bestätigt haben: Meide die Öffentlichkeit so weit wie es geht. Darin war er eigentlich schon Meister. Introvertiert, vorsichtig, ja misstrauisch, so beschreiben ihn Bekannte. Ein Mann, der schwer aus der Reserve zu locken ist, der sich bisweilen einmauert.

"Ich brauche meine Arbeit"

Seine Ruhe findet der allein Lebende beim Schwimmen. Beim Abtauchen in seinem Privat-Pool entspannt er sich, sammelt Kräfte. Auch sonst lebt er äußerst gesund, geht früh ins Bett, trinkt nicht, raucht nicht. "Ein Mann, dem man sein Alter nicht ansieht", sagen Buchmann-Kenner anerkennend.

Mit einem kann der Frankfurter herzlich wenig anfangen: mit dauerhafter Freizeit. "Ich brauche meine Arbeit", diktierte er einem Journalisten der "Frankfurter Rundschau" einmal in dessen Notizbuch. Und so kommt es, dass der rastlose Immobilienmakler ein Bauvorhaben nach dem anderen anschiebt.

Dazu gehört beispielsweise das Nordwest-Zentrum, ein 90.000 Quadratmeter großes Einkaufszentrum, dessen Erweiterungsbau am 28. September eröffnet werden soll. "Eine Shopping-Mall, wie es sie in Deutschland nicht noch mal gibt", behauptet Buchmann. 34.000 Quadratmeter der Gesamtfläche werden als Verkaufsfläche genutzt, der Rest zur Nutzung als Parkdeck.

"Der hilft, wo er nur kann"

Finanzielle Unterstützung für Krankenhäuser

Es hebt außerdem das Ansehen Buchmanns, dass er sich in die großen Mäzene der Stadt eingereiht und tief in seinen Geldbeutel gegriffen hat, um Spielplätze zu spendieren, Kinderhilfseinrichtungen zu unterstützen oder Doktoranden und Künstler großzügig zu fördern.

"Der hilft sofort, wo er nur kann", erzählt ein Bekannter Buchmanns. Allerdings nicht bedingungslos. "Was geben die anderen, wer ist der Träger?" - Buchmann will wissen, ob sein Geld auch gut angelegt ist.

Auch in Tel Aviv hilft er, wo er nur kann, bevorzugt werden Krankenhäuser finanziell unterstützt. Darüber hinaus trägt die Juristische Fakultät der Universität Tel Aviv seinen Namen - ein Zeichen des Danks für die tatkräftige Unterstützung.

Doch selbst bei öffentlichen Ehrungen hält sich der Immobilienkaufmann vornehm zurück. Und die versammelten Journalisten stürzen sich lieber auf andere Vertreter der lokalen Prominenz - wie den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch oder den ehemaligen Vizechef des Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel Friedman, und dessen Ehefrau Bärbel Schäfer.

Buchmann dagegen verschränkt die Arme, lächelt nur. Dabei hat er im Gegensatz zu vielen anderen, denen der Medienhype nur kurzfristig Aufmerksamkeit schenkt, etwas Dauerhaftes, Bleibendes geschaffen. Seine steinernen Denkmäler leuchten im Abendhimmel der Main-Metropole und symbolisieren die geballte Macht des Finanzzentrums.

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