Donnerstag, 17. Oktober 2019

Universitätskarriere Gemeinsam zum Zenit

2. Teil: Wer im Verborgenen wirkt, verliert

Wer im Verborgenen wirkt, verliert

Überraschendes Ergebnis: Wer sich in der Studierkammer vergräbt und an Einzelpublikationen arbeitet, hat dreimal geringere Chancen, Professor zu werden als der Kollege, der für seine Veröffentlichungen mit anderen kooperiert.

 Einsam studieren, gemeinsam publizieren: Lesesaal an der TU Dresden
David Ausserhofer
Einsam studieren, gemeinsam publizieren: Lesesaal an der TU Dresden
Zwar haben Einzelpublikationen im wissenschaftlichen Ansehen häufig einen höheren Stellenwert als gemeinsame Publikationen, doch gilt, so Lang: "Je häufiger man gemeinsam mit anderen publiziert, desto häufiger wird man zitiert." Und das entscheidet letztlich über den Karriereerfolg.

Gemeinsame Publikationen würden in der Wissenschaft häufig zu Unrecht unterbewertet, sagt Lang. Sie kosteten nämlich durch den notwendigen Austausch zwischen den Autoren viel Zeit und seien im Ergebnis meist besser als Einzelveröffentlichungen.

Dieses Prinzip lasse sich auch auf die meisten anderen Universitätsfächer und auf hochschulfremde Arbeitsfelder übertragen, meint Lang. "Auch in großen Betrieben sind nur die produktiv, die ihre Erfahrungen und ihren Wissensstand zusammenbringen. Wer einsam vor sich hinarbeitet, wird kaum bemerkt und ist nicht einplanbar. Da ist die Wissenschaft nicht anders gelagert als andere Berufe."

Visitenkarten-Quartett sinnlos

Zwar unterliege der öffentliche Dienst einem geringeren Marktdruck, schreiben Lang und Neyer, "gleichwohl beruht die Personalauswahl in Hochschulen wie in Unternehmen erklärtermaßen auf Leistungs- und Eignungskriterien."

Die Ergebnisse der Forscher werfen auch ein neues Licht auf die Anforderung des "Netzwerkens", die zahlreiche Karriereratgeber und Managementtrainer in schlechtem Neudeutsch postulieren. Aus der Psychologenstudie lässt sich folgern, dass es nicht ausreicht, über einem Gläschen ein paar höfliche Worte zu wechseln und anschließend Visitenkarten zu tauschen. Man muss schon wirklich mit jemandem zusammenarbeiten, damit eine Kooperation Früchte trägt, betont Lang. "Kontakte, die etwa aus Konferenzen entstehen, sollten so entwickelt werden, dass daraus auch wirklich ein gemeinsames Produkt entsteht."

Nicht unerheblich ist auch der Ruf des eigenen Institutes: "Wer aus einem 'guten Stall' kommt, hat bessere Karrierechancen", heißt es in der Studie. Bessere Chancen haben auch Nachwuchswissenschaftler an größeren Instituten. Dort ergeben sich automatisch mehr Kooperationsmöglichkeiten. Die Bedeutung der universitären Herkunft nimmt aber mit zeitlicher Entfernung zur Promotion ab, die der eigenen Vernetzung nimmt zu.

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