Karriere im Ausland Die Tipps und Tricks der Relocater

New York, Tokio, Rio: Wer für seinen Arbeitgeber ins Ausland geht, der hat zu Anfang meist Schwierigkeiten, sich zurechtzufinden. In den USA helfen so genannte Relocater bei Wohnungssuche und Behördengängen.

New York/Berlin - Die Ausbeute nach einer Stunde Supermarkt war ernüchternd: "In meinen Händen hielt ich Orangensaft, Cola und Chips", erinnert sich Anja Brozik an ihren ersten Einkauf in den USA. Doch die Wahl des richtigen Orangensaftes aus 60 Sorten war für die damals 25-jährige Deutsche noch das kleinste Problem.

"Wohnungssuche, Versicherungen, Gas, Strom, Behördengänge: Das überfordert einen am Anfang." Wie Anja Brozik verlassen mehrere Tausend Deutsche für ihren Arbeitgeber jährlich Deutschland. Damit sie sich in der Fremde zurechtfinden, helfen so genannte Relocater.

Die Aufgaben eines Relocaters sind so vielfältig wie das Leben selbst. "Man begleitet bei Behördengängen und hilft", sagen Regine Albrecht und ihre Partnerin Monica Urmston, die in New York den Relocationservice Expatlinq betreiben. Behördengänge seien nicht nur in Deutschland ein Graus. "Fragen zu Sozialversicherung, Führerschein, Arbeitserlaubnis oder Steuernummer stellen Neuankömmlinge vor große Herausforderungen", sagt Albrecht.

Eiffelturm statt Freiheitsstatue

Die heute 29 Jahre alte Anja Brozik wollte im Jahr 2000 eigentlich nach Paris versetzt werden. Doch statt für den Eiffelturm entschied sich ihr Unternehmen für die Freiheitsstatue. Einfach war der Abschied von der gewohnten Umgebung für Brozik nicht: "Man verliert seine Freunde und Verwandten. Ich habe den ganzen Flug geweint."

Besonders jüngeren Expatriats, wie die von deutschen Firmen ins Ausland gesandten Mitarbeiter heißen, empfiehlt sie, auch persönliche Dinge mitzunehmen, die nicht ohnehin ins Reisegepäck gehören. "Das macht es leichter." Ratsam sei außerdem, bereits in Deutschland eine Kreditkarte zu beantragen und sich mit den Banken in Verbindung zu setzen.

Unerlässlich ist laut Monica Urmston ein Internationaler Führerschein, um leichter vor Ort die Fahrerlaubnis zu erhalten. Ohne Relocater wäre nach Anja Broziks Worten schon die Wohnungssuche erfolglos gewesen. "Ich hatte mir zehn Wohnungen angesehen. In New York ist alles extrem teuer. Man hat kein Gefühl für den Preis, und der Makler ist immer subjektiv", erzählt sie. "Da hilft ein Relocator mit seinen neutralen Tipps."

Misslungene Eingewöhnung schlägt teuer zu Buche

"Wer in ein neues Land kommt, wird oft von der Kultur und den neuen Eindrücken und Anforderungen überwältigt", sagt Regine Albrecht. Hilfe ist dann umso mehr gefragt. Bevor Relocationfirmen diesen Service angeboten haben, zählten Neuankömmlinge auf Nachbarschaftshilfe oder Newcomer-Clubs - die es auch heute noch gibt.

"Meist haben die Frauen von Expatriats solche Gruppen gegründet", sagt Albrecht. Um in der neuen Heimat Anschluss zu finden, geben viele großen Firmen Kontaktdaten anderer deutscher Mitarbeiter weiter. Sinnvoll kann es sein, bereits in Deutschland Kontakt zu den künftigen Kollegen aufzunehmen.

Wer im neuen Land schnell Landsleute und andere Menschen treffen möchte, sollte laut Brozik beispielsweise einen Sprachkurs buchen und sich für einen Mannschaftssport anmelden. "So findet man am schnellsten Anschluss." Dass dieser glückt, daran haben die Unternehmen großes Interesse. Klappt die Eingewöhnung nicht, wird das auch für die Firma teuer. Schon weil die Suche nach einer Ersatzperson erheblich zu Buche schlägt.

Frank Faggo, Geschäftsführer des deutschen Relocation-Unternehmens progedo in Ratingen, betont vor allem die psychologische Bedeutung der Hilfe vor Ort. "Dass Unternehmen damit Geld und Zeit sparen können, ist eher ein Nebeneffekt." Seine 40 Mitarbeiter kundschaften beispielsweise in Deutschland für Umzugswillige Wohnungen aus und bereiten alles vor. Wer dann aus Deutschland ankommt, braucht keine Angst vor nervenden Aufgaben mehr haben.

Für Anja Brozik geht der vierjährige Auslandsaufenthalt in New York in diesem Sommer zu Ende. Dann kehrt sie nach Deutschland zurück. Ihr erster Einkauf, da ist sie sich sicher, wird ihr hier um einiges leichter fallen.

Von Kai Oppel, DPA