Sonntag, 21. April 2019

Universitätskarriere Gemeinsam zum Zenit

Dauergast in der Bibliothek, Hilfssheriff für den Professor, Tagungstourist: Jeder Nachwuchswissenschaftler hat seine eigene Strategie, um Professor zu werden. Alles Nebensache, fanden Psychologen in einer Studie heraus - Karriere an der Uni macht, wer gemeinsam mit anderen publiziert.

Hamburg - Spätestens nach der Promotion stellt sich für Nachwuchswissenschaftler die Frage: Für immer Uni oder raus aus der Lehranstalt?

 Doktoren: Rein in die Zitiergemeinschaft
Doktoren: Rein in die Zitiergemeinschaft
Wer sich für die wissenschaftliche Laufbahn entscheidet, geht ein hohes Risiko ein. Denn trotz Juniorprofessur und Generationenwechsel an den Hochschulen bleibt die Berufung auf eine C3- oder C4-Stelle ein schwer kalkulierbares Risiko. Manche warten bis in alle Ewigkeit auf einen Ruf, für den Quereinstieg in einen anderen Beruf ist es dann meistens zu spät.

Doch ob eine wissenschaftliche Laufbahn von einer Professur gekrönt wird, lässt sich mit einiger Wahrscheinlichkeit vorhersagen, fanden Psychologen in der Studie "Kooperationsnetzwerke und Karrieren an deutschen Hochschulen - Der Weg zur Professur am Beispiel der Psychologie" heraus. Der Erfolg lässt sich nämlich, tröstlich für den Nachwuchs, in gewissem Maße selbst steuern.

Zitieren im Schneeballsystem

Entscheidend ist dabei nicht, enzyklopädisches Wissen im eigenen Fach anzuhäufen oder dem akademischen Ziehvater pflichtschuldig jede Routineaufgabe abzunehmen. Deutlich wichtiger: Wer Professor werden will, sollte möglichst viele Werke mit anderen Wissenschaftlern des eigenen Faches veröffentlichen - und zwar bevorzugt mit solchen Kollegen, die wiederum gerne gemeinsam mit anderen publizieren.

"So gelangt ein Nachwuchswissenschaftler in Zitiergemeinschaften", sagt Frieder R. Lang, Psychologie-Professor an der Universität Halle-Wittenberg und zusammen mit dem Berliner Psychologen Franz Neyer Autor der Studie. "Dahinter muss keine Berechnung oder gar eine zynische Kalkulation stecken. Der Vernetzungseffekt ergibt sich praktisch von alleine."

Lang und Neyer haben den Karriereverlauf von 579 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern untersucht, die in den Jahren 1980 bis 1986 ihre Promotion im Fach Psychologie an einer deutschen Universität abschlossen. Grundlage waren öffentlich zugängliche Datenbanken wie der Trierer PSYNDEX, der Psychologen-Kalender des Hogrefe Verlags und das Internet. Die Studie erscheint in der nächsten Ausgabe der renommierten "Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie".

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