Bier-Asketin "Ich lebe für die Firma"

Ulrike Freund ist Chefin und Besitzerin der Gold Ochsen Brauerei in Ulm. Vor sechs Jahren übernahm sie den Familienbetrieb von ihrem Vater, das Unternehmen floriert. Ob es einen weiblichen Führungsstil gibt? Charmant sein und bestimmt auftreten, sagt Freund und fügt hinzu: "Frauen sind vielleicht nicht ganz so risikofreudig."

Ulm - Bier trinken ist längst nicht mehr Männersache. Eine Brauerei leiten schon eher. "Höchstens eine Hand voll Frauen" besitzt oder leitet nach Einschätzung der Sprecherin des Deutschen Brauer Bundes, Birte Kleppien, eine der 1268 Brauerein in Deutschland.

Zu dieser Hand voll gehört Ulrike Freund. Die 49-jährige Geschäftsführerin der Gold Ochsen Brauerei  in Ulm führt das mittelständische Unternehmen, das seit 1868 in Familienbesitz ist, seit dem Tode ihres Vaters August 1998. "Ich bin da reingerutscht", sagt die gelernte Bankkauffrau. Ihre größte Aufgabe: "Das Erreichte bewahren und die 210 Arbeitsplätze für die Zukunft sichern".

Ihre Arbeitsstunden zählt Freund nicht. "Ich lebe für die Firma", sagt die groß gewachsene, blonde Frau. Der Job in einer Brauerei, die keine "Fernsehbiere" verkauft, ist hart: Gerade an der Landesgrenze zum Bierland Bayern tobt der Preiskampf, die Kosten für die Rohstoffe steigen, die Branche ist abhängig von der Witterung, auch vom allgemeinen Konsumklima.

Flüssiges Gold aus Ulm

"Trotz dieser Kämpfe konnten wir unsere Marktanteile in den vergangenen Jahren ausbauen", sagt Freund stolz. Sie verweist darauf, dass Gold Ochsen keine Handels- oder Fremdmarken abfüllt oder verstärkt expandiert hat. "Allein die Stärke unserer Marken hat dies bewirkt."

Ihre Kernregion umfasst den Umkreis 70 Kilometer um Ulm herum, doch auch im Schwarzwald und am Bodensee gibt es noch das "Ulmer flüssige Gold" zu trinken. Im Jahr 2003 hat die Gold Ochsen-Brauerei 300.000 Hektoliter Bier ausgestoßen.

In der Ulmer Traditionsbrauerei, deren Geschichte bis in das Jahr 1597 zurückgeht, werden zwölf Sorten gebraut. Neben Vollbier, Pils und Weißbier - auch alkoholreduziert und alkoholfrei - hat Freund vor fünf Jahren die beiden Trendbiere "OXX Lager" und "OXX White" in den Markt gebracht. Peppige Aufkleber und Ring-Zieh-Verschluss haben das leichte Lager und das naturtrübe Hefebier vor allem bei jungen Leuten beliebt gemacht.

"Wir nehmen uns Zeit"

"Wir nehmen uns Zeit"

Doch nicht der Trend bestimme das Geschäft, ist sich Freund sicher: "Wir brauen nach alten Rezepturen und nehmen uns Zeit - für eine kalte und lange Gärung und Lagerung aller unserer Biere", erläutert die Chefin.

Damit unterschieden sich die kleinen Brauereien von den großen Herstellern, deren Alkohol in einer Woche fertig sei. Um das Bier schnell und frisch zum Konsumenten zu bringen, bleibe die Brauerei ihrer Region treu.

Der Dienst am Konsumenten ist Freund jeden Einsatz wert. Oft ist sie am Wochenende bei Kunden, kümmert sich auch um Kleinigkeiten. "Wenn ein Kunde sagt: Frau Freund, unser Sonnenschirm ist kaputt, dann sorge ich dafür, dass er einen neuen bekommt", lacht sie. Ihr Ehemann, Jurist im öffentlichen Dienst, habe sich mit ihrem "beruflichen Engagement sehr gut arrangiert".

Bei Festen sticht Freund Fässer mit an, bei Restauranteinweihungen stellt sie sich neben die Besitzer fürs Pressebild auf. "Ich will dienen, glaubwürdig und in jeder Situation zuverlässig sein", zählt sie auf.

Ob es einen weiblichen Führungsstil gibt? Charmant sein und bestimmt auftreten, gehöre für sie dazu, sagt Freund. "Frauen sind vielleicht nicht ganz so risikofreudig", überlegt die 49-Jährige. Um sogleich zu betonen: "Das Wichtigste ist, Entscheidungen zu treffen und auch dazu zu stehen".

Heidi Ossenberg, dpa

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