Freitag, 24. Mai 2019

Familie Behr Hier prima Klima, dort dicke Luft

2. Teil: Generationswechsel - ohne Machtverschiebung?

Generationswechsel - ohne Machtverschiebung?

Manfred erkannte bald, dass zum Überleben des Unternehmens ein zweites Standbein vonnöten ist. Dabei kam dem Tüftler eine clevere Idee: "Wir kühlen das heiße Motorwasser, warum nehmen wir dieses nicht zur Beheizung des Fahrzeugs?" Gesagt, getan. Nach dem Zweiten Weltkrieg brachte Behr die Heizung mit dem Namen "Golfstrom" auf den Markt.

Andy Warhol im Besprechungszimmer: Firmenzentrale von Behr in Stuttgart
Dem ehrgeizigen Unternehmenslenker, der im Urlaub bevorzugt in Tirol auf die Jagd geht und dessen Förderung der dortigen Almwirtschaft öffentlich ausgezeichnet wurde, reicht bald die Produktentwicklung nicht mehr aus, um die Stuttgarter Vorzeigefirma nach vorne zu bringen. Langfristig würde sie nur überleben, wenn sie international expandiert, war sich Manfred Behr sicher.

Mittlerweile betreibt "Kühler-Behr" Produktionsstätten auf allen Kontinenten der Erde - ausgenommen Australien. Doch es ist nicht nur die Internationalisierung und Globalisierung, die die Entwicklung des Konzerns kennzeichnet. Der amerikanische Trend, Klimaanlagen in Autos einzubauen, setzte sich bald in Europa fort. Behr erkannte die Marktlücke und ließ die Produktion anlaufen. Weitere Umsatzsprünge waren die Folge.

2003 wurde das beste Ergebnis erwirtschaftet

Mit dem Tod von Manfred Behr - er stirbt 1988 mit 81 Jahren - endet mehr als eine Ära in der Firmenchronik. Zwar behält die Familie die Herrschaft über ihr Unternehmen, doch die operative Führung gibt sie ab. In die Fußstapfen von Manfred Behr tritt mit Horst Geidel der Mann, den Betriebsangehörige auf Grund des engen Vertrauensverhältnisses als "Sohn" von Manfred Behr bezeichnen.

Markus Flik: Sprecher der Geschäftsleitung
Geidel (65) gilt noch heute als der mächtige Mann im Konzern. Fünfzehn Jahre lang amtierte der gebürtige Bayer als Vorsitzender der Geschäftsführung. Seit Sommer 2003 ist er Chef des Aufsichtsrats. Die Aktivitäten seines Nachfolgers Markus Flik (43) werden von Geidel genauestens beäugt. Der vergleichsweise junge Flik hat vorerst eine weniger exponierte Stellung als Geidel. Er ist nur Sprecher der Geschäftsführung.

Geidel, von dem Mitarbeiter sagen, er sei mit einem Schuss Eitelkeit zu viel gesegnet, hatte die Strategie des vorsichtigen organischen Wachstums fortgeführt. Ein Zukauf von zahllosen Gesellschaften ist bei "Kühler-Behr" verpönt. Dass Behr dennoch schon lange nicht mehr als mittelständisches Unternehmen bezeichnet werden kann, belegen die wirtschaftlichen Eckdaten. 16.000 Mitarbeiter erwirtschafteten 2003 einen Umsatz von drei Milliarden Euro.

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