Freitag, 23. August 2019

Karriere Alma Mater, spröde Braut

Vor dem Sprung in den akademischen Olymp warten harte Lehrjahre auf ehrgeizige Forscher. Meist zeigt sich erst mit Anfang 40, ob es mit einer Professur wirklich klappt. Eine akademische Karriere ist ein Wagnis und verläuft meist alles andere als geradlinig.

Hamburg - Stefan Homburg hat es geschafft. Mit 24 Jahren hatte der Rheinländer sein Einser-Examen im Fach Volkswirtschaftslehre in der Tasche, mit 26 folgte die preisgekrönte Dissertation.

Absolventen: Doktorhut steht ihnen gut, berechtigt aber zu nichts
Drei Jahre später bekam Homburg mit der Habilitation die begehrte "Venia Legendi", die Befähigung, an einer deutschen Universität Vorlesungen zu halten. Und prompt berief ihn die Universität Bonn für eine Professur in Wirtschaftstheorie. Heute lehrt Homburg Finanzwissenschaft an der Uni Hannover und ist Mitglied des Rates für nachhaltige Entwicklung beim Bundeskanzler.

Gut gelaufen - statistisch betrachtet ist so ein akademischer Turbo-Aufstieg aber die große Ausnahme. Gerade einmal 0,5 Prozent aller deutschen Professoren gelang die Erstberufung in einem Alter unter 30 Jahren. Im Durchschnitt sind "Nachwuchswissenschaftler" schon 41, wenn sie ihre erste Professur erhalten, wie Daten des Statistischen Bundesamts belegen. In diesem Alter verdienen andere längst gutes Geld.

Langer Marsch durch die Institution

Karrieren in der Wissenschaft verlaufen in Deutschland meist alles andere als geradlinig. "Unter den Nachwuchswissenschaftlern herrscht große Skepsis und Verunsicherung", sagt Tassilo Schmitt.

Der Referent für Personalentwicklung beim Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) beobachtet die Szene seit Jahren und kennt die Stimmung unter den klugen Köpfen: "Wissenschaft ist zwar nach wie vor ein Traumberuf, doch muss man sich die wissenschaftliche Karriere finanziell leisten sowie gegenüber den eigenen Kindern und dem Partner verantworten können."

Der akademische Hindernislauf beginnt oft schon mit der Dissertation. Vier bis fünf Jahre tüfteln die meisten Doktoranden daran und setzen sich den Doktorhut im Schnitt erst mit 33 Jahren auf. So könnte es auch Nadine Schöneck ergehen: Die 28-jährige Diplom-Sozialwissenschaftlerin, die mit ihrer Arbeit zum Thema "Tempo" beim Studienpreis der Körber-Stiftung gewann, promoviert gerade in Soziologie und hofft auf eine Karriere als Wissenschaftlerin.

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