Montag, 22. April 2019

Chantal Grundig Die "eiskalte Witwe"

Sie versüßte dem alten Max Grundig seine letzten Lebensjahre, er dankte es ihr mit einem gigantischen Erbe. Heute lebt Chantal Grundig zurückgezogen auf ihrem Gut in Südfrankreich. Der Grundig-Betriebsrat, der dem Untergang des Elektronikkonzerns ohnmächtig zusehen musste, nimmt der Witwe ihre Tatenlosigkeit noch heute übel.

Hamburg - Ob sie wohl sehr leide, fragte die "Bunte" vor einigen Jahren mitfühlend. Ist gar die Scheidung schon eingereicht? Die aufrichtige Sorge der Münchener Promi-Postille galt dem Befinden von Chantal Grundig, geborene Rubert, der Witwe des 1989 verstorbenen Industriellen Max Grundig.

Nach achtjähriger Ehe hatte sich die inzwischen 55 Jahre alte Französin soeben von Ehemann Nummer drei getrennt, dem auf Herzen spezialisierten Mediziner Günther Dietze, dereinst Leibarzt des verstorbenen Gatten. Dietze hatte als Chefarzt in der zum Grundig-Imperium gehörenden Klinik Bühler Höhe in Baden-Baden gearbeitet. Nach der Trennung trennte sich auch die Klinik vom Ex-Gatten der Grundig-Witwe. Seelentrost galt es also zu spenden. Im Übrigen ist Chantal Grundig rundum exzellent versorgt.

Ihren Alltag verbringt sie dem Vernehmen nach wahlweise in einer ihrer herrschaftlichen Baden-Badener Villen oder auf einem weitläufigen Anwesen in Südfrankreich. Hier wie dort bemüht sich Hauspersonal, Frau Grundig dienstbar zu sein. Beruflichen Verpflichtungen indessen geht die gelernte Hotelfachfrau nicht nach, auch durch anderweitiges Engagement tritt sie öffentlich eher selten in Erscheinung. Zuletzt durfte sich das Behindertenprojekt "Lagune 2000" der ehemaligen alpinen Rennläuferin Christa Kinshofer über eine Spende von Frau Grundig freuen.

Der finale Coup des "alten Max"

Dass sie ein Leben voller Annehmlichkeiten führt, verdankt die Dame des Hauses ihrem zweiten Ehegatten Max Grundig. In erster Ehe war sie mit dem Bergbauer Jean-Louis Girard verheiratet. Ende der 60er Jahre diente sie sich der Familie als Gesellschafterin und Französischlehrerin für Grundigs damalige Frau Anneliese an. 1980 war sie vom Hausherrn schwanger. Der ließ sich prompt scheiden, um seine 42 Jahre jüngere Geliebte zu heiraten.

[M] DDP; DPA; mm.de
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Nach dem Tod des Patriarchen gehörten Madame Grundig und die Töchter Valerie und Maria-Alexandra zu den ersten Begünstigten. Presseberichten zufolge soll der Senior seinen Erben ein Vermögen von geschätzten fünf bis sechs Milliarden Mark vermacht haben. Außerdem profitierten sie reichlich vom letzten grandiosen Deal, mit dem Max Grundig die Schäfchen seiner Sippe ein für allemal ins Trockene gebracht hatte.

Ende der 70er Jahre, als Grundigs internationaler Elektronikkonzern sowohl durch Missmanagement als auch wachsende Konkurrenz aus Fernost zunehmend unter Druck geriet, diente der Gründer sein Unternehmen dem Philips-Konzern an. Die Niederländer griffen zu. 1979 stiegen sie mit einer Minderheitsbeteiligung von 24,5 Prozent ein. Fünf Jahre später kauften sie Grundig weitere 7 Prozent seiner Anteile ab - unternehmerische Führung inbegriffen beim schon seit geraumer Zeit nicht mehr profitablen Hersteller von Fernsehern und anderer Unterhaltungselektronik.

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