Dienstag, 25. Juni 2019

New-Age-Uni Wie Esoteriker und Polit-Prominenz die Welt retten wollen

Nicht überall, wo Universität draufsteht, ist auch eine drin. Die "Planet Life University" zum Beispiel sehen Kritiker eher als Inszenierung für den Milliarden-Markt der Esoterik. Prominente von Rita Süssmuth über Michail Gorbatschow bis zum Dalai Lama mischen trotzdem als "Ehrenmitglieder" beim dubiosen Projekt mit.

Hamburg - Mit einem "Global Marshall Plan" wollen prominente Politiker, Wissenschaftler und Geschäftsleute die Menschheit vor der Selbstzerstörung bewahren. Armut, Klimawandel, Überbevölkerung, Kriege - diese Probleme sollen durch einen Bewusstseinswandel bald der Vergangenheit angehören. Mit einem "Fest der Impulse" wird die Initiative am heutigen Freitag in Düsseldorf vorgestellt, moderiert vom Journalisten Franz Alt.

 Hilft, die Welt zu retten: Rita Süssmuth
DPA
Hilft, die Welt zu retten: Rita Süssmuth
Damit der Aufbruch in ein neues Zeitalter gelingen kann, wurde bereits am 20. Juni im nordrhein-westfälischen Neuss die "Planet Life University" gegründet und feierlich durch die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth eröffnet. Die Ziele klingen durchaus sympathisch, die Hintergründe sind indes dubios. Der vermeintlichen Universität fehlt jede rechtliche Grundlage. Kritiker sehen das Projekt als esoterisch-kommerzielle Aktion, als nur eine Inszenierung im Milliarden-Markt des New Age.

Dahinter steht der als gemeinnützig anerkannte Verein Club of Budapest, der "aktive Mitgestalter für eine bessere Welt" um sich scharen will. Das "Bildungs- und Trainingsinstitut für planetarisches Bewusstsein" sei keine herkömmliche Universität, sagte Generalsekretär Peter Spiegel. Man wolle Schlüsselkompetenzen vermitteln, vom "Lernen des Lernens" über friedliche Konfliktlösung bis hin zu Management-Trainings.

Interstellare Pseudo-Uni ohne rechtliche Basis

Zu seinen Ehrenmitgliedern zählt der Club nach eigenen Angaben 50 "weltberühmte Persönlichkeiten, die für ein planetarisches Bewusstsein stehen".

Unter ihnen etwa die Politiker Hans-Dietrich Genscher, Richard von Weizsäcker und Michail Gorbatschow, die Künstler Zubin Mehta, Gidon Kremer und Peter Gabriel, Wissenschaftlerin Jane Goodall, Theologe Hans Küng sowie Desmond Tutu und drei weitere Friedensnobelpreisträger. Hinzu kommen 60 "Kreativmitglieder". Sie alle könnten nach dem Willen der Universitätsgründer als Dozenten wirken.

Die "Studenten" sollen auch Zertifikate und Abschlüsse vom Bachelor über den Master bis zur Promotion erwerben können. Doch bisher ist die Planeten-Uni allenfalls ein Seminarhaus, das vereinzelt Seminare und Vorträge veranstaltet. Der Begriff "Universität" indes ist - auch in der englischen Form "University" - in Deutschland geschützt. Darauf hat das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium den Club of Budapest mit seinem Präsidenten Ervin Laszlo, der zugleich als Uni-Präsident firmiert, bereits im Juni hingewiesen. Bis Ende Juli 2004 solle man ein Konzept vorlegen, andernfalls sei es rechtlich unzulässig, mit dem Etikett "Universität" einen geschäftlichen Betrieb aufzuziehen.

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