Donnerstag, 27. Juni 2019

Roman Abramowitsch Das fliegende "Ritz Carlton"

Seitdem er den englischen Fußballerstligisten FC Chelsea in sein Portfolio aufnahm, kennt ihn die halbe Welt. Roman Abramowitsch kauft, was hohes Ansehen verspricht. Dabei vergisst der Milliardär nicht, sich mit Luxusgütern zu umgeben - wie einer kürzlich ausgebauten Boeing 767.

Hamburg - Heute milliardenschwer, geboren gut bürgerlich: Roman Abramowitschs Karriere zum steinreichen Ölmagnaten war keineswegs vorsehbar.

Roman Abramowitsch: Eigentümer des FC Chelsea
Der am 24. Oktober 1966 als einziges Kind jüdisch-ukrainischer Eltern Geborene verliert - gerade wenige Monate alt - seine Mutter, die an den Folgen einer illegalen Abtreibung stirbt. Als er drei ist, kommt sein Vater bei einem Arbeitsunfall ums Leben. Abramowitsch, der kurz nur "Roma" gerufen wird, wächst bei einem Onkel, einem Ölingenieur in der Ölprovinz Komi nahe des Polarkreises auf.

Er beginnt ein Studium am renommierten Moskauer Gubkin-Öl-und-Gas-Institut. Sein erstes Ziel, Ingenieur zu werden, erreicht er mit Leichtigkeit. Als sich nach der Perestroika Russlands Wirtschaft in Richtung Westen öffnet, wagt der 21-jährige Student den Gang in die Selbstständigkeit. Er gründet das Unternehmen Ujut, was zu Deutsch Gemütlichkeit heißt. Ujut stellt profane Dinge wie Gummienten und Fußbälle her. Der Einstieg in das Ölgeschäft beginnt, als er 1993 bis 1996 das Moskauer Büro des Schweizer Rohölhändlers Runicom leitet.

Mega-Yacht in Kleinformat: Die Brüder Dieter Fitz und Josef Fitz waren mit ihrer Spezialschreinerei am Innenausbau der "Pelores", eine der Yachten Abramowitsch, beteiligt
Als Abramowitsch in der Folge Boris Beresowskij kennen lernt, also Russlands Medienmagnaten schlechthin, ist seine Karriere nicht mehr aufzuhalten. Über eine Investorengruppe erwirbt das Duo für 100 Millionen Dollar den privatisierten Ölkonzern "Sibneft". Wie andere russische Oligarchen auch finden Abramowitsch und Beresowskij Unterstützung bei Staat und Banken. Mit Hilfe ihrer Geldhäuser geben die neuen Reichen nämlich dem Not leidenden Staat Kredite. Dafür werden sie alsbald Eigentümer von siechen Staatsunternehmen mit Perspektive: Die Oligarchen investieren in Telekommunikation, Fernsehen, Nickel oder Aluminium und Öl.

Beresowskij führt Lehrling Abramowitsch dann in die politische Oberschicht Russlands ein. Nach Stationen als Duma-Abgeordneter und Gouverneur der Halbinsel Tschukotka interessiert er sich zunehmend für Investitionen in Europa und landet im Juli 2003 mit dem Kauf des englischen Fuballl-Erstligsten FC Chelsea seinen medienwirksamsten Coup. Der Preis: 210 Millionen Euro.

Mit der Neigung, in die "Old Europe" zu investieren, deinvestiert er gleichzeitig in Russland. So verkauft er seine Beteiligung an der Fluggesellschaft "Aeroflot" und die Hälfte seiner Anteile an "RusAI", dem zweitgrößten Aluminiumkonzern. Seitdem erfährt die interessierte Öffentlichkeit auch zunehmend von seinem Hang, sich Luxusgüter zuzulegen.

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