Sonntag, 21. April 2019

Elite-Internate Kaderschmieden mit Karrieregarantie

2. Teil: "Wir sind etwas hierarchischer als andere"

"Wir sind etwas hierarchischer als andere"

Der "geschützte Rahmen" wird auf dem Rosenberg enger gezogen als in Zuoz. Namen prominenter Absolventen gibt man aus Prinzip nicht preis. Das Haus will auch Schülern "mit unkonventioneller Schulkarriere" zum Abschluss verhelfen. Entsprechend streng ist die Hausordnung. Die Jungs tragen Anzug und Krawatte. "Wir sind etwas hierarchischer als andere", sagt Schmid.

Einer für alle, alle für einen: Speisesaal im Internat Kloster Salem
Während sich in Zuoz 180 interne mit 130 externen Schülern aus dem Umland mischen, bleiben die Rosenberger weitgehend unter sich. Für Kinder weniger betuchter Familien werden nur zwei bis fünf Teilstipendien pro Jahr vergeben.

Während man in der Schweiz den Begriff "Elite" eher aus Diskretion vermeidet, stößt er in Deutschland auf grundsätzliches Misstrauen. "Es gibt wenige Privatschulen, die sich dazu bekennen", sagt Bernhard Marohn vom Bundesverband deutscher Privatschulen (VDP) in Frankfurt. Auch dann wird statt von Geld- lieber von Leistungs- oder Verantwortungselite gesprochen. Da der Vormittagsunterricht vom Staat gefördert wird, fallen aber für den Besuch eines deutschen Internats tatsächlich geringere Kosten an als in der Schweiz. Die Spanne reicht von etwa 7500 bis 27.500 Euro pro Jahr.

Zu den deutschen Elite-Internaten gezählt werden Schloss Stein unweit des Chiemsees, Louisenlund bei Schleswig oder der Birklehof im Schwarzwald, allen voran aber Schloss Salem am Bodensee, das auf prominente Ehemalige wie Golo Mann, Elisabeth Noelle-Neumann, Hildegard Hamm-Brücher, Eberhard von Kuenheim oder August Oetker verweisen kann. Die Schulgebühren liegen in Salem mit rund 25.000 Euro pro Jahr am oberen Ende der Skala. Aber Geld spiele bei der Aufnahme nicht die vordingliche Rolle, heißt es bei der Leitung. Rund ein Drittel der 670 Schüler werde mit Teilstipendien unterstützt.

Die Präsidententochter war ganz schnell wieder weg"

Auch sonst ist das Internat um Abgrenzung von der Schweizer Konkurrenz bemüht. Zwar werden in Salem wie in Zuoz und St. Gallen Urintests vorgenommen, um Drogensünder zu überführen und von der Schule zu verweisen. "Aber wir sind in erster Linie Pädagogen", sagt Sprecher Hartmut Ferenschild. "Statt auf Law and Order und Etikette wie viele Schweizer Internate setzen wir auf Mitbestimmung."

Noch immer ist in Salem der Geist der Reformpädagogik lebendig, in dem das Internat 1920 gegründet wurde. Mit Aktivitäten im Freien wie etwa Wanderungen durch die Wildnis mit schwerem Rucksack soll der zivilisatorischen Verzärtelung entgegengewirkt werden. Zudem ist soziales Engagement ab der 10. Klasse Pflicht, etwa als Feuerwehrmann oder Sanitäter. Als vor zwei Jahren ein russisches Flugzeug in Überlingen zerschellte, waren Schüler aus Salem als erste dort.

Die Unterschiede zu den exklusiven Schweizer Häusern zeigen sich aber schon in Äußerlichkeiten. Während die Zöglinge von Zuoz gegen rund 3000 Euro Aufpreis ein Einzelzimmer belegen können, gibt es solchen Komfort in Salem nicht. "Schließlich war unser Gebäude früher ein Zisterzienserkloster", so Ferenschild. Zur Bescheidenheit erzieht die Schüler auch eine andere Auflage: Mit Porsche oder Geländewagen darf man in Salem nicht vorfahren: Es gilt eine Obergrenze von 75 PS.

Meist lernen Schüler und Eltern den pädagogischen Wert dieser Maßnahmen schnell schätzen - aber nicht immer. "Wir hatten einmal eine Präsidententochter aus einer ehemaligen Sowjetrepublik", erinnert sich Ferenschild. "Die war ganz schnell wieder weg."

Tobias Wiethoff, dpa

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