Mittwoch, 26. Juni 2019

Gerd Brachmann Aldis Enkel

2. Teil: Ende der Erfolgsstory?

Bei einem Jahresumsatz von 2,9 Milliarden Euro erwirtschafteten die 1441 Mitarbeiter des Unternehmens im vergangenen Jahr (2003) einen Überschuss von 103 Millionen Euro.

 Quadratisch, praktisch, gut: Medion-Hauptsitz in Mülheim an der Ruhr
Quadratisch, praktisch, gut: Medion-Hauptsitz in Mülheim an der Ruhr
Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres stieg der Umsatz auf 766,7 (Vorjahreszeitraum: 725) Millionen Euro, der Überschuss um 6,4 Prozent auf 27,0 Millionen Euro.

Aber schon bei der Präsentation der Halbjahreszahlen Ende Juli dieses Jahres erhielten die Erwartungen der Anleger einen empfindlichen Dämpfer. Der Umsatz stieg nur um 5 Prozent auf 1,256 Milliarden Euro, das Vorsteuerergebnis schrumpfte gar um 14,7 Prozent auf 58,1 Millionen Euro. Der Gewinn nach Steuern sank auf 33,9 Millionen Euro nach 39,2 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Zusammen mit den Ergebnissen präsentierte Medion eine Gewinnwarnung. Die Aktie verlor noch am selben Tag 35 Prozent ihres Wertes.

Ende der Erfolgsstory?

Vor etwas mehr als 20 Jahren bestand das Unternehmen aus nicht mehr als einem belanglosen Namen. 1983 gründete Brachmann zusammen mit seinem Kompagnon Helmut Linnemann in Essen die Medion-Vorläuferfirma Brachmann & Linnemann OHG. Ursprünglich betrieb der heute 42-jährige Brachmann ein Geschäft für Videos und Computerspiele. Der Legende nach hat der Zufall bei der Initialzündung für das neue Geschäftsmodell freundlich nachgeholfen.

Angeblich fragte damals ein Freund, der bei einem Kaffeeröster für den Einkauf zuständig war, ob Brachmann nicht Lust hätte, für ihn einen Posten Mikrowellen zu organisieren. Brachmann riskierte ein Flugticket nach Südkorea und organisierte den Einkauf und die Anlieferung von einigen tausend Geräten. Der Erfolg ermutigte Linnemann und Brachmann, die Geschäftsaktivitäten auszuweiten. Das Duo belieferte fortan Kaffee-Filialisten und Lebensmittelketten mit allerlei preiswerten Non-Food-Artikeln - vom Rasierer über den Walkman bis zum Fotoapparat.

Bescheidenheit ist eine Zier

1994 verließ Linnemann das Unternehmen, das inzwischen auf den Namen Medion hörte. Die Umstände seines Abgangs sind nie kommentiert worden. Etwa um die gleiche Zeit muss die erste Palette Discount-PCs verschämt in der Ecke eines namenlosen Aldi-Markts gestanden haben. Selbst die Anfänge des lukrativen Handels sind mit konkretem Datum in keiner Firmenchronik erwähnt. Tatsache ist: Die Geschäftsidee ging auf, Medion florierte und Brachmann ging auf Expansionskurs.

Das Geheimnis seines bisherigen Erfolgs ist dabei so geheimnisvoll nicht. Im ersten Schritt entwickelt Brachmann Produktideen für Aktionswaren und testet deren Akzeptanz bei den Kunden. Dann berät er die Handelsunternehmen bei der Auswahl der Produkte und der Hersteller. Haben sich die Handelsketten entschieden, übernimmt Medion die gesamte Logistik - von der Lagerung bis zur Lieferung der Waren. Schließlich gewährleistet Brachmann den Kundenservice nach dem Kauf.

Das Modell hat der Essener Unternehmer bis zur Perfektion verfeinert. Seit zwei Jahren ist Medion auch in Amerika aktiv - mit wachsendem Erfolg, wie Finanzvorstand Christian Eigen versichert. Fotos von Männern, die sich in einem US-Supermarkt um Discount-PCs streiten, kursierten. Aber das sind Bilder aus vergangenen Tagen.

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