Gerhard Ackermanns Ölmüller, Medienmann, Multimillionär

Durch den Verkauf seiner Anteile an der Warenhauskette Allkauf wurde der Ölmüller Gerhard Ackermanns reich. Noch reicher machte ihn Leo Kirch. Denn der von Ackermanns gegründete Privatsender Eureka heißt heute ProSieben.
Von Karsten Langer

Hamburg - Ob Massa, Globus oder Summa - SB-Discounter mit martialischen Namen erlebten Ende der 60er Jahre einen stürmischen Boom. Auch Allkauf gehörte zu dieser florierenden Gattung. Der 1962 vom Mehlmüller Eugen Viehof und dem Ölmüller Gerhard Ackermanns in Mönchengladbach gegründete Großmarkt Sellgross war die Keimzelle des rheinischen SB-Imperiums.

Innerhalb von 25 Jahren mauserte sich Allkauf zu einer der größten Discountketten Deutschlands und erwirtschaftete einen Umsatz von fast 2,2 Milliarden Euro.

Erfolgreich war das Duo Ackermann/Viehof unter anderem wegen seiner ausgeprägten Sparsamkeit. So soll es selbst für höher gestellte Mitarbeiter nur dann eine neue Kugelschreibermine gegeben haben, wenn im Gegenzug als Beweis für die Bedürftigkeit die leere zum Tausch mitgebracht wurde.

Ende der 80er Jahre jedoch knirschte es im bis dato harmonischen Gemeinschaftsunternehmen. Grund dafür waren vor allem Ackermanns Privatinvestments. Als frisch gebackener Medienmann hatte er sich mehrere Radiosender und den Filmrechteverwerter Medimedia GmbH zugelegt. Ackermanns' Plan war es, einen Privatsender zu gründen, der sich ausschließlich über Werbeeinnahmen tragen sollte. So wollte der Medienpionier in Deutschland das Teleshopping einführen.

Pionier des deutschen Kabelfernsehens

Ganz oben auf der Kundenwunschliste von Ackermanns stand sein eigenes Unternehmen, doch die Allkauf-Spitze wollte von seiner Idee nichts wissen. Ackermanns wandte sich frustriert an die Konkurrenz. Der Großversender Quelle sagte schließlich zu.

Unter dem Namen "Eureka TV" vermarktete Ackermanns fortan via Kabel amerikanische Nachrichten und alles, was sich verkaufen ließ. Die Stimmung in der Allkauf-Firmenzentrale an der Reyerhütte in Mönchengladbach sank indes nach der Eureka-Quelle-Kooperation auf den Gefrierpunkt.

Nicht nur die Medienkapriolen Ackermanns' hatten zu den atmosphärischen Störungen geführt. Schwager Eugen war schon vor Jahren aus der Geschäftsführung ausgeschieden, und im Gegensatz zum Viehof-Clan war es Ackermanns nicht gelungen, Mitglieder seiner Familie in der Konzernzentrale unterzubringen. Von den vier Töchtern konnte sich nur eine vorübergehend im Beirat etablieren, die vier Söhne Viehofs hingegen waren alle sicher bei Allkauf untergebracht. Ackermanns hatte also keinen leichten Stand im Leitungsgremium, er war des Verkaufens müde geworden.

Sang- und klanglos aber wollte Ackermanns nicht aus dem eigenen Nest weichen. Die Geschäftsführer Eugen Viehof junior und sein Bruder Michael gingen wohl davon aus, seine Anteile auf Grund des im Gesellschaftervertrag festgeschriebenen Vorkaufsrechts billig zu erwerben. Der gewitzte Geschäftspartner jedoch bot seine Anteile auf dem freien Markt an und trieb so den Preis nach oben. Für geschätzte 300 Millionen Euro wechselte Allkauf schließlich im Ganzen zu den Viehof-Familie. Die veräußerte Allkauf Anfang 1998 für ein Vielfaches an den Metro-Konzern .

Späte Karriere im Kirch-Imperium

Späte Karriere im Kirch-Imperium

Doch anstatt sich zur Ruhe zu setzen und sich seinem Hobby, den Pferden, zu widmen, startete Ackermanns eine späte Karriere als Medienmacher. 1988 verkaufte er 49 Prozent seines hochdefizitären Senders Eureka für 1,5 Millionen Euro an Thomas Kirch, den Sohn des schon damals äußerst umtriebigen Münchener Medienmoguls.

Mehrere - später widerrufene - eidesstattliche Aussagen von Zeitgenossen weisen darauf hin, dass Ackermanns als Strohmann eingesetzt worden war, um die eigentlichen Mehrheitsverhältnisse der Gesellschaft zu verschleiern. Denn die deutschen Kartellbehörden wollten die Marktmacht Leo Kirchs beschränken. Eureka TV wurde als erste Amtshandlung umfirmiert. Unter dem neuen Namen ProSieben sollte der Kabel-Pionier schnell die Republik erobern.

Auf eigenen Beinen, das beweist die Bilanz von 1992, konnte die Pro Sieben Television GmbH in München-Unterföhring allerdings kaum stehen. Alle Anzeichen deuten auch heute noch darauf hin, dass Leo Kirch Pro Sieben unter seine Fittiche genommen hatte. Denn der Fehlbetrag von über 300 Millionen Euro wurde durch Bankkredite gedeckt. Die wiederum waren durch Filmpakete abgesichert, die Leo Kirch an ProSieben verkauft hatte.

Auch dem Stillen schlägt die Stunde

Ackermanns selbst spielte in dem undurchsichtigen Medienpoker keine aktive Rolle. Sein Büro verlegte er nach Krefeld, eine Zweizimmerwohnung über einer Dorfkneipe musste als Domizil für den stillen Teilhaber reichen. Nur zu Notarterminen erschein Ackermanns, sonst hielt er sich im Hintergrund.

Doch auch dem Stillen schlägt die Stunde. ProSieben wuchs und gedieh unter der Leitung des damals 38-jährigen Geschäftsführers Georg Kofler. Im Jahr 1996 schaffte Kofler bei knapp 750 Millionen Euro Umsatz einen Gewinn von über 70 Millionen Euro. 1997 schließlich gelang Leo Kirch und seinen Getreuen das Husarenstück, Pro Sieben gegen den Widerstand aller Kritiker an die Börse zu bringen. Unter dem Strich soll Kirch geschätzte 350 Millionen Euro verdient haben. Dem schweigsamen Ackermanns wurde ein Teil der für 37 Millionen Euro begebenen Genussscheine überschrieben, die tatsächliche Vergütung seiner treuen Dienste bleibt im Dunkeln.

Heute lebt der 79-jährige Ackermanns am Niederrhein und genießt seinen Lebensabend. Im örtlichen Turnverein hat er den Vorsitz inne und offensichtlich genug Zeit, sich seinen Vorlieben zu widmen. Für seine hervorragenden Verdienste um die Förderung der Reiterei wurde er vom Pferdesportverband Rheinland mit der Ehrennadel mit Lorbeerkranz ausgezeichnet. Die Mitglieder seiner kunstsinnigen Familie hat Ackermanns in seinen Industrie- und Immobiliengesellschaften untergebracht. Und die florieren dem Anschein nach immer noch prächtig.

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