Sonntag, 18. August 2019

Giorgio Armani Revolution in Mode

2. Teil: "Ich mache Mode, die tragbar ist"

"Ich mache Mode, die tragbar ist"

Im Alter von 36 Jahren machte sich Armani 1970 selbstständig und eröffnete zusammen mit einem Freund ein Design-Atelier. Der Erfolg stellte sich aber erst ein, als er 1975 zusammen mit seinem Lebenspartner Sergio Galeotti ein eigenes Modeunternehmen gründete. "Als ich anfing, gewann gerade das Pret-a-Porter an Bedeutung."

Ausflug ins Autodesign:
Von Armani gestylter Mercedes CLK
Armani verstand das Signal: "Ich mache Mode, die tragbar ist, alltagstauglich." Insider nannten den Hang zum Schlichten "Minimalismus" oder "Purismus". Auffällig unauffällig sind seine Kreationen, für die Träger ist dabei mitunter das Label nicht das Unwichtigste.

Heute hat Armani ein Milliarden-Euro-Unternehmen mit weltweit über 2000 Filialen. Er steht weiter allein an der Spitze seines Milliardenunternehmens. Vor rund drei Jahren kündigte Armani an, einen Rückzug auf Raten werde es bei ihm nicht geben, weil er nie halbe Sachen mache. "Ich bin entweder drin oder draußen." Er regiert sein Imperium von seinem Renaissance-Palazzo in Mailand aus.

Gewinnsteigerung, Luxushotelsy

In letzter Zeit beklagte Armani, dass sich die Kunden immer mehr von Werbung statt vom eigentlichen Produkt leiten ließen. Die Glanzstücke seiner Kreationen - Hochzeitskleider und -anzüge für Prominente - sind wahr gewordene Märchenträume: Gerade hat er die Hochzeitsgesellschaft von Filmstar Mira Sorvino und Chris Backus ausstaffiert, die am 2. Juli auf Capri den Bund fürs Leben schlossen. Armani trugen das schwedische Model Helen Svedin trug vor dem Traualtar an der Seite von Bräutigam Luis Figo wie auch Danielle Spencer als Braut von Filmstar Russell Crowe oder Luciano Pavarottis Frau Nicoletta Mantovani.

Heute werden seine Anzüge auch von 50-Jährigen mit Bauchansatz getragen, sind seine Jeans auch in Kaufhäusern zu haben, längst hat sich Workaholic Armani auch auf das einträgliche Geschäft mit Parfüm, Brillen und Schmuck verlegt. Während andere Luxus-Labels in der Krise stecken, steigerte Armani vergangenes Jahr seinen Gewinn um 14 Prozent. Statt sich mit 70 langsam zur Ruhe zu setzen, investiert er in Luxushotels, unter anderem in Dubai.

Fast so gut wie Armanis Mode sind seine Sprüche. "Der Platz für die spärlich bekleidete Frau ist das Schlafzimmer", feixte er einmal. Tatsächlich zieht er Frauen am liebsten "richtig" an. Am besten im strengen Kostüm. Und verwandelt die Frau zur "Business-Lady".

Das ist nämlich Teil drei der "Armani-Revolution", was die Branche die "Armani-Androgynie" nennt: Männliche Elemente, wie die Anzugsjacke, erobern die Damenmode; weibliche Elemente (die weichen Stoffe) die Herrenmode. Ohne dass die Frauen dabei maskulin wirken, im Gegenteil: Die kühle Lady im dunklen "Business-Jacket" kann ungemein sexy sein.

Seinen Geburtstag hat Armani schon vorgefeiert, natürlich auf der Mailänder Modewoche, dort, wo er in seiner gigantischen Villa "Fortezza Armani" residiert. Und statt sich selbst zu zelebrieren, feiert er "eine Hymne an das Jackett", an das Kleidungsstück, das er neu erfunden hat und dem er so vieles verdankt. "Das Jackett ist das Kleidungsstück, das Männern am besten steht. Wenn sie ein Sakko tragen, sehen sie aus wie Götter."

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