Elite-Internate Kaderschmieden mit Karrieregarantie

Ferdinand Piech war da, Graf Anton von Faber-Castell und auch August Oetker - in anspruchsvollen Bildungsanstalten wie dem Schweizer Lyceum Alpinum oder Schloss Salem am Bodensee nehmen viele Karrieren ihren Anfang. manager-magazin.de stellt die exklusivsten Internate im deutschsprachigen Raum vor.

Zuoz/Salem - Das Lyceum Alpinum im schweizerischen Zuoz ist mehr als eine Schule. Es bildet eine kleine Stadt für sich.

Um das Hauptgebäude mit seinem Giebelturm schart sich ein Dutzend weiterer Häuser: Rektorat, Speisesaal, Bibliothek, Unterkünfte für Schüler, getrennt nach Alter und Geschlecht. Doch es sind vor allem die Sportanlagen, die einen Abkömmling des deutschen Schulwesens vor Neid erblassen lassen: Sechs Tennis- und zwei Fußballplätze stehen den Zöglingen zur Verfügung, außerdem ein Cricketfeld und ein Golfplatz. Skifahren ist ebenfalls möglich, und das auf allerhöchstem Niveau: St. Moritz liegt direkt um die Ecke.

Sport wird in dem Engadiner Elite-Internat groß geschrieben. Gunther Sachs, Ferdinand Piech und Graf Anton von Faber-Castell sind hier zur Schule gegangen. Doch wer mit einem Foto im Flur der Anstalt vertreten sein will, muss schon zu den Cricket-Cracks gehören.

Exklusiv wie die Uhren, diskret wie die Banken

"Sport trainiert das Einordnen in ein Team und die Rücksichtnahme auf Schwächere", sagt Georges Fäh, Admission Officer des hundertjährigen Lyceums. Tatsächlich müssen viele der 180 Internatsschüler diese Tugenden erst erlernen, denn sie haben Eltern, die mindestens 35.000 Euro pro Jahr für die Ausbildung ihrer Sprösslinge erübrigen können.

Traditionssport im Lyceum Alpinum: Cricket

Traditionssport im Lyceum Alpinum: Cricket

Malerisch: Das Institut auf dem Rosenberg in St. Gallen

Malerisch: Das Institut auf dem Rosenberg in St. Gallen

Tennis inklusive:Courts auf dem Rosenberg in St. Gallen

Tennis inklusive:Courts auf dem Rosenberg in St. Gallen

Ehrwürdig: Internat Luisenlund an der Schlei

Ehrwürdig: Internat Luisenlund an der Schlei

Foto: DPA






Elitäre Bildungsstätten
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Die Internate stehen in einer Reihe mit anderen Markenprodukten der Schweiz: exklusiv wie die Uhren, diskret wie die Banken. "Wir sind ein republikanisch geprägtes Land, in dem Prominente nicht von Fotografen umlagert werden", sagt Markus Fischer vom Verband Schweizerischer Privatschulen  in Bern. "Viele schicken ihre Kinder zu uns, damit sie in einem geschützten Rahmen heranwachsen können."

Besonderer Nachfrage aus Deutschland erfreuen sich jene Internate, die neben der Schweizer Matura und dem International Baccalaureate (IB) auch das deutsche Abitur als Abschluss anbieten. Dazu zählt neben dem Lyceum von Zuoz etwa das Institut auf dem Rosenberg in St. Gallen. "Unsere 250 Schüler kommen aus 35 Ländern", sagt dessen Leiterin Monika A. Schmid. "Deutsche bilden mit 50 Prozent die größte Gruppe."

"Wir sind etwas hierarchischer als andere"

"Wir sind etwas hierarchischer als andere"

Der "geschützte Rahmen" wird auf dem Rosenberg enger gezogen als in Zuoz. Namen prominenter Absolventen gibt man aus Prinzip nicht preis. Das Haus will auch Schülern "mit unkonventioneller Schulkarriere" zum Abschluss verhelfen. Entsprechend streng ist die Hausordnung. Die Jungs tragen Anzug und Krawatte. "Wir sind etwas hierarchischer als andere", sagt Schmid.

Während sich in Zuoz 180 interne mit 130 externen Schülern aus dem Umland mischen, bleiben die Rosenberger weitgehend unter sich. Für Kinder weniger betuchter Familien werden nur zwei bis fünf Teilstipendien pro Jahr vergeben.

Während man in der Schweiz den Begriff "Elite" eher aus Diskretion vermeidet, stößt er in Deutschland auf grundsätzliches Misstrauen. "Es gibt wenige Privatschulen, die sich dazu bekennen", sagt Bernhard Marohn vom Bundesverband deutscher Privatschulen (VDP)  in Frankfurt. Auch dann wird statt von Geld- lieber von Leistungs- oder Verantwortungselite gesprochen. Da der Vormittagsunterricht vom Staat gefördert wird, fallen aber für den Besuch eines deutschen Internats tatsächlich geringere Kosten an als in der Schweiz. Die Spanne reicht von etwa 7500 bis 27.500 Euro pro Jahr.

Zu den deutschen Elite-Internaten gezählt werden Schloss Stein unweit des Chiemsees, Louisenlund bei Schleswig oder der Birklehof im Schwarzwald, allen voran aber Schloss Salem am Bodensee, das auf prominente Ehemalige wie Golo Mann, Elisabeth Noelle-Neumann, Hildegard Hamm-Brücher, Eberhard von Kuenheim oder August Oetker verweisen kann. Die Schulgebühren liegen in Salem mit rund 25.000 Euro pro Jahr am oberen Ende der Skala. Aber Geld spiele bei der Aufnahme nicht die vordingliche Rolle, heißt es bei der Leitung. Rund ein Drittel der 670 Schüler werde mit Teilstipendien unterstützt.

Die Präsidententochter war ganz schnell wieder weg"

Auch sonst ist das Internat um Abgrenzung von der Schweizer Konkurrenz bemüht. Zwar werden in Salem wie in Zuoz und St. Gallen Urintests vorgenommen, um Drogensünder zu überführen und von der Schule zu verweisen. "Aber wir sind in erster Linie Pädagogen", sagt Sprecher Hartmut Ferenschild. "Statt auf Law and Order und Etikette wie viele Schweizer Internate setzen wir auf Mitbestimmung."

Noch immer ist in Salem der Geist der Reformpädagogik lebendig, in dem das Internat 1920 gegründet wurde. Mit Aktivitäten im Freien wie etwa Wanderungen durch die Wildnis mit schwerem Rucksack soll der zivilisatorischen Verzärtelung entgegengewirkt werden. Zudem ist soziales Engagement ab der 10. Klasse Pflicht, etwa als Feuerwehrmann oder Sanitäter. Als vor zwei Jahren ein russisches Flugzeug in Überlingen zerschellte, waren Schüler aus Salem als erste dort.

Die Unterschiede zu den exklusiven Schweizer Häusern zeigen sich aber schon in Äußerlichkeiten. Während die Zöglinge von Zuoz gegen rund 3000 Euro Aufpreis ein Einzelzimmer belegen können, gibt es solchen Komfort in Salem nicht. "Schließlich war unser Gebäude früher ein Zisterzienserkloster", so Ferenschild. Zur Bescheidenheit erzieht die Schüler auch eine andere Auflage: Mit Porsche oder Geländewagen darf man in Salem nicht vorfahren: Es gilt eine Obergrenze von 75 PS.

Meist lernen Schüler und Eltern den pädagogischen Wert dieser Maßnahmen schnell schätzen - aber nicht immer. "Wir hatten einmal eine Präsidententochter aus einer ehemaligen Sowjetrepublik", erinnert sich Ferenschild. "Die war ganz schnell wieder weg."

Tobias Wiethoff, dpa

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