Mittwoch, 21. August 2019

Familie Behr Hier prima Klima, dort dicke Luft

Die Behrs aus Schwaben agieren heimlich, still und leise; sie leben mit ihren Beschäftigten in schönster Harmonie. Für Wirbel sorgten bisher nur ihre Motorkühler und Klimaanlagen. Doch jetzt reagieren die Angestellten verschnupft auf den rauhen Wind der Globalisierung.

Hamburg - "Das unterliegt absoluter Diskretion." Was der Direktor der Staatsgalerie Stuttgart, des wohl bedeutendsten Museums Baden-Württembergs, da in strikter Klarheit erklärt, überrascht nicht. Schließlich gehört Verschwiegenheit zu den Grundeigenschaften der Schwaben. Und bei Auskünften über die Familie Behr, die zu einer der alteingesessenen Dynastien des Ländles zählt, macht der Direktor keine Ausnahme.

Viel erreicht, früh gestorben: Julius Friedrich Behr, Firmengründer des Automobilzulieferers
Verschwiegenheit ist nicht das einzige Klischee, das auf die schwäbische Industriellenfamilie passt. Die Behrs gelten zudem als geschäftstüchtig, innovativ und traditionsbewusst. Dass man sich überhaupt ein Bild von der Dynastie machen kann, liegt daran, dass die Familie erst in den achtziger Jahren die operative Führung ihres Unternehmens aus der Hand gab. Sonst wäre die Geschichte hier schon zu Ende.

Startpunkt des Plots ist das Jahr 1905, als ein gewisser Julius Friedrich Behr mit der Gründung einer Werkstatt zum Bau von Autokühlern den Grundstein für eine erfolgreiche Unternehmensgeschichte legt. Aus dieser Zeit stammt auch der Spitzname des Unternehmens. "Kühler-Behr" wird es im Stuttgarter Volksmund genannt, weil die Motorkühlsysteme mit das wichtigste Standbein des weltweit agierenden Unternehmens sind.



 Ganz schön technisch: Dies sind Kältemittel-Kondensatoren für Fahrzeug-Klimaanlagen  Erhöhen die Kühlleistung: Abgaskühler mit Winglet-Rohren  In seinem Klimawindkanal in Stuttgart testet Behr Klimaanlagen für Pkw und Lkw. Weltweit bislang einzigartig ist das Solarium an der Decke. Die auf beweglichen Gestellen montierten Lampen heizen den Fahrgastinnenraum auf und folgen - computergesteuert - dem Tagesgang der Sonne

Impressionen aus Behr-Werken:
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Erfolg, aus der Not geboren

Um ein Haar wäre dem Unternehmen schon nach zwanzig Jahren die Luft abgedreht worden. Weil der Gründer schwer erkrankte, sollte die Firma verkauft werden, doch fand sich kein Investor, der bereit war einzuspringen - die Familie musste notgedrungen weitermachen.

[M] DDP; DPA; mm.de
Von Siegern und Verlierern

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Wenige Jahre später ereilte den Clan erneut ein schwerer Schicksalsschlag. 1930 stirbt Julius Friedrich Behr, mit 59 Jahren. Sein 21-jähriger Sohn Manfred, mitten im Ingenieursstudium, ist zu diesem Zeitpunkt noch weit entfernt davon, die Firmenführung übernehmen zu können. Kurzzeitig versucht die gebeutelte Familie, den Betrieb zu verpachten. Von diesem Plan rückt man allerdings schnell wieder ab, denn den angeblichen Interessenten ging es nur um den guten Firmennamen.

Schließlich nahm Manfred Behr zusammen mit seiner Mutter das Heft selbst in die Hand. Eine Zäsur, die sich im Laufe der Unternehmensgeschichte noch einmal wiederholen sollte - allerdings in weit wenig dramatischer Form.

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