Sonntag, 26. Mai 2019

Familie Behr Hier prima Klima, dort dicke Luft

3. Teil: Mitarbeiter stellen Sarg vor der Zentrale ab

Mitarbeiter stellen Sarg vor der Zentrale ab

Misserfolge und Krisen sind dabei in der Chronik rar gestreut. Allerdings mutet die derzeitige Lage schizophren an: Behr hat 2003 das beste Ergebnis seiner Unternehmensgeschichte hingelegt, der Umsatz stieg um sieben Prozent, das operative Ergebnis gar um 16 Prozent auf 75 Millionen Euro.

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Trotzdem will der Konzern in Deutschland 200 bis 300 von insgesamt 6900 Arbeitsplätzen abbauen. "Wir werden diesen Abbau aber ohne betriebsbedingte Kündigungen gestalten", sagt Konzernsprecher Ingo Martin gegenüber manager-magazin.de. Der Betriebsrat indes hat von der Geschäftsleitung andere Zahlen bekommen. "600 bis 700 Arbeitsplätze sollen dem Sparzwang zu Opfer fallen", sagte ein Betriebsratsmitglied gegenüber manager-magazin.de.

Die Behr'sche Argumentation klingt wohl bekannt: Die hohen Lohnkosten lassen keine internationale Wettbewerbsfähigkeit zu. "Unsere gesamte Branche steht unter einem wahnsinnigen Produktivitätsdruck", klagt Behr-Chef Flik. Hinzu kommt, dass Behrs Kunden, also DaimlerChrysler Börsen-Chart zeigen und Co., teils drastische Preisabschläge in immer kürzeren Entwicklungszeiten fordern.

Die Stellenstreichung will der Betriebsrat indes nicht kampflos hinnehmen. 1000 Mitarbeiter stellen schon mal symbolisch einen Sarg vor dem Firmengebäude ab - "symbolisch für all die Arbeitsplätze, die in Deutschland zu Grabe getragen werden". Trotzdem: Insgesamt auf den Konzern gesehen fügt der Schlagabtausch in Deutschland dem Bild des Vorzeigeunternehmens nur kleine Kratzer bei.

Gesellschafter nicht vor Streit gefeit

Die Familie Behr mischt sich offenbar in den derzeitigen Streit nicht ein. Überhaupt wurde in den vergangenen Jahren öffentlich nur einmal über die Eigentümer gesprochen. Dafür sorgte der Clan 1996 selber. In Zeitungsartikeln konnten die Schwaben verwundert lesen, dass "Kühler-Behr" nicht mehr komplett in Familienhand sei. Mit der seligen Eintracht in der Familie war es zu diesem Zeitpunkt vorbei. Auslöser der Streitereien war die Frage, ob weiter investiert werden soll oder nicht.

In der Folge lösten zwei Gesellschafter die Bande und stiegen aus. Das Kapital blieb dennoch im Ländle. Ins Boot geholt wurde die BW-Kapitalgesellschaft, zu deren Gesellschaftern vor allem die Baden-Württembergische Bank und die Württembergische Versicherungsgruppe gehören.

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