Samstag, 18. Januar 2020

Teamarbeit "Zu viele Macher sind schädlich"

Teamarbeit ist unerlässlich für moderne Unternehmen. Aber warum scheitert die Zusammenarbeit von Individuen so oft? Managementtrainerin Maren Lehky nennt im Interview mit manager-magazin.de die größten Sünden der Teamarbeit und zeigt Lösungswege auf.

mm.de:

Teamfähigkeit wird in Stellenanzeigen zum mitentscheidenden Einstellungskriterium hochstilisiert. Aber Teamarbeit in der Praxis - siehe Toll Collect - scheitert oft. Woran hapert's?

Maren Lehky begann ihre berufliche Laufbahn als Personalreferentin beim Otto Versand. Nach Stationen bei den Hako-Werken (Personalchefin), Gruner + Jahr (Leiterin Personalentwicklung und Grundsatzfragen) und der Hauni Maschinenbau AG (Geschäftsleitung Personal) gründete sie 2002 ihre Firma Lehky Consulting, mit der sie Unternehmen in Fragen der Personalarbeit, zum Beispiel bei Programmen zur Personalentwicklung, berät. Außerdem coacht sie Führungskräfte rund um das Thema Leadership
Lehky: Die Gründe sind oft vielschichtig. Es fängt damit an, dass der zukünftige Teamleiter vielfach eine Kopie von sich selbst für das Team sucht. Manche suchen die Mitglieder auch einfach nur aus Sympathiegründen aus oder noch schlimmer als Vitamin-B-Maßnahme oder ABM-Idee. Diese Kollegen nützen aber in Projektteams meistens nicht sehr viel. Sie bilden gehöriges Störpotenzial und drohen, die Gruppe zu frustrieren.

mm.de: Welchen Stellenwert hat Teamarbeit in deutschen Unternehmen?

Lehky: Das ist sehr schwierig zu sagen, es gibt kaum Studien darüber. Aber soviel kann ich sagen: Ich wüsste kein deutsches Unternehmen, das für sein vorbildliches Image im Bereich Teamarbeit bekannt wäre. Immerhin wächst bei Unternehmen das Bewusstsein, aus Fehlern lernen zu wollen.

mm.de: Welche Fehler werden gemacht?

Lehky: Zuerst müssen natürlich das Ziel und die Aufgabe des Teams feststehen, dann müssen die Mitglieder dementsprechend zusammengestellt werden. Selbst dieser einfache Lehrsatz wird in vielen Unternehmen häufig nicht beherzigt. Man stellt ein Team zusammen und fängt einfach an.

Bei der Auswahl der Mitglieder könnten Führungskräfte zum Beispiel das Modell des Psychologen Meredith Belbin nutzen. Dieses Modell sieht vor, dass jedes Team optimalerweise neun Rollen (Erfinder, Koordinator, Beobachter, Umsetzer, Perfektionist, Netzwerker, Macher, Teamarbeiter, Spezialist) beinhaltet.

mm.de: Können Sie das an einem Praxisbeispiel veranschaulichen?

Lehky: Ich wurde kürzlich für einen zweitägigen Management-Workshop engagiert, und zwar für die ostdeutsche Dependance eines internationalen Produktionsunternehmens. Das Briefing lautete interessanterweise nur, dass die Mitglieder des gerade zusammengestellten Teams sich einfach nur besser kennen lernen wollten. Als ich vor Ort war, hat sich herausgestellt, dass dieser Standort im scharfen Wettbewerb mit den anderen Zweigstellen des Konzerns steht. Und das Ziel dieses Standortleiters war, die Nummer eins zu werden. Meine Aufgabe bestand unter anderem darin, in diesem Workshop mit dem vorhandenen Team eine Strategie für die Zielerreichung zu entwickeln.

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